Wie Yoga und Dharma Hand in Hand miteinander gehen und uns weg von der Selbstsabotage und von den unerreichbaren Idealen hin zu echter Selbsterkenntnis und zur Loslösung von unbewussten Mustern führen.

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Yoga und Dharma gehören zusammen, wie Ein- und Ausatmen. Sie ergänzen sich gegenseitig auf unserer Suche nach Sinn und Erfüllung im Leben. Tatsache ist jedoch, dass Yoga und Dharma seit langer Zeit auf separaten Wegen verfolgt werden. Glücklicherweise gibt es eine Bewegung, die diese beiden Wege miteinander verbindet, denn sie sind die perfekte Kombination auf der Suche nach Freiheit.

Ich hatte das Glück, nach ein paar Jahren auf dem klassischen Yogaweg den buddhistischen Dharma-Lehrer Jack Kornfield zu treffen. Diese Begegnung hat mein Leben grundlegend verändert. Plötzlich war die Erleuchtung, die mir immer wie die Karotte des Esels als Ziel vor Augen gehalten wurde, nicht mehr so wichtig. Stattdessen praktizierten wir Methoden, mit denen wir uns selbst klar sehen konnten, mit all unseren Schwächen, und durch die wir lernten, unser Leben besser in den Griff zu bekommen. Für mich war diese Art zu praktizieren eine große Erleichterung. Endlich konnte ich mit dem vergeblichen Versuch aufhören, mich zu perfektionieren! Ich lernte, mich so anzunehmen, wie ich bin – ja, sogar, mich zu lieben, so wie ich bin. Ein Zen-Lehrer in San Francisco hat es einmal so ausgedrückt: „Du bist vollkommen, so wie du bist – und du hast noch ein bisschen Raum, um dich zu verbessern.“

Der liebevolle Weg zu Erkenntnis und Freiheit

Wir können unsere Yoga- und Dharma-Praxis dazu missbrauchen, ein Ideal anzustreben, das immer außer Reichweite bleiben wird. In der Tat wird heutzutage ein Großteil des Yoga auf diese Art praktiziert. Wir wollen ewig jung, gesund und erfolgreich sein. Natürlich wollen wir sexy sein und einen perfekten Körper haben. Yoga wird oft dazu benutzt, um diesen unerreichbaren Zustand zu verkaufen. Leider führt dieser Weg in die Irre.

Yoga und Dharma sind so viel mehr als dieses Idealbild. Es sind Praktiken, die über einen langen Zeitraum ausgeübt werden und uns dabei helfen, uns selbst klarer zu erkennen und unser Verhalten und unsere Muster zu beobachten. Wenn wir dabei geschickter werden, sind Yoga und Dharma letztlich Methoden, die uns helfen, einen Weg zu wählen, der uns mehr Sinn und Freiheit schenkt.

Meine Lieblingsübersetzung von „Yoga“ ist „gekonntes Handeln“ („skill in action“). Wir werden immer geschickter und erfahrener, wenn wir die Werkzeuge und Mittel erlernen, um unseren Verstand zu schulen und den Körper zu befreien.

Der klassische, patriarchisch geprägte Yogaweg besteht darin, Körper und Geist zu brechen, um die inneren Vorgänge des Geistes zu enthüllen. Sowohl in östlichen wie in westlichen Religionen wurden Mönche und Nonnen unterwiesen, sich selbst zu verleugnen; in gewissen Traditionen gingen die Praktiken noch einen Schritt weiter bis hin zu Selbstkasteiungen.

Ich vergleiche diese Art und Weise, Körper und Geist zu schulen, mit der Erziehung eines Hundes: Diese beruht traditionellerweise auch auf einem System aus Angst und Strafe/Belohnung. Wenn wir das Tier nach diesem Prinzip formen, bekommen wir tatsächlich einen gehorsamen Hund. Es funktioniert, aber leider hat dieses System auch Konsequenzen: Zwar gehorcht der Hund, aber sein Geist ist gebrochen. Er tut, was wir verlangen, jedoch ohne wirkliche Neugierde und Eigeninitiative, und er hat seine Freude am Leben zum Teil verloren. Dasselbe passiert mit unserem Körper und unserem Geist, wenn wir sie mit dieser Einstellung trainieren. Wir können sie dazu erziehen, uns zu gehorchen und zu tun, was wir von ihnen fordern – doch mit diesem Vorgehen werden wir unweigerlich etwas in uns zerstören. Wenn wir Yoga dazu missbrauchen, uns selbst in einem endlosen Streben nach Disziplin, Perfektion und der Erfüllung eines Ideals zu quälen, führt dies dazu, dass „derjenige, der weiß“, die Stimme der Weisheit, sich immer tiefer in unser Inneres zurückzieht. Mit der Zeit werden wir immer abhängiger von der äußeren Form unserer Praxis oder unseres Weges. Für mich ist der Körper wie ein unschuldiges Geschöpf – wenn wir aufhören, ihn zu quälen, und lernen, ihn zu lieben, erinnern wir uns an das, was wirklich wichtig ist im Leben. Wir können den jungen Hund – und genauso unseren Körper – nämlich auch anders erziehen: mit Ausdauer, Geduld und Liebe. Auf diese Weise werden wir uns nicht nur über das Resultat freuen, sondern auch den Weg dorthin genießen.

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