Jede Yoga-Übung ist der Ausdruck einer Bildgestalt. Über die Symbolik und Bedeutung der Asanas. Diesmal: Bhujangasana – die Kobra

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

„Gleich wie die Schlange auf dem Boden kriecht, so soll auch der Yogi auf Weisheit gestützt wandeln. So wie die Schlange beim Kriechen den giftigen Kräutern aus dem Weg geht, so soll der Yogi bei seinem Wandel üble Taten meiden.“ (aus: „Milindapanha“).  

„Wie bei einer Schlange soll die Bewegung die Wirbelsäule in ihrer ganzen Länge erfassen. Wenn die Schlange den Kopf bewegt, läuft diese Bewegung durch bis zum Schwanz­ende.“ (B.K.S. Iyengar)

Die Kobra gilt als die gefährlichste und stärkste Schlange der Welt, denn ihr Gift bringt den augenblicklichen Tod. Mit ihrer Fähigkeit, die Haut abzustreifen, ist die Kobra ein Symbol für den Kreislauf ewiger Erneuerung, Geburt, Leben und Tod. Die Angst vor Schlangen ist psychologisch gesehen die Angst vor der plötzlichen Veränderung und vor der Vernichtung des Lebens. Die Schlange verkörpert die Versuchung, die Fruchtbarkeit und die Überwindung des Bösen.

In der indogermanischen Veda-Überlieferung heißt es, dass die Schlange ihren Körper siebenmal zur Spirale zusammenrollt. Das rhythmische Auf und Ab dieser Bewegung symbolisiert die Gezeiten des Meeres, die unaufhörlich kommen und gehen. Die Schlange Ananta ist die tausendköpfige Herrscherin über alle Schlangen, das Symbol für das Unendliche, das Unaufhörliche, für die fortbestehende Fruchtbarkeit.

In Bhujangasana kann es sich anfangs merkwürdig anfühlen, den Oberkörper zu heben, ohne dass die Füße an der Bewegung beteiligt sind. Ein Kloß sitzt im Hals, der Nacken ist steif, das Herz scheint bis zum Hals zu schlagen, und das Gesicht wird finster. Wird sich die Brust öffnen und der Großen Schlange darbieten? So wie die Weisheit nicht im Eilschritt kommt, sondern sich langsam nähert, braucht es seine Zeit, bis der Rücken stärker wird und der Brustraum sich öffnen und weiten kann. Eine Schlange kann rhythmische Bewegungen ausführen, aber es ist gut möglich, dass man sich anfangs in dieser Position wie eingesperrt fühlt. Immer wieder lernt der Schüler in der Stellung der Kobra, seine alte Haut abzustreifen, um die große, schöpferische Schlangenkraft in sich selbst zu öffnen und zum Ausdruck zu bringen.

Wirkungen von Bhujangasana

  • Die Rückenmuskeln werden massiert  und gestärkt.
  • Die Brustmuskeln und die geraden Bauchmuskeln werden gedehnt.
  • Hilft gegen Verstopfung.
  • Aktiviert und energetisiert.
  • Die Energie fließt vorne und die Wirbelsäule hinauf.
  • Die Kobra öffnet und befreit von Angst.
  • Schenkt Selbstbewusstsein.
  • Öffnet die schöpferische Schlangenkraft.

Anleitung zur Ausführung von Bhujangasana in 10 Schritten:

  1. Kommen Sie in die Bauchlage.
  2. Die Beine sind lang ausgestreckt, die Füße liegen flach auf dem Boden.
  3. Die Hände sind flach ausgebreitet unter den Schultern.
  4. Die Ellbogen ziehen zum Körper hin, die Stirn ruht auf dem Boden.
  5. Das Schambein schiebt in den Boden, das Steißbein nach unten und innen.
  6. Mit dem Einatmen hebt sich der Oberkörper vom Boden weg, und die Arme strecken sich so weit wie möglich.
  7. Das Steißbein wird zum Schambein hingezogen, und das Schambein in Richtung Nabel.
  8. Die Schulterblätter sind in den Rücken integriert, und der Nacken ist frei.
  9. Das Brustbein ist angehoben und weitet sich.
  10. Ein paar Atemzüge lang hier verweilen und mit dem Ausatmen wieder die Stirn zum Boden zurücksinken lassen.

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