Energien fließen lassen mit der einfachen Atemtechnik der Wechselatmung

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Die klassische und wirksamste Übung um die Nadis zu reinigen heißt Nadi Shodhana Pranayama. Im Sanskrit bedeutet das Wort Nadi Röhre, shodhana = reinigend. Prana = Gesamtsumme aller Energien des Universums, kurz: Lebenshauch, Lebensenergie. ayama = Ausdehnung, Erweiterung, aber auch Zurückhalten, Anhalten.

Nadi Shodhana bringt den Pranastrom ins Gleichgewicht und reinigt das Netz der Nadis. Nadis sind röhrenartige Leitung­en, in denen die Pranaenergie zirkuliert. Der Körper wird von einem Netz aus rund 72.000 Nadis durchzogen. Durch die Öffnung der Nadis, vor allem der Hauptkanäle Ida und Pingala, kann Pranaenergie durch den ganzen Körper strömen. Ida ist der Energieleiter mit Ausgangspunkt zum linken Teil der Nase, Pingala die Entsprechung auf der rechten Seite. Vom Naseneingang ausgehend verlaufen diese beiden Nadis entlang der Wirbelsäule.

Die Wirkungen von Nadi Shodhana sind vielfältig. Die Wechselatmung hilft, Erkältungskrankheiten vorzubeugen und schenkt innere Ruhe und Kraft. Nadi Shodhana fördert Harmonie und Konzentration und ist eine gute Technik, um den Geist zur Ruhe zu bringen. Im Yoga wird die Wechselatmung meist zwischen den Asanas, als Meditation oder Vorbereitung auf die Meditation ausgeführt. Die Nasengänge sollten beim Ausführen der Wechselatmung frei sein. Eine Methode, die Nase zu reinigen, ist die klassische Nasenspülung. Es gibt verschiedene andere Arten, dies zu tun, eine sehr einfache wird in Indien angewandt: Der Yogi klemmt sich eine Krücke unter die gegenüberliegende Achselhöhle des verstopften Nasengangs und verbleibt einige Sekunden in dieser Stellung – und der Nasengang ist frei. Ersatzweise kann man eine Stuhllehne benutzen, um die Achselhöhle darauf zu stützen. Die richtige Stelle ist leicht herauszufinden, weil sie sich durch erhöhte Empfindlichkeit auszeichnet.

Günstigste Zeitpunkte zur Ausführung von Nadi Shodhana sind der Morgen oder Abend, keinesfalls unmittelbar nach dem Essen. Die regelmäßige Ausführung der Atmung reinigt die Nadis innerhalb weniger Wochen. Die Wechselatmung ist ungefährlich, wenn man sie in Ruhe und ohne Hast durchführt. Wie jede Pranayama-Übung sollte sie am besten unter Anleitung eines erfahrenen Lehrers erlernt werden.

Die Ausführung der Wechselatmung
Um die Wechselatmung durchzuführen öffnen Sie die rechte Hand und legen Sie die Zeige- und Mittelfinger in die Handfläche zurück. Der Daumen wird benutzt, um das rechte Nasenloch zuzuhalten, Ringfinger und kleiner Finger verschließen das linke Nasenloch. Die Nasenflügel werden mit den Fingerkuppen verschlossen. Die linke Hand liegt auf dem Knie, die Finger im Jnan Mudra, Daumen und Zeigefinger berühren sich, die Handfläche ist nach oben geöffnet. Sie sitzen in einfacher Haltung oder im Lotussitz, die Wirbelsäule ist gerade, die Haltung angenehm und entspannt. Schließen Sie die Augen und beginnen Sie.

1. Atmen Sie langsam und vollständig ein und aus.
2. Atmen Sie zuerst durch das linke Nasenloch langsam und lautlos ein, und verschließen Sie das rechte Nasenloch mit dem Daumen.
3. Am Schluss der Einatmung schließen Sie beide Nasenlöcher und halten Sie ein oder zwei Sekunden – nicht länger – den Atem an.
4. Verschließen Sie nun das linke Nasenloch und atmen Sie durch das rechte Nasenloch vollständig, leise und langsam aus.
5. Atmen Sie durch das rechte Nasenloch ein.
6. Verschließen Sie nun wieder beide Nasenlöcher, halten Sie den Atem für ein oder zwei Sekunden und öffnen Sie dann das linke Nasenloch und atmen Sie vollständig aus.
7. Atmen Sie wieder durch das linke Nasenloch ein.
8. usw.

Der Rhythmus ist:
– links ausatmen, links einatmen
– rechts ausatmen, rechts einatmen
– links ausatmen, links einatmen
– usw.
d.h. Sie wechseln immer vor dem nächsten Ausatmen.

Nadi Shodhana wird ohne Atemanhalten ausgeführt, jedoch mit dem Ziel, ein Gleichgewicht zwischen Ein- und Ausatmung herzustellen. Der Atem sollte langsam fließen, nach einigen Minuten verlangsamt er sich automatisch. Anfangs genügt es, sich nur auf das langsame Atmen zu konzentrieren. Wenn Sie ein bisschen Übung haben, können Sie versuchen, die Ein- und Ausatmung gleichzuschalten. Die Gleichschaltung von Ein- und Ausatem dient nicht nur der Reinigung der Nadis, sondern erhöht auch die Wirkung anderer Pranayama-Übungen und Meditationen.

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Julia Johannsen
Julia Johannsen ist Sozialpädagogin, Yogalehrerin und Autorin. Sie unterrichtet Vinyasa Flow Yoga, ist in einer Praxis für systemisch-spirituelles Coaching tätig und schreibt Artikel und Texte rund um die Themen Yoga, Philosophie und Gesundheit für verschiedene Magazine und Verlage. Ihre Yogapraxis und das Schreiben sind inspiriert vom 5Rhythms®-Tanz nach Gabrielle Roth, Musik und englischen Landschaften.

4 Kommentare

  1. In der Anleitung zur Durführung von nadi shodana, wird beschrieben, das der Atem leise sein soll. Für regulierte Nasenatmung ist es aber unbedingt notwendig, dass das charakteristische Atemgeräusch für die Übende Person hörbar ist. Dieses Geräusch ist bei Ungeübten recht laut und gibt Auskunft über die Qualität der Atmung. Bitte Ausbessern. Liebe Grüße Renate Gaggl

    • Liebe Renate, vielen Dank für deine Rückmeldung! Wenn der Atem langsam, gleichmäßig und frei fließt, dann ist das Geräusch, das durch den Atemfluss entsteht, leise und harmonisch. Ja, du hast Recht, es ist hörbar, und kann somit dem Übenden als Hilfe dienen, den Atem wahrzunehmen. Bei ungeübten Praktizierenden mag das Geräusch zunächst lauter sein. Das Ziel sollte jedoch sein, den Atem gleichmäßiger, ruhiger, und somit auch leiser fließen zu lassen. Herzliche Grüße aus der YOGA-AKTUELL-Redaktion

    • Liebe Renate, vielen Dank für deine Rückmeldung! Wenn der
      Atem langsam, gleichmäßig und frei fließt, dann ist das Geräusch, das durch den
      Atemfluss entsteht, leise und harmonisch. Ja, du hast Recht, es ist hörbar, und
      kann somit dem Übenden als Hilfe dienen, den Atem wahrzunehmen. Bei ungeübten
      Praktizierenden mag das Geräusch zunächst lauter sein, das Ziel sollte jedoch
      sein, den Atem gleichmäßiger, ruhiger, und somit auch leiser fließen zu lassen.
      Herzliche Grüße aus der YOGA-AKTUELL-Redaktion