Satya Singh, direkter Schüler Yogi Bhajans und bekannter Kundalini-Yoga-Ausbilder, über Chakra-Kommunikation, über die Verknüpfung von Grobstofflichem und Feinstofflichem und die Verbindung zwischen Chakras und Subtilkörper

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

+zuschnitt Satya Singh 2011Satya Singh wurde 1949 in Haarlem, Niederlande geboren. Während seines Soziologiestudiums entdeckte er den Weg des Kundalini Yoga, ab 1974 studierte er Kundalini Yoga als direkter Schüler von Yogi Bhajan (bis zu dessen Abschied aus dieser Welt im Oktober 2004). Er wohnte in Ashrams in Amsterdam und Hamburg, gründete eine Familie und eröffnete schließlich sein eigenes Yogazentrum. Im Jahr 1990 erschien von ihm „Das Kundalini Yoga Handbuch für die Gesundheit von Körper, Geist und Seele“, ein Standardwerk über Kundalini Yoga, das in vier Sprachen übersetzt wurde. Satya Singh unterrichtet seit über 20 Jahren in den Yogalehrer-Ausbildungen in vielen Städten Deutschlands sowie in verschiedenen Ländern Europas und ist Teil des Leitungsgremiums der Ausbilder der 3H-Organisation Deutschland e.V..

YOGA AKTUELL: Inwiefern unterscheidet sich die Chakra-Lehre im Kundalini Yoga von der klassischen Lehre über die Chakras?
Satya Singh: Ich glaube nicht, dass sie sich sehr voneinander unterscheiden. Yogi Bhajan hat einmal in einem berühmten Vortrag gesagt, dass es die Chakras gar nicht gibt. Damit meinte er, dass man sich nicht zu sehr in einer esoterischen Spiegelung verlieren soll. Es gibt immer wieder Leute, die zu mir kommen und sagen, sie haben Lichter oder dies und das gesehen. In unserer Vorstellung sind das nur Funken, die vom Feuer abspringen, sie sind nicht wirklich wichtig. Trotzdem hat Yogi Bhajan alle möglichen Sachen mit den Chakras gemacht. Eine wichtige Unterscheidung ist, dass wir im Kundalini Yoga viel Material über die Chakra-Kommunikation haben und damit arbeiten. Es gibt die Dimension der inneren Entwicklung, aber es gibt auch eine äußere Dimension, wie die Chakras der Leute untereinander kommunizieren. Das war eine der Spezialitäten von Yogi Bhajan, und wir haben eine ausgearbeitete Theorie darüber. Bei jedem Mensch spielen innerhalb der Kommunikation drei Chakras eine Rolle: das Chakra der Intention, das Themen-Chakra und das Präsentations-Chakra. In meinen Ausbildungen kleben sich die Teilnehmer ein weißes Papier auf ihren Rücken, und die Anderen schreiben darauf, was sie bei ihm als übliches Präsentationschakra wahrnehmen. Ein Gesetz der Chakra-Kommunikation ist, dass man jemanden nicht in einem höheren Chakra berühren kann als an demjenigen, aus dem man selbst agiert. Deshalb ist es vor allem für Yogalehrer eine Regel, dass man versucht, aus dem höchsten Chakra zu sprechen. Ein Meister oder eine Meisterin kommuniziert auch ohne Worte aus dem achten Chakra, das bei uns die Aura ist: Er braucht nur in den Raum zu kommen, und schon ändern sich die Gespräche und Gedanken der Anwesenden. Es ist für uns aber auch wichtig, dass alle Chakras aktiv, gesund und miteinander verbunden sind.  

Gibt es eine Verbindung zwischen den Koshas, den fünf Körpern, und den zehn Körpern, die im Kundalini Yoga benannt werden?
Ich bin sicher, dass beide Systeme gleich sind, wir haben verwirrenderweise nur andere Namen dafür. Wenn etwas im „Mind-Körper“ gelöst wird, dann wird es auch grobstofflich übersetzt. Ein Chakra geht durch jeden der feinstofflichen Körper und funktioniert auf multidimensionale Weise. Über die Chakras werden die feinstoffliche und die grobstoffliche Ebene zusammengehalten, und beide sind auf sinnvolle Weise aneinander gebunden. Der erste Körper ist der Seelenkörper, der zweite, dritte und vierte Körper sind der „Mind-Körper“ („Negative Mind“, „Positive Mind“ und „Neutral Mind“). Der fünfte Körper ist der physiologische, grobstoffliche Körper, der sechste die Bogenlinie, die wie ein Heiligenschein den „Mind“ schützt, der siebte Körper ist die Aura, der achte der Prana-Körper, der neunte der Subtilkörper und der zehnte Körper der „Radiant Body“. Beispielsweise steht die Bogenlinie in Verbindung mit dem dritten Auge (sechstes Chakra), der „Negative Mind“ mit dem Nabelpunkt (drittes Chakra), der „Positive Mind“ mit dem Herzchakra (viertes Chakra) und der grobstoffliche Körper mit dem Basis-Chakra (erstes Chakra).

Kannst du mehr dazu sagen, in wiefern die Chakras und die Körperhüllen miteinander verbunden sind und wie sie aufeinander wirken?
Die Chakras kann man nicht gut erklären, ohne über die Subtilkörper zu sprechen. Sie sind keine Punkte, sondern eher Trichter, die bei der Wirbelsäule anfangen. Es sind grobstoffliche Nervenknoten und Drüsen, die so dick wie ein kleiner Finger in Armlänge sind, und sie fächern sich in der Aura in einer handgroßen Form auf. Von der Seite betrachtet sehen sie aus wie kleine Tornados, die sich wie ein Wirbel drehen. Die Chakras sind ein perfektes psychosomatisches Modell für die Übersetzung von feinstofflichen zu grobstofflichen Energien und wieder zurück. Deshalb gehen sie auch vom Allerfeinsten, von der Aura, bis zum Grobstofflichen. Durch Yogaübungen lösen sich Knoten in der Muskulatur, und das Herz geht auf. Diese Übersetzung vom Grobstofflichen zum Feinstofflichen über die Chakras findet jedesmal statt, wenn sich etwas im Bewusstsein löst, ebenso umgekehrt. In meinen Anfängerkursen gehe ich immer erstmal die einzelnen Chakren durch und dann versuche ich auch, die Teilnehmer die Beziehung zwischen den Subtilkörpern und den Chakras spüren zu lassen. Der Prana-Körper ist von allen subtilen Körpern der Körper, der am leichtesten zu spüren ist. Um ihn wahrzunehmen, reiben meine Schüler ihre Hände aneinander und spüren dann mit geschlossenen Augen die Wechselwirkung und Energie zwischen den Händen. Selbst in Anfängerkursen spürt dabei etwas mehr als die Hälfte einen Magnetismus zwischen den Händen oder eine Art von Brausen, das dann intensiver wird.

Herzlichen Dank für das Interview!

 

Chakras und Bedürfnisse

Satya Singh hat eine Zuordnung der sieben Chakras zu den Bedürfnissen des Menschen erstellt, die als psychosomatische Checkliste verwendet werden und auch sehr nützlich innerhalb von Beziehungen sein kann.

1. Chakra
Luft, Nahrung, Wasser, Übung/Bewegung, Ruhe/Schlaf, Sicherheit, Schutz, Stabilität, Obdach, Berührung

2. Chakra
Spielen, Freude, Humor, das Leben feiern, Kreativität, sich sexuell ausdrücken, Freiraum, Spontaneität

3. Chakra
Herausforderung, Klarheit, Kompetenz, Effizienz, Autonomie, Wahlfreiheit, Freiheit, Unabhängigkeit, Zuverlässigkeit, Ordnung

4. Chakra

Akzeptanz, Zuneigung, Wertschätzung, Dazugehörigkeit, Zusammenarbeit, Nähe, Gemeinschaft, Kameradschaft, Mitgefühl, Verbundensein, Rücksichtnahme, Einfühlung, mit einbezogen werden, Intimität, Liebe, Gegenseitigkeit, Respekt/Selbst-Respekt, Unterstützung, Vertrauen, menschliche Wärme

5. Chakra

Ehrlichkeit, Authentizität, Integrität, Präsenz, Selbst-Ausdruck, Kommunikation, kennen und gekannt werden, sehen und gesehen werden, verstehen und verstanden werden

6. Chakra

Bewusstsein, einen Beitrag liefern, entdecken, Wachstum, Hoffnung, lernen, teilhaben, Ziele setzen, Stimulation, einen Unterschied machen, Verständnis

7. Chakra

Frieden, Schönheit, Einheit, Leichtigkeit, Gleichheit, Harmonie, Inspiration, gewahr werden, Bedeutung, Trauer

 

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