Sie haben eine Ausbildung als Yogalehrer absolviert – und was nun? Dieser Artikel soll konkrete Hinweise geben, was Sie beim Start in die Selbstständigkeit beachten sollten, und Ihnen mit vielen Tipps zur Seite stehen
Anzeige


1. Wie anfangen?

Beim Finanzamt melden
Wenn Sie selbstständig Yoga unterrichten wollen, müssen Sie sich dazu seit 2009 (wie für jede andere selbstständige Tätigkeit auch) bei dem für Sie zuständigen Finanzamt anmelden. Das Formular dazu gibt es online bei www.finanzamt.de. Klicken Sie dort auf Ihr Bundesland und laden Sie sich dann den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bei Aufnahme einer gewerblichen, selbstständigen (freiberuflichen) oder land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit“ herunter. Sie finden diesen Fragebogen unter „Service“ oder „Download“, je nach Bundesland. Den ausgefüllten Fragebogen schicken Sie an Ihr Finanzamt, und Sie erhalten dann eine Steuernummer für Ihre selbstständige Tätigkeit. Diese ist auf allen Rechnungen anzugeben, die Sie ausstellen, und muss u.a. auch im Impressum Ihrer Website stehen.

Der selbstständige Unterricht von Yoga ist im Sinne des Paragraphen 18.1.1 des Einkommensteuergesetzes eine freiberufliche Tätigkeit. Deshalb brauchen Sie kein Gewerbe anzumelden. Mit Zuteilung der Steuernummer können Sie loslegen. Aber Vorsicht, es gibt Stolperfallen auf dem Weg. Diese haben sogar Namen: Es sind Krankenversicherungspflicht, Rentenversicherungspflicht, Übungsleiterpauschale, Umsatz- und Einkommensteuer. Auf was zu achten ist, soll nun erörtert werden. Vorab eine kurze Begriffsklärung: Im Folgenden wird der Begriff „Gewinn“ verwendet. Der Gewinn ergibt sich aus der Summe aller Einnahmen minus der Summe aller Ausgaben. Einnahmen sind Honorare und Beiträge der Kursteilnehmenden, typische Ausgaben sind Fahrtkosten, Werbung, Telefon, Fortbildungen, Fachliteratur (auch das Abo der YOGA AKTUELL), Büromaterial usw.

2.Krankenversicherung & Rente

Krankenversicherungspflicht
In Deutschland muss seit 2008 jeder Bürger krankenversichert sein. Das sind Sie wahrscheinlich auch. Dann geht es weiter.
Situation 1: Sind Sie familienversichert, d.h. sind Sie in einer gesetzlichen Krankenkasse über die Kasse Ihres Ehegatten versichert? Haben Sie kein eigenes Einkommen außer einem Minijob? Dann dürfen Sie mit Ihrem Yoga-Unterricht in einem Jahr einen maximalen Gewinn von 4320 Euro erwirtschaften, um weiterhin (kostengünstig) in der Familienversicherung zu bleiben. Liegt Ihr Gewinn darüber, so sprechen Sie mit Ihrer Kasse. Sollte bei einer späteren Prüfung eine Versicherungspflicht festgestellt werden, so können die Krankenkassen Beiträge auch noch nachträglich einziehen. Da können schnell größere Summen zusammenkommen.

Situation 2: Beziehen Sie eigenen Lohn bzw. Gehalt, von dem Ihre Krankenkassenbeiträge abgezogen werden? Dann achten Sie darauf, dass das Verhältnis von Brutto-Jahreslohn zu Ihrem Jahresgewinn aus dem Yoga-Unterricht ausgewogen ist. Was das für Ihre konkrete Situation bedeutet, besprechen Sie am besten mit Ihrem Fachberater bei Ihrer Krankenkasse. Bis zu 4320 Euro Jahresgewinn sind Sie auch mit eigenem Lohn „auf der sicheren Seite“. Meistens können Sie auch einen höheren Gewinn erzielen, ohne dass eine zusätzliche Krankenversicherungspflicht entsteht. Lassen Sie sich beraten, so kennen Sie frühzeitig Ihre Situation und können entsprechend handeln.

Rentenversicherungspflicht
Seit 1913 sind „selbstständige Lehrer“ in Deutschland rentenversicherungspflichtig. Im aktuellen Paragraph 2.1 im 6. Sozialgesetzbuch steht: „Versicherungspflichtig sind selbstständig tätige Lehrer und Erzieher, die im Zusammenhang mit ihrer selbstständigen Tätigkeit keinen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen …“

Unabhängig davon, ob Sie über Ihren Lohn bereits Beiträge zur Rentenversicherung abführen: Sobald Ihr Jahresgewinn durch (Yoga-)Unterricht höher liegt als 4800 Euro, müssen Sie sich bei der Deutschen Rentenversicherung melden und – genau! – ein Formular ausfüllen. Alle Informationen dazu finden Sie auf www.deutsche-rentenversicherung.de. Wenn Sie die Suchfunktion auf der Seite nutzen, geben Sie „Pflichtversicherung“ oder „V020“ ein (Letzteres ist die Formular-Nummer, Ordnung muss sein). So kommen Sie am schnellsten zu den Informationen.

Der Gesetzestext zeigt aber auch, wie Sie ohne Rentenversicherungspflicht selbstständig sein können. Sie müssten für den Bereich des Unterrichts jemanden sozialversicherungspflichtig einstellen, d.h. Sie zahlen ihm mehr als 400 Euro im Monat als Lohn. Das kann eine Bürohilfe sein oder jemand, der Ihnen die Werbung macht oder Ihr Studio in Ordnung und sauber hält. Wenn das für Sie ein Thema ist, so sprechen Sie es am besten mit einem Steuerberater durch. Sie müssen dafür nicht sein Mandant werden. Sie können eine Steuerberatung auch nur für ein solches Thema in Anspruch nehmen. Fragen Sie vorab nach dem Honorar, Steuerberater haben eine Gebührenordnung. Über die Website: www.steuerberater-suchservice.de können Sie in Ihrer Umgebung nach einem Fachmenschen suchen. Gehen Sie in der Suchmaske, die auf dieser Seite erscheint, unter „Branche“ auf „Freie Berufe allgemein“. Das trifft auf Yogalehrende am ehesten zu.

Anzeige