Jede Yoga-Übung ist der Ausdruck einer Bildgestalt. Über die Symbolik und Bedeutung der Asanas. Diesmal: Gomukhasana – das Kuhgesicht

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Manchmal kann man sich auf der Yogamatte ganz schön dumm fühlen. Zum Beispiel, wenn man nicht versteht, welches Bein wohin kommt, während der Nachbar auf der Yogamatte schon längst in der richtigen Position steht. Oder wenn man ein Asana gerade so „mit Ach und Krach“ meistert, während alle anderen scheinbar lässig und anmutig darin verweilen können. In diesen Momenten gelassen zu bleiben und sich selbst mit allen Schwächen zu lieben, ist ein Teil der Yogapraxis. Eine hervorragende Position, um das zu üben, bietet Gomukhasana.

Gomukhasana – das Kuhgesicht

„Offene Ohren sind passive Ohren.“
B.K.S. Iyengar
„Go“ bedeutet „Kuh“, und „mukha“ heißt „Gesicht“. Das Wort „go“ bezeichnet in bestimmten Zusammenhängen auch Licht, „gomukhasana“ steht somit für „Lichtheit im Kopf“. Ein Gefühl von Leichtigkeit im Kopf ist das, was sich in diesem Asana einstellt, das Ähnlichkeit mit dem Gesicht einer Kuh haben soll.

In Indien ist die Kuh heilig, weil sie Leben, Milch und Butter schenkt. Die Ägypter verehrten eine Kuhgöttin als Symbol des schöpferischen und weiblichen Prinzips und der Mutterschaft. In den Upanishaden heißt es, dass Atman sich in einen Mann und eine Frau geteilt hat: Die Frau wurde zur Kuh, und der Mann zum Stier. Die Nachkommen, die sie zeugten, sind alle Tiere, die es heute auf der Welt gibt.

Die Kuh ist das erste Lebewesen, das aus der Sintflut aufstieg, und nimmt unter allen Tieren den ersten Platz ein. Sie ist ein Symbol für weltschöpferische Mütterlichkeit und Fruchtbarkeit. In der Poesie Indiens gibt es das Bild von kuhähnlichen Wolken, aus denen es nahrhafte Milch und andere Speisen regnet, die besonders denen zugutekommen, die in ihrem innersten Wesen nach der Milch der göttlichen Weisheit suchen. Der Schüler, der sich Gomukhasana und seiner „inneren Kuh“ hingibt, kann die Milch der göttlichen Weisheit in sich selbst finden.

Gomukhasana erfordert Kraft und auch Beweglichkeit in den Beinen und Schultern. Man kann sich darin durchaus wie eine „dumme Kuh“ fühlen, da die Position Schwächen aller Art zum Vorschein bringt. Anfangs ist es oft schwierig, die Beine auszurichten und Rücken, Hals und Kopf dabei noch aufrecht zu halten. Doch wenn man die Haltung regelmäßig übt und darin verweilt, bewirkt sie Ruhe und Sanftheit und vertreibt den Nebel im Kopf.

Wirkungen  von Gomukhasana

  • Stärkt die Beweglichkeit und die Geschmeidigkeit in den Hüften, Beinen und Knien.
  • Öffnet und dehnt die Schultern und Schulterblätter.
  • Weitet den Brustraum und die Lungen.
  • Streckt die gesamte Wirbelsäule.
  • Löst emotionale Blocken.

Anleitung zur Ausführung von Gomukhasana in 10 Schritten:

  1. Ausgangsposition ist Dandasana.
  2. Legen Sie das rechte Bein über das linke, so dass die Knie übereinander liegen.
  3. Die Hüften sind gut geerdet, und die Füße liegen auf einer Linie.
  4. Strecken Sie den rechten Arm zur Seite aus, legen Sie die Hand auf den Rücken.
  5. Schieben Sie die Hand nach oben in Richtung Kopf. Die Handfläche zeigt nach außen.
  6. Strecken Sie den linken Arm nach vorne aus und führen Sie die Hand hinter den Rücken. Wenn es möglich ist, greifen die Hände hinter dem Rücken ineinander, oder die Hände
  7. bewegen sich soweit wie möglich zueinander hin. Ein Schal oder ein Band kann als Hilfsmittel dienen.
  8. Bewegen Sie die linke Schulter nach hinten.
  9. Richten Sie den Rücken, den Hals und den Kopf gerade auf.
  10. Verweilen Sie in der Stellung. Dann die Seiten wechseln.

Die Position kann auch auf einem Stuhl sitzend ausgeführt werden. Für Rechtshänder ist meist die Seite die schwie­rigere, in der der rechte Arm unten ist.

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