Jede Yoga-Übung ist der Ausdruck einer Bildgestalt. Über die Symbolik und Bedeutung der Asanas. Diesmal: Padmasana – die Lotushaltung

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Padmasana wird als die Königshaltung unter den Asanas bezeichnet und ist eine traditionelle Meditationshaltung. Sie gleicht einer Lotusblüte, die ein Symbol für außerordentliche Schönheit und Unsterblichkeit ist.

Eine Lotusblüte ist im Schlamm verwurzelt, doch ihre Blüten zeigen keine Spur davon, wenn sie durch das trübe Wasser nach oben wachsen. Die leuchtende Schönheit des Lotus und die Dunkelheit des schlammigen Wassers repräsentieren die zwei Seiten des Lebens: Das Licht, das Schöne, das Strahlende und das Dunkle, die Begierden, das Erotische.
In Padmasana verwurzelt sich der Körper so fest in der Erde wie die Stengel der Lotusblüte im Schlamm. Die Wirbelsäule richtet sich gleich den Stielen der Lotusblume nach oben auf. Die Blüten repräsentieren den Kopf und das Erwachen des reinen Bewusstseins. Wie der Lotus den Schlamm, so braucht der Schüler die Hindernisse, um in seiner Yogapraxis zu wachsen. Verbindet er sich mit den Hindernissen auf gleiche Weise wie die Stiele des Lotus mit der Dunkelheit, entfalten sich sein Licht und seine Schönheit. Die Blüten der Lotusblume öffnen sich erst, wenn sie ein paar Stunden der Sonne ausgesetzt waren: Die Früchte der Yogapraxis erblühen erst, wenn der Schüler eine Weile durch all seine Hindernisse hindurch praktiziert und sitzt. Es braucht eine Weile, bevor der Körper in der Lage ist, bequem im Lotus zu sitzen und darin zu verweilen. Gelingt dies, entsteht zuerst im Äußeren, dann auch im Inneren eine große Ruhe.

Der Lotus gleicht einem Raum: Die vier Himmelsrichtungen und die vier dazwischen liegenden Richtungen bilden die Form seiner Blütenblätter. Fällt ein Wassertropfen auf ein Lotusblatt, dann hat er einen silbrigen Glanz, der sowohl das Grün des Blattes darunter als auch das Blau des Himmels darüber spiegelt.

„No mud – no lotus“ (Thich Nhat Hanh)

Wirkung

  • Schafft eine stabile, geerdete Sitzhaltung.
  • Beruhigt den Geist und den Atem.
  • Dehnt die Fußgelenke und die Knie.
  • Ist hilfreich bei Menstruations-beschwerden.
  • Richtet die Wirbelsäule auf.
  • Stimuliert das Becken, die Wirbelsäule und die Blase.
  • Traditionelle Yogatexte sagen, dass Padmasana alle Krankheiten auflösen und die Kundalini erwecken kann.
  • Padmasana ist unter allen Asanas die am besten geeignete Haltung für die Meditation.

Variation

Ardha Padmasana, der halbe Lotussitz

Vorübung für Padmasana

  • Baby Cradle
  • Schmetterling
  • Janu-Shirshasana

Anleitung zur Ausführung von Padmasana in 10 Schritten:

  1. Sitzen Sie in Dandasana.
  2. Beugen Sie das rechte Knie und legen Sie den rechten Fuß mit Hilfe der Hände über den linken Oberschenkel an die Leiste. Die Zehen ragen über den Oberschenkel hinaus.
  3. Beugen Sie das linke Knie und legen Sie den linken Fuß mit Hilfe der Hände über den rechten Oberschenkel an die Leiste.
  4. Dehnen Sie die Wirbelsäule, heben Sie die Rumpfseiten an und weiten Sie die Brust.
  5. Strecken Sie beide Arme und legen Sie die Handrücken auf die Knie.
  6. Halten Sie die Finger in Jnana-Mudra oder legen Sie die Hände mit den Handflächen nach oben ineinander an die Stelle, wo die Füße sich kreuzen.
  7. Atmen Sie normal und sitzen Sie 30 bis 60 Sekunden in der endgültigen Stellung. Später können Sie so lange wie möglich in der Stellung verweilen.
  8. Befreien Sie zuerst das linke, dann das rechte Bein mit den Händen.
  9. Wechseln Sie die Kreuzung der Beine.
  10. Befreien Sie die gekreuzten Beine und kommen Sie zurück in Dandasana.

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