Wie Meditation unser Gehirn verändert: Ein Überblick zum aktuellen Forschungsstand
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Meditation war schon immer eine zentrale spirituelle Disziplin. Sei es der Buddha unter dem Bodhi-Baum, Shiva im Lotussitz oder seien es die Wüstenväter des frühen Christentums: Alle großen spirituellen Traditionen betrachten Meditation als ein machtvolles Instrument auf dem Weg zur Erleuchtung, Gottverwirklichtung, Nirvana, Satori, Unio Mystica oder wie immer man den Gipfel der spirituellen Vollkommenheit auch nennen mag. Neben der spirituellen Ausrichtung besitzt Meditation außerdem ein nicht zu unterschätzendes Wellness-Potenzial. Darauf haben sich vor allem westliche Meditationslehrer konzentriert und Meditation eng mit Entspannung und Gesundheitsfragen verknüpft.

In den letzten zwei Jahrzehnten begann sich dann auch die moderne Naturwissenschaft ernsthaft der Meditation zuzuwenden. Zunächst waren es Mediziner, die vor allem die positiven Auswirkungen von Meditation auf die Gesundheit erforschten. So konnten Studien unter anderem nachweisen, dass Meditation den Blutdruck senkt, Stresssymptome lindert, das Immunsystem verbessert und Hilfe bei Schlafstörungen und chronischen Schmerzen bietet.

Nach eher zögerlicher Annäherung gibt es inzwischen ein deutlich gestiegenes Interesse der Wissenschaft an Meditation, was sich auch in einer wachsenden Zahl an entsprechenden Publikationen niederschlägt. Während sich Wissenschaftler in der Vergangenheit aus Furcht um ihren guten Ruf davor hüten mussten, sich mit Meditation zu beschäftigen, ist die alte Kunst der Gedankenkontrolle und Transzendenz nun fast schon hip geworden und wird längst nicht  mehr als esoterisch und New Age abgetan.

Die Grundlagen für die Meditationsforschung haben Pioniere wie Harvards Dr. Benson („Relaxation Response“) und Jon Kabat-Zinn gelegt. In jüngster Zeit waren es aber vor allem Neurologen wie Richard Davidson und Sara Lazar, die mit ihren Studien die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der Öffentlichkeit auf sich zogen. Mithilfe neuester wissenschaftlicher Werkzeuge wie zum Beispiel der Messung des regionalen cerebralen Blutflusses (rCBF), der Magnetresonanz-Tomographie (MRT), der Magnetoenzephalographie (MEG) und der verbesserten Elektroenzephalographie (EEG) sind Hirnforscher und Neurologen in der Lage, die Wirkung von Meditation auf das menschliche Gehirn nachzuvollziehen. Sie waren so in der Lage, wissenschaftlich solide zu belegen, dass Meditation nicht nur die Art, wie das Gehirn funktioniert, grundlegend verändert, sondern dass ihre Wirkungen bis in die physische Struktur des Gehirns reichen.

Die Studien
1 Meditation optimiert die Funktionsweise des Gehirns
Forscher der Universität von Wisconsin fanden in einer Studie mit tibetischen Mönchen heraus, dass ein durch Meditation geschultes Gehirn ganz anders funktioniert als ein ungeschultes. Gearbeitet wurde dabei mit der tibetisch-buddhistischen Meditation auf bedingungsloses Mitgefühl. Richard Davidson, Neurologe am Institute for Functional Brain Imaging der Universität von Wisconsin ist der Meinung, dass die Ergebnisse ein bislang ungeahntes Potenzial des menschlichen Gehirns erahnen lassen. Die Studie kam unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

  • Menschen mit langer Meditationspraxis weisen während der Meditation eine erhöhte Frequenz von Gamma-Wellen auf (Gamma-Wellen sind Gehirnwellen, die mit höherer geistiger Aktivität, starker Konzentration und Lernprozessen in Verbindung gebracht werden)
  • Die Gamma-Wellen-Frequenz war bereits überdurchschnittlich, bevor die Mönche zu meditieren begannen. Dies legt nahe, dass die Wirkung von Meditation auf die Gehirnwellen dauerhaft und nicht auf den Zeitraum der Meditation begrenzt ist.
  • Die Gehirne der Mönche dieser Studie wiesen gegenüber der Vergleichsgruppe ohne vorherige Meditationspraxis mehr und ungewöhnlich starke Gamma-Wellen auf.
  • Die Intensität der Gammawellen entsprach ungefähr der Dauer der persönlichen Meditationspraxis. Einige der sehr erfahrenen Mönche wiesen die stärksten Gamma-Wellen auf, die je in einem menschlichen Gehirn nachgewiesen wurden. In der Kontrollgruppe ohne vorherige Meditationspraxis war der Zuwachs an Gamma-Wellen während der Meditation nur gering.
  • Der menschliche Geist kann durch Meditation geschult werden. Meditative Schulung verändert das Gehirn und vergrößert seine Kapazität für Bewusstsein, Glück und Mitgefühl.

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