Die vier Füße des Bewusstseins: die Elemente des berühmten AUM und ihre tiefere Bedeutung. U – der Traumschlaf

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:


„Dieses Selbst ist
unter den Klängen das AUM.
Unter den Teilen sind
die Füße die Teile und die Teile die Füße
das A, das U, das M.“
(Mandukya-Upanishad)

A-U-M: Anfang, Mitte Ende. Eine Erscheinung geht in die andere über, der Klang des A fließt in das U und vom U in das M. Der Traum, der zweite Fuß des Bewusstseins, ist das Ende vom A und der Anfang vom M.

U – der Traumschlaf

„Der Stand des Traumschlafs weiß um das Innen.
Mit sieben Gliedern und fast zwanzig Mündern
genießt er das Feine.
Er heißt Taijasa: Der Glänzende.
Das ist der zweite Fuß.“
(Mandukya-Upanishad)

Wachsein und Traum haben etwas gemeinsam: Mit sieben Gliedern und fast zwanzig Mündern sind beide unersättliche Genießer. Das Wachsein genießt das Grobe und Sinnliche, der Traum genießt  das Feine und Glänzende. Fein ist die innere Welt, glänzend die Fantasie, mit der der Träumer von einer Identität in die andere schlüpft und dies und jenes ausprobiert. Im Traum gibt es keine Grenzen. Der Träumende kann alles sein, er ist zugleich Jäger und Gejagter, Mann oder Frau, Opfer oder Täter. Während der Körper, das Grobe in uns, schwer im Bett liegt, erschafft das Bewusstsein des Traumes unzählige Wesen und Welten. „Das war nur ein Traum. Das ist nicht wirklich“, denken wir am Morgen, und es stimmt. Aber ebenso ist das, was wir Wirklichkeit nennen, ein Traum. Der Verstand selbst ist einer der zahllosen Träume, die Maya, Gottes schöpferische Energie, träumt.

Der wachende Mensch ist ein Wünschender. Er sehnt sich nach Vereinigung, weil er in den Grenzen der äußeren Hülle gefangen ist. Der träumende Mensch wünscht nicht, sondern identifiziert sich. Er sehnt sich nach der inneren Welt, in der er sich auflösen und zu allem werden, alle Möglichkeiten ausschöpfen kann. Der Traumzustand ist eine Quelle der Inspiration und Heilung für den östlichen Menschen, den Künstler, den Spirituellen. Der Traum ist ein Vermittler zwischen dem ersten und dem dritten Fuß des Bewusstseins, zwischen Wachsein und Tiefschlaf. Wer das U kennt, kennt auch das A und das M. Wenn wir das U chanten, kommen wir höher als im A, aber wir sind noch nicht angekommen, wir sind in der Mitte. Das U fließt weiter und löst sich auf im M, dem Tiefschlaf.

In der nächsten Ausgabe: M – der Tiefschlaf

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