Welche Energien in den verschiedenen Chakras fließen, wie sie sich in der Asana-Praxis auswirken und was man aus körperlichen Widerständen lernen kann – ein Schlüssel zur Auflösung emotionaler Themen und daraus entstandener Blockaden

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Vom Augenblick unserer Geburt an bis zum Moment unseres Todes absorbiert und nutzt unser Körper Energie. Wenn wir an Energie denken, dann geht es meistens um die Energie, die wir aus der Nahrung, aus der Luft, aus dem Wasser oder aus dem Sonnenschein beziehen. Aber was ist mit der Energie der Liebe und Unterstützung, die wir von Familie und Freunden bekommen, mit der Ermutigung, die uns ein guter Lehrer gibt, oder dem Gefühl, das in uns aufsteigt, wenn wir einen Raum betreten, in dem ein erhebendes Kirtan stattfindet? Auch dies sind außerordentlich nährende Formen von Energie – von Energie, die als subtil oder als feinstofflich bezeichnet wird. Subtile Energie nährt uns emotional, mental und spirituell. Wenn wir genug davon erhalten, werden unsere Bedürfnisse gestillt. Wenn nicht, bleiben ungestillte emotionale, mentale und spirituelle Bedürfnisse bestehen, und dadurch werden unsere körperlichen Bedingungen bzw. unsere physische Entwicklung beeinträchtigt. So verletzt es uns beispielsweise, wenn wir uns nicht geliebt fühlen, und es bringt unseren Körper dazu, kalt zu werden und sich in einem Akt der Selbstverteidigung gegen das Ungeliebtsein zusammenzuziehen.

Die Rolle der Chakras

ChakrasWir absorbieren subtile Energie durch unsere Energiezentren im Körper, Chakras genannt. Die aufgenommene Energie wird dann durch Energiekanäle, bekannt als Nadis oder Meridiane, im Körper verteilt. Je nach Quantität und Qualität der subtilen Energie in den Chakras und Meridianen kann die Energie einen wärmenden und öffnenden, einen kühlenden und zusammenziehenden oder einen erhitzenden und  anspannenden Effekt auf die Muskeln und auf das Bindegewebe haben, besonders in den Bereichen um die Chakras und die Meridiane herum.

Energien, die eine wärmende und öffnende Wirkung auf Muskulatur und Bindegewebe haben, umfassen die Energien von Liebe, Unterstützung, Ermutigung und Anerkennung. Zu den Energien, die kühlend und zusammenziehend wirken, zählen Angst und Einsamkeit, die wir aufnehmen, wenn wir in einem lieblosen Umfeld leben. Energien, die einen erhitzenden und Anspannung verursachenden Effekt haben, sind z.B. Wut und Frustration, die entstehen, wenn man in einem sehr kontrollierenden Umfeld lebt, oder die aus dem Zorn darüber herrühren, dass man von wichtigen Menschen im Leben nicht genügend Liebe oder Rückhalt erfährt.

Abhängig von der Art der Umgebung, in der wir leben, und von den Menschen darin, nehmen wir durch jeweils spezifische Chakras bestimmte subtile Energien auf.
Wir absorbieren die Energie unseres Zuhauses und der Menschen in unserer häuslichen Umgebung, unserer Familie, durch das erste Chakra, das an der Basis des Körpers, am Perineum, zu finden ist. Dies ist das Wurzelchakra, Muladhara. Die Beschaffenheit der Energie, die wir mittels Muladhara aufnehmen, beeinflusst den physischen Zustand des gesamten Beckenraums, inklusive der Hüften, des Wirbels L5-S1 und des oberen Teils der rückseitigen Oberschenkelmuskulatur. Wenn unser Zuhause uns mit genügend Liebe und Unterstützung versorgt, sind die Muskeln, die Sehnen und das Bindegewebe in der Beckengegend warm und offen. Wenn unser häusliches Umfeld jedoch kühl ist oder wir uns darin einsam fühlen, sind Muskeln, Sehnen und Gewebe kalt und kontrahiert. Das sieht man am deutlichsten an geschlossenen Hüften und verkrampften Oberschenkelmuskeln, die man in der Yogapraxis bemerkt.

Unser zweites Chakra, Svadhishthana, angesiedelt direkt unter dem Nabel, ist das Chakra, das Energie aufnimmt, wenn wir spielen und mit unseren Freunden Spaß haben. Es absorbiert auch die Energie, die wir aus künstlerischen Darbietungen beziehen, sei es Tanz, Theater, Musik oder bildende Kunst. Und darüber hinaus ist es das Chakra, das die Energie unseres Partners aufnimmt, wenn wir Sex haben. Freude am Leben zu haben, ist eine warme und öffnende Energie, und wenn wir genug Spaß haben, sind Svadhishthana und die mit ihm verbundenen Bereiche – der untere Rücken, der Unterbauch und die Nieren – gesund und stark. Wenn das Leben nicht ausreichend spielerisch und nicht mit Freude erfüllt ist, führt das, bedingt durch einen Energiemangel im Svadhishthana, zu einer Schwächung dieser Teile des Körpers oder zu Verspannungen aufgrund von Wut darüber, dass man nicht genügend Spaß und Spiel im Leben erfährt.

Wenngleich Svadhishthana als unser Spaßzentrum beschrieben werden kann, ist es zugleich auch das Chakra, das die Energie unserer Ängste hält. Angst ist eine Energie, die den Körper dazu bringt, sich kalt anzufühlen und sich zu verengen; nicht nur im Bereich des zweiten Chakras, sondern auch entlang der gesamten Nieren- und Blasenmeridiane. Kälte und Anspannung an den Rückseiten der Beine, insbesondere in der Wadenmuskulatur, stehen in Beziehung zum Ausmaß an Angst, das wir in unserem Leben erfahren haben.

Das dritte Chakra, Manipura, ist das Zentrum, durch das wir die Energie unseres Lern- und Arbeitsumfelds aufnehmen. Sein Ort, der Solarplexus, ist die Körpergegend, von der aus sich arbeitsbedingter Stress nach oben zum Magen, zur Leber, zur Milz und zu den Gallenblasenmeridianen ausbreitet und ein Verkrampfen der Muskeln im Oberbauch, in den Schultern, im Nacken, im Unterkiefer und im Kopf verursacht.

Anahata, unser viertes Chakra, ist dort, wo wir die Energien all unserer Erfahrungen mit Liebe speichern. Wenn es sich um glückliche Erfahrungen handelt, sind das Herz, die Lunge, der Brustkorb, der obere Rücken und die Arme warm, stark und offen. Doch manchmal werden wir verletzt, und dies äußert sich darin, dass diese Körperbereiche kühl werden und sich im Zuge einer Schutzreaktion zusammenziehen. Anahata speichert auch die emotionalen Energien von Einsamkeit, Traurigkeit und Trauer (Verlust), die allesamt kalte Energien sind, welche die Zwischenrippenmuskeln dazu bringen, sich zusammenzuziehen, wodurch es schwieriger wird, in die obere Lunge zu atmen.

Unser drei oberen Chakras, Vishuddha, Ajna und Sahasrara, werden weniger durch unsere Umwelt beeinflusst, wobei allerdings die Entwicklung von Vishuddha durch Menschen, die die Wahrheit vor uns verbergen, behindert werden kann, und Ajna durch eine stark konservative religiöse Erziehung oder durch einen Guru, der uns in die Irre führt, blockiert werden kann. Es sind Energiezentren, die so genannte „höhere“, spirituelle Energien beinhalten, deren Zweck darin besteht, den Geist und den Körper zu transzendieren. Ihre Energien haben während der Yogapraxis kaum Auswirkungen auf den physischen Körper.

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