Der yogatherapeutische Ansatz des Benefit-Yoga® setzt neue Maßstäbe in der Evolution der Gesundheitsfürsorge. Ein Interview mit Dr. Daya Mullins vom Weg der Mitte und dem Europäischen College für Yoga und Therapie
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YOGA AKTUELL: Können Sie den philosophischen Hintergrund der Yogatherapie, wie sie im Weg der Mitte praktiziert wird, kurz beschreiben?

Dr. Daya Mullins
: Die Grundhaltung der Yogatherapie und Yogaheilpädagogik im Weg der Mitte / ECYT ist eine aktive Akzeptanz, d.h. die grundlegende Annahme dessen, was ist, statt eines Kampfes dagegen. Wir arbeiten mit einem Heilungsansatz auf der Grundlage der verschiedenen Yogawege, des Ayurveda und der Naturheilkunde sowie der Psychologie und setzen uns seit vielen Jahren als Team mit der Erforschung von Gesundheit und Heilung auseinander und wie dieser Zustand, die Salutogenese, also wie und wodurch der Mensch sich in Richtung Gesundheit entwickelt, seine Umsetzung findet. Im Yoga stützen wir uns auf mehr als 35 Jahre Erfahrung und Forschung in der Heilungsarbeit und auf die Begleitung von zahlreichen Patienten und Klienten, die bei uns über die Jahre in verschiedener Art und Weise Unterstützung gefunden haben, und setzen diesen Erfahrungs- und Wissensschatz ganz praktisch in der weiteren Forschung und Arbeit mit den Menschen um. Diese Arbeit stellt uns vor Fragen wie: Was ist wirklich Gesundheit im synergetischen System „Mensch“? Was ist psychisches Wohlgefühl? Wie kann ein Fließgleichgewicht von Anforderung und Regeneration erreicht werden? Wir unterrichten u.a. Patienten in Lifestyle-Training, wir erforschen mit ihnen zusammen ihr persönliches Befinden, ihre Gedanken- und Handlungsmuster und verschiedene Arten der Konzentration –  und das alles im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe.

Wir schauen weiter als das allopathische Modell, in dem es um die Beseitigung von Symptomen geht. Wir sehen die Klienten in ihrer Ganzheit. Wir verstehen Yoga als Weg der Selbsterforschung und der persönlichen Entwicklung. Wir haben eine ganzheitliche Herangehensweise, welche die verschiedenen Ebenen des Seins umfasst, Körper, Emotion, mentale und spirituelle Ebene, und wir integrieren und nutzen die angeborene Weisheit von Körper und Geist in unserer Arbeit. Wir bestärken und bejahen Heilung als eine Umwandlung von Leiden, die auch befähigt, zukünftiges Leiden zu verhindern oder zu vermindern. Während meiner Reisen nach Indien lernte ich vor vielen Jahren auch die Lehre des Ayurveda kennen, und mir wurde bewusst, dass die östlichen Traditionen neben ihrem tiefen spirituellen Wissen auch fundiertes medizinisches Verständnis vermitteln. Es wurde ein Teil meiner Lebensaufgabe, Wege zu finden, kranken und bedürftigen Menschen wirkliche Hilfe zu leisten und östliche und westliche Heilansätze zu verbinden. Eins meiner Ziele ist es, Menschen dazu zu ermutigen, über ihr Leben und ihre sogenannten Krankheiten auf neue Weise nachzudenken und hinzufühlen in dem Sinne, dass sie verstehen können, dass sie selbst das wichtigste Werkzeug für den Heilungsprozess sind.

Mit welchen Leiden/Krankheiten kommen die Klienten zur Yogatherapie?

Ein breites Spektrum an Menschen aus ganz verschiedenen beruflichen und gesellschaftlichen Schichten kommt: Einige möchten einfach ihre Asanapraxis vertiefen, andere kommen wegen Rückenschmerzen, Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und wieder andere fühlen, dass es da noch etwas anderes im Leben geben kann als die tägliche Routine.

Die Yogatherapie dient der Reinigung und Stärkung des gesamten Systems „Mensch“ und ist deshalb ein äußerst wirksames Instrumentarium, das dazu beiträgt, unsere Organsysteme in ein vegetatives Gleichgewicht zu bringen, was eine Voraussetzung für Vitalität und Gesundheit auf allen Ebenen ist. Im Weg der Mitte ist über die Jahre eine sinnvolle komplementär-medizinische Herangehensweise entstanden, die eine große Unterstützung sowohl im Stress-Management und in der Vorsorge als auch bei chronischen Beschwerden und in der Rehabilitation bietet. Im Weg der Mitte holen wir die Menschen dort ab, wo sie sind.

Krankheit gehört nach Patanjali zu den Hindernissen, die überwunden werden wollen. Jedoch gibt es auf dem Weg der Heilung und des Wachstums natürliche und sinnvolle Krisen, die es zu durchlaufen gilt. Mit welcher Krankheit oder Imbalance die Patienten auch kommen mögen, wir sehen darin eine Tür, die sie durchschreiten können, um die Heilung in sich in ihrer Ganzheit zu erforschen.

Haben die meisten vorher schon Yoga praktiziert?

Es ist sehr gut möglich, ohne Vorkenntnisse zur Yogatherapie zu kommen. Wir arbeiten mit Menschen aller Hintergründe und Überzeugungen. Manche kommen auf Empfehlung ihrer Freunde oder Verwandten, andere werden von Ärzten oder Psychologen an uns weiterempfohlen, als Ergänzung der von ihnen verordneten Therapien. Natürlich umfasst die Yogatherapie auch die Arbeit mit Yogaschülern und Yogalehrern.

Wo liegt der Schwerpunkt der Yogatherapie bei Ihnen?

In unseren Yogatherapieausbildungen legen wir den Schwerpunkt neben der wichtigen Vermittlung technischer Fähigkeiten und Kompetenzen auch auf die persönliche Entwicklung der Teilnehmer, so dass folgende Fähigkeiten heranwachsen: zu verstehen, wie die vielen Einzelteile als Ganzes zusammenarbeiten; dem Klienten eine wertfreie Akzeptanz entgegenzubringen; eine Atmosphäre von Vertrauen zu schaffen, gut zuzuhören und genau zu beobachten; den Klienten mitfühlend zu unterstützen und individuelle Programme zu erstellen und Aufzeichnungen zu führen.

Während das allopathische Modell Krankheiten behandelt, sehen und behandeln wir den Menschen wie schon gesagt ganzheitlich. Die physische Konstitution, die emotionale Befindlichkeit, das Alter, die Arbeits- und familiäre Situation sowie der Lebensstil werden genau betrachtet. Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung sind hier unsere zentralen Anliegen.
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