Shiva-Shakti-Flow mit Christine May: eine fließende Sequenz, basierend auf Shiva Reas „Dancing Warrior 1008“

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In dieser YOGA AKTUELL-Ausgabe erschienen:

Shiva-Shakti-Flow

In dieser Praxis erfahren wir unsere schöpferische Kraft – durch eine herzöffnende, kreative und dynamische Sequenz. Wir erwecken das in uns schlummernde Potenzial (Shakti) durch fokussiertes Bewusstsein (Shiva). Die Praxis des Prana Flow beinhaltet ein Zurückverbinden zur Quelle des Lebens durch das bewusste Eintauchen in den Bhava, die Stimmung oder Energie, die wir durch unsere Praxis kultivieren oder einladen. Ein wichtiger Aspekt der Praxis ist die Integration der Polaritäten Ha-tha oder Shiva-Shakti.

Ha-tha – die Polaritäten des Lebens

Hatha symbolisiert den Tanz des Lebens mit den Polaritäten in uns und dem Universum. „Ha“ bedeutet Sonne und steht für den aktiven, erwärmenden und energetisierenden Aspekt, „tha“ bedeutet Mond und bringt die rezeptiven, kühlenden und beruhigenden Aspekte in unsere Yogapraxis. Nicht nur in unserer Yogapraxis, sondern auch in allen Aspekten unseres Alltags treffen wir auf diese Polaritäten, und unser Ziel im Leben wie in der Yogapraxis ist es, ein Gleichgewicht zwischen ihnen herzustellen und somit auch ein Equilibrium in unserem Körper, Geist und Sein zu finden. Die Aspekte der positiven und negativen Polaritäten sind in ihrem fortwährenden Tanz in jedem Moment sowie in jeder Welle unseres Atems präsent.

Shiva-Shakti

Shiva und Shakti repräsentieren die zwei Hauptaspekte und Polaritäten des Universums wie Sonne und Mond, Feuer und Wasser, Geist und Gefühl, Berg und Tal. Eine der wichtigsten Lehren beinhaltet, dass die yogische Kraft oder Kreativität (Shakti) aus innerem Frieden und einem meditativen Geist (Shiva) erwächst. Diese zwei Kräfte oder Polaritäten sind die Basis jeder Yogasequenz sowie aller Abläufe des Lebens, da die eine Kraft – Shiva – den Nährboden für die andere – Shakti – schafft und sich Shiva ohne Shakti nicht entfalten kann. Eine Sequenz braucht das fokussierte Bewusstsein, die Konzentration und Hingabe, um die kraftvollen und kreativen Aspekte unserer Praxis entfalten zu können.

Shiva und Shakti spiegeln sich als kosmische männliche und weibliche Kräfte in allen Lebewesen, in allen Abläufen unseres Tages und auf mikrokosmischer Ebene auch in unserer Yogasequenz wider. In Bezug auf unsere Yogapraxis kann eine Sequenz mit zu viel Feuer und zu wenig ausgleichendem und kühlendem Wasser uns am Ende erschöpft, ausgebrannt und müde fühlen lassen. Sind diese zwei Aspekte in der Praxis jedoch ausbalanciert, dann fühlen wir uns zentriert, gestärkt und voller Energie für den Tag.

Die wichtigsten tantrischen Symbole sind das Shiva-Linga und die Shakti-Yoni. Das Linga symbolisiert Stabilität, Kraft und Durchhaltevermögen und spiegelt die höheren Aspekte der maskulinen Kraft. Das Linga ist ein Ort, wo Energie gehalten und generiert wird. Yoni wird geometrisch als ein nach unten gerichtetes Dreieck, welches Wasser, Kreation oder den Fluss von Nektar (soma) repräsentiert, dargestellt. Das Linga kreiert durch Bewegung die Yoni, wie die Planeten in ihrer Bewegung um die Sonne oder unser aufrechter Körper in unserer Asanapraxis durch fließende, zum Teil kreisförmige Bewegungen (Vinyasas, Mandalas) im Raum. So wie das Feuer nach oben strebt, repräsentiert Shiva die nach oben steigende Kraft entlang unserer Wirbelsäule, und wie das Wasser repräsentiert Shakti die kreisförmig nach unten fließende Energie.

Namaskara – Bewegungsmeditation

Das Praktizieren eines Namaskara ist in manchen Teilen der Welt eine Praxis von Niederwerfungen, ein Gebet in Bewegung, oft in Verbindung mit Opfergaben an die Götter in Form von Reis, Früchten und Blumen sowie Ritualen und spezifischen Mantras. Bei uns im Westen ist der traditionelle Surya-Namaskara neben Surya-Namaskara A und B aus dem Ashtanga Yoga die Basis, aus der sich alle weiteren Namaskaras, die wir heute praktizieren, entwickelt haben. Deshalb möchte ich kurz auf den Ursprung der Namaskaras eingehen.

Die Praxis des traditionellen Surya-Namaskara reflektiert die Rhythmen des Universums und wird mit einem Gefühl von Hingabe und Dankbarkeit im Herzen, teilweise in Verbindung mit den Surya- oder Bija-Mantras, kurz vor Sonnenaufgang zur kraftvollen Stunde Brahmans – Brahmamuhurta – praktiziert, wenn unser Geist noch frisch und die Atmosphäre noch sehr sattvisch und rein sind. Jedes Mantra repräsentiert nicht nur die unterschiedlichen Aspekte der Sonne, sondern jeder Buchstabe des Sanskrit-Alphabets, der in Form der Mantras gechanted oder innerlich rezitiert wird, hat eine energetische Schwingung und damit auch einen spezifischen Effekt auf unser Bewusstsein. Wenn wir Mantras mit Bewusstsein und Konzentration wiederholen, dann überträgt sich die Schwingung dieser Töne auf unseren Geist und unsere Gedanken – unsere Gedanken werden zu dieser Schwingung.

In der heutigen Zeit ist die Abfolge von Surya-Namaskara sehr populär geworden, so dass sie oft praktiziert wird, ohne die tieferen Aspekte oder Hintergründe zu kennen oder zu integrieren. Es bleibt dann eine mechanische Abfolge von Haltungen, die lediglich der körperlichen Fitness dient und nicht mehr die ganzheitliche Wirkung auf Körper, Geist und Seele involviert.

Die ursprüngliche Intention eines Namaskara ist das Verbeugen vor einer bestimmten Energie, gefüllt mit dem Bhava der zugrundeliegenden Stimmung und der Hingabe an diese Energie. Umso stärker und aufrichtiger diese Hingabe und das Gefühl von Offenheit, Dankbarkeit und Empfänglichkeit ist, umso tiefer können wir in unsere Praxis eintauchen. Gleichzeitig reflektieren wir unsere Ganzheit oder den göttlichen Aspekt in uns zurück ins Universum. Die Praxis von Surya-Namaskara schafft die natürliche Verbindung zur Quelle des Lebens, zur äußeren Sonne, die durch unsere innere Sonne – unser spirituelles Herz –symbolisiert wird. Es entsteht eine natürliche Verbindung der inneren mit der äußeren Welt.

Das erste traditionelle Mudra von Surya-Namaskara – Anjali-Mudra – schafft diese Verbindung des individuellen mit dem göttlichen Selbst, und damit auch die Verbindung zu allen Lebewesen und dem Universum.

Namaskaras und ihre Evolution

Shiva Rea hat durch ihre hingebungsvolle Praxis, basierend auf den Lehren von Krishnamacharya sowie Tantra, Ayurveda und Bhakti-Yoga, im Laufe der Jahre viele verschiedene Namaskars entwickelt: Dancing Warriors, die körperlich und energetisch einen bestimmten Fokus für die Praxis setzen und spezifisch auf Herzöffner, Hüftöffner etc. vorbereiten, sowie die elementaren Namaskaras, die dem Verkörpern der Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft dienen, und neben anderen die Mandala-Namaskaras, die uns den multidimensionalen Raum in alle Himmelrichtungen erschließen. Es ist wichtig, die Wurzeln des Yoga nicht aus den Augen zu verlieren, und gleichzeitig zu respektieren, dass unsere Yogapraxis sich genau wie wir und das gesamte Universum in ständiger Veränderung befindet.

Workshop

Dancing Warrior 1008

Dancing Warrior 1008 von Shiva Rea, auf dem der nachfolgende Workshop basiert, verkörpert sehr stark beide Polaritäten, solar wie lunar, den sowohl kraftvollen als auch hingebungsvollen Aspekt der Praxis, das Zusammenspiel von Shakti und Shiva. Durch dynamische Armbalance-Elemente entwickeln wir Kraft und Fokus, durch herzöffnende Elemente kultivieren wir einen Bhava der Rezeptivität oder des Sich-Öffnens für das, was kommt. Rückbeugen oder Herzöffner, obwohl sehr aktivierend und kraftvoll, können niemals mit Willenskraft oder Ehrgeiz erreicht werden, sondern brauchen Raum und Ruhe – Shiva, um sich entfalten zu können, und Shakti, um vollen Ausdruck zu finden.

1. Vajrasana mit Yoni-Mudra (sitzende Meditation) (Bild 1)

1. Vajrasana mit Yoni-Mudra (sitzende Meditation) (Bild 1)

Beginnen Sie am Ende Ihrer Yogamatte in Vajrasana (Fersensitz), um sich innerlich auf die Praxis einzustimmen. Die Hände befinden sich oberhalb des Schambeins in einer Hasta-Mudra (Handgeste): Bringen Sie Ihre Hände in Yoni-Mudra, indem Sie Ihre Daumen und Zeigefinger gestreckt mit den Längsseiten zueinander bringen, während alle anderen Finger ineinander verschränkt sind. Die Daumen zeigen nach oben oder in Richtung des Solar-Plexus, die Zeigefinger in Richtung Erde. Die Hände bilden eine mandelförmige Öffnung, die uns mit unserer weiblichen intuitiven Energie in Verbindung bringt und Rezeptivität symbolisiert. Es heißt, die wirkliche innere Yoni ist Dahara-Akasha, die Höhle in unserem Herzen, in welchem das gesamte Universum wohnt. In Dahara-Akasha befindet sich das Feuer unseres Herzens. Das Wort Yoni steht unter anderem auch für Quelle, Ort der Ruhe oder Geburtsort. Geben Sie sich in dieser Position einige Minuten, um den Atem zu beobachten und nach einiger Zeit bewusst zu verlängern. Nehmen Sie sich Zeit, um etwas zur Ruhe zu kommen, setzen Sie dann Ihren Samkalpa (Intention) für die Praxis und chanten Sie innerlich oder äußerlich dreimal AUM.

Bewegungsmeditation – rhythmischer Vinyasa

Verlängern Sie die Arme nach vorne in Balasana (Kindshaltung), kommen Sie mit Ihrer nächsten Einatmung in den Vierfüßlerstand und mit Ihrer nächsten Ausatmung zurück zu Balasana. Wiederholen Sie diesen rhythmischen Vinyasa insgesamt dreimal. Finden Sie mit der nächsten Ausatmung Ihren Weg von allen Vieren in Adhomukha-Shvanasana (nach unten schauender Hund) und verweilen Sie hier für einige Atemzüge, indem Sie im Rhythmus mit dem Atem die Beine beugen und strecken, sich etwas drehen und dabei genüsslich den Körper seitlich dehnen und öffnen.

Namaskara – Beginn Dancing Warrior 1008

Mit der nächsten Einatmung heben Sie langsam das rechte Bein zu Ekapada-Adhomukha-Shvanasana (Hund mit gehobenem Bein). Verlängern Sie sich von den Handflächen bis durch den Fußballen nach hinten oben und bringen Sie mit der nächsten Ausatmung den rechten Fuß zwischen die Hände nach vorne.

2. Utthita Ashva-Samchalanasana (hoher Ausfallschritt mit Herzöffnung) (Bild 2)

2. Utthita Ashva-Samchalanasana (hoher Ausfallschritt mit Herzöffnung) (Bild 2)

Verschränken Sie die Hände hinter dem Rücken, während Sie langsam den Oberkörper zu Utthita Ashva-Samchalanasana aufrichten. Die vier Punkte des vorderen Fußes sind fest mit der Erde verwurzelt, während das rechte (vordere) Knie energetisch nach vorne verlängert wird (bis das Knie über dem Fußgelenk ist). Das Schienbein hält mit gleicher Kraft dagegen, und die Ferse des hinteren Fußes strahlt gleichzeitig zurück. Ziehen Sie die rechte Hüfte zurück und heben Sie sanft den unteren Bauch, das gibt Ihnen Stabilität in der Körpermitte und Länge im unteren Rücken. Verlängern Sie vom Schambein zum Nabel zum Brustbein bis zur Kopfkrone und gleichzeitig vom Becken entlang der Körperseite bis zu den Achselhöhlen (Shiva nennt das die drei Flüsse entlang der Wirbelsäule), so dass die Energie vom Schambein zum Herzen aufsteigen kann. Die Schulterblätter schmelzen in den Körper in Richtung Brustkorb, die unteren Rippen in den Körper, und das Herz darf Weite und Raum spüren.

Vinyasa von Bild 2 zu Bild 3

Nehmen Sie mit der nächsten Ausatmung die Hände zurück zur Erde und verlängern Sie das rechte Bein gestreckt auf Hüfthöhe zurück in die halbe Plank-Position (Unterarmstütz-Haltung oder Brett-Haltung.

3. Vasishthasana-Vorbereitung (Bild 3)

3. Vasishthasana-Vorbereitung (Bild 3)

Verlagern Sie mit der nächsten Einatmung Ihr Gewicht auf die linke Hand und die Außenkante des linken Fuß in eine seitliche Balance, während Sie gleichzeitig das rechte Knie gebeugt in Richtung Himmel heben und den rechten Arm bis durch die Fingerspitzen nach oben verlängern (Vasishthasana-Vorbereitung). Spüren Sie, wie sich die linke Hand und die Außenkante des linken Fußes, der sich in Surya-Pada befindet (Fuß geflext), nochmals fest verwurzeln, um Leichtigkeit in den Gelenken und Länge in der rechten Seite des Oberkörpers zu empfinden.

4. Vasishthasana-Variation 1 (seitlicher Liegestütz-Variation) (Bild 4)

4. Vasishthasana-Variation 1 (seitlicher Liegestütz-Variation) (Bild 4)

Setzen Sie mit der nächsten Ausatmung den rechten Fußballen so nah hinter dem linken Bein auf Kniehöhe ab, dass beide Beine fast in Berührung bleiben, verlängern Sie das Steißbein in Richtung hintere Ferse und lassen Sie den rechten Arm weich über den Kopf nach vorne fließen – der Arm kann leicht gebeugt sein, so dass die weiche feminine Qualität der runden Form die Dynamik und Kraft des Asana etwas ausgleicht. Dies bringt den kühlenden beruhigenden Aspekt des Mondes in dieses sehr kraftvolle, erwärmende Asana. Sie können in der Zentralachse bleiben, oder atmen Sie ein und öffnen sich etwas mehr in die Rückbeugenvariante (siehe Bild 4), ohne dabei die Stabilität im Zentrum oder die Verlängerung des Steißbeins in Richtung linke Ferse zu verlieren.

5. Chaturanga (Brett-Haltung) mit Knie zum Nabel (Bild 5)

5. Chaturanga (Brett-Haltung) mit Knie zum Nabel (Bild 5)

Bringen Sie mit Ihrer nächsten Ausatmung die rechte Hand zurück zur Erde, die Schultern zurück über die Handgelenke und gleichzeitig das rechte Knie zum Nabel, um die Energie zurück im Zentrum zu sammeln.

6. Seitliches Vasishthasana (Bild 6)

6. Seitliches Vasishthasana (Bild 6)

Schieben Sie das rechte Bein gestreckt auf Hüfthöhe nach links, der Fuß findet Surya-Pada (geflext). Kippen Sie gleichzeitig den linken Fuß auf die Innenkante in Surya-Pada. Die rechte Hüfte zieht etwas zurück, so dass beide Hüftknochen senkrecht übereinander bleiben, und der linke Arm wird bis durch die Fingerspitzen zum Himmel gestreckt. Auch hier ist die Basis sehr stabil und stark, während wir gleichzeitig im Herzraum Weite spüren. Sie können für mehr Stabilität Ihren Fokuspunkt auf der Erde lassen oder für mehr Balance und Öffnung den Blick nach oben zum linken Daumen richten.

7. Chaturanga (Brett-Haltung) mit seitlichem Bein (Bild 7)

7. Chaturanga (Brett-Haltung) mit seitlichem Bein (Bild 7)

Ihre Beinposition bleibt, während die linke Hand wieder zurück zur Erde kommt und der linke Fuß zurück auf den Fußballen dreht. Atmen Sie aus und beugen Sie mit viel Bewusstsein, um den Danda (gerade Linie des Köpers) nicht zu verlieren, durch den Sie viel Stabilität in Ihrer Körpermitte spüren, langsam die Arme bis auf Ellbogenhöhe. Die Ellbogen ziehen energetisch zum Körper. Der ausgleichende tha-Aspekt in dieser Form kann durch ein inneres Lächeln kultiviert werden, welches die Kraft dieser Position anerkennt und Leichtigkeit in diese Form bringt. Sollte diese Variante zu fordernd sein oder Linearität verlorengehen, dann bleiben Sie einfach für einen Atemzug in der Brettposition mit der gleichen Beinvariante.

8. Ardha Vrshchikasana in Adhomukha-Shvanasana (halber Skorpion im nach unten schauenden Hund) (Bild 8)

8. Ardha Vrshchikasana in Adhomukha-Shvanasana (halber Skorpion im nach unten schauenden Hund) (Bild 8)

Mit Ihrer nächsten Einatmung strecken Sie die Arme, heben das rechte Bein zurück in Ekapada-Adhomukha-Shvanasana, und beugen mit der gleichen Einatmung das rechte Bein zu einem Bogen, während der rechte Fußballen in Padma-Pada (Lotus-Fußvariante) in Richtung Kopf verlängert wird. Sie befinden sich nun mit den Schultern zwischen der Brett- und der Hund-Position. Vom Bauchnabel zum Herzzentrum verlängern Sie nach vorne, vom Bauchnabel durch das Becken verlängern Sie zurück: zwei gleiche Kräfte in unterschiedliche Richtungen. Der Kopf hebt sich, so dass der Herzraum sich öffnen kann; Kopfkrone und Fußballen bewegen sich zueinander.

9. Vinyasa-Variation 1 - von Bild 8 zu 11 (Bild 9)

9. Vinyasa-Variation 1 - von Bild 8 zu 11 (Bild 9)

Heben Sie nun kraftvoll vom unteren Bauch an, um mit viel Stabiltität in der Mitte zurück in die Brett-Position zu kommen. Bringen Sie die Schultern zurück nach vorne über die Handgelenke. Das rechte Bein bleibt gebeugt, die Oberschenkel auf einer Ebene, während Sie sich langsam und bewusst mit Fokus auf einen Punkt vor Ihnen auf der Erde über Chaturanga ganz zur Erde sinken lassen.

10. Vinyasa-Variation 2 - von Bild 8 zu 11 (Bild 10)

10. Vinyasa-Variation 2 - von Bild 8 zu 11 (Bild 10)

Wenn Sie absolut gesunde Schultern, starke Arme und ein starkes Zentrum haben und mit Leichtigkeit Chaturanga-Dandasana praktizieren, gibt es die Möglichkeit, diese fortgeschrittenere einbeinige Chaturanga-Variante zu integrieren. Wie in Bild 9 beschrieben, heben Sie auch hier vom Nabel an, strecken jedoch das rechte Bein und drücken sich diesmal direkt zurück in Ekapada-Adhomukha-Shvanasana, um dann bewusst und kontrolliert mit der nächsten Ausatmung das Herz zwischen die Hände zu tauchen. Das rechte Bein bleibt gehoben und durch den Fußballen (Padma-Pada) verlängert. Lassen Sie langsam das Becken und das rechte Bein zur Erde sinken und fahren Sie mit Bild 11 und 12 fort, sobald das Bein den Boden berührt.

11. & 12. Sahaja Bhujangasana (Bilder 11 & 12)

11. & 12. Sahaja Bhujangasana (Bilder 11 & 12)

Sobald Ihr rechter Fuß die Erde berührt, beginnt die fließende, zirkuläre Bewegung von Sahaja Bhujangasana (befreite Kobra) auf den Fingerspitzen. Die Basis (Füße, Beine und Becken) bleibt Stabil, alle zehn Zehen sind fest verwurzelt mit der Erde, während wir dem inneren Puls, unserer inneren Bewegung folgen. Sahaja wird auch als spontanes oder intuitives Yoga bezeichnet, da es keine vorgeschriebene Form gibt. Unser Körper findet von der stabilen Basis, Bewegungen, die Freiheit und Öffnung in unseren Schultern, Kopf- und Halsbereich schaffen. Der Kopf kann 8-er Spiralen, Wellen oder andere zirkuläre Bewegungen finden, essenziell ist hierbei, dass Sie Ihren Kopf immer wieder loslassen, also nicht versuchen den Kopf zu halten und damit in Kontrolle zu bleiben. Vertrauen Sie Ihren intuitiven Bewegungen und lassen Sie Ihren Kiefer- und Mundbereich komplett entspannen, der Mund darf leicht geöffnet sein. Sahaja ist vollkommener Ausdruck der rezeptiven Energie vollständig loszulassen und dem Fluß des Lebens zu vertrauen. Es bietet sich an, hier 5 Atemzüge die Augen zu schließen, so dass sich die Bewegung von innen nach außen entfalten kann. Mit der letzten Einatmung heben Sie noch einmal zentriert in Bhujangasana.

Vinyasa von Bild 12 zu Beginn Hauptteil

Vinyasa von Bild 12 zu Beginn Hauptteil

Atmen Sie aus, legen Sie die Stirn auf die Hände und schaukeln Sie für einige Atemzüge sanft das Becken von Seite zu Seite (Lahiri-Pranamasana). Bringen Sie dann die Hände flach neben den Brustkorb, öffnen Sie mit Ihrer nächsten Einatmung in Urdhvamukha-Shvanasana und schieben Sie sich dann kraftvoll zurück in Adhomukha-Shvanasana. Wiederholen Sie diese Abfolge (ab Namaskara Beginn Dancing Warrior 1008) bis einschließlich Bild 12 mit dem linken Bein. Das ist ein vollständiger Zyklus. Sie können ein bis drei Zyklen dieses Namaskara praktizieren, bevor Sie zum Hauptteil der Sequenz übergehen.

Beginn Hauptteil: 13. Utthita Hasta-Padangushthasana 2 (gestreckte Hand-zu-Zeh-Position in aufrechtem Stand) (Bild 13)

Beginn Hauptteil: 13. Utthita Hasta-Padangushthasana 2 (gestreckte Hand-zu-Zeh-Position in aufrechtem Stand) (Bild 13)

Atmen Sie ein und heben Sie das rechte Bein in Ekapada-Adhomukha-Shvanasana (nach unten schauender Hund mit angehobenem Bein). Mit der Ausatmung bringen Sie den rechten Fuß zwischen die Hände. Verlagern Sie Ihr Gewicht auf den vorderen (rechten) Fuß, heben Sie Ihr linkes Bein und bringen Sie die Hände unter den Schultern zur Erde. Beugen Sie beide Beine und bringen Sie das linke gebeugte Bein zum Nabel. Richten Sie sich langsam mit gebeugtem linken Knie zum Stehen auf. Sobald Sie aufrecht stehen, spüren Sie noch einmal das rechte Bein stark und fest verwurzelt und ziehen das linke Knie mit beiden Händen sanft zum Körper, so dass sich die Wirbelsäule noch etwas mehr aufrichtet. Genießen Sie hier ein paar tiefe, gleichmäßige Ujjayi-Atemzüge, um Leichtigkeit und Freude in die Form einzuladen, bevor Sie weitergehen.

Bild 13:

Greifen Sie mit der linken Hand den linken großen Zeh, strecken Sie das linke Bein gerade nach vorne und öffnen Sie das Bein mit der nächsten Einatmung seitlich nach links für Utthita Hasta-Padangusthasana 2 (Bild 13). Für eine sanftere Variante halten Sie Ihr Knie mit der linken Hand und öffnen das bein gebeugt nach links.

Das Becken bleibt zentriert und stabil, während sich der rechte Arm horizontal nach rechts auf Schulterhöhe öffnet und ihr Drshti sich auf den rechten Daumen ausrichtet. Nach fünf Atemzügen bringen Sie Ihr Bein zurück nach vorne, atmen Sie tief ein, fühlen Weite im Herzraum und ziehen Sie dann mit der nächsten Ausatmung das gebeugte linke Knie zurück zum Körper.

Vinyasa von Bild 13 zu Bild 14 Atmen Sie aus, bringen Sie die Hände zurück zur Erde und machen Sie mit Ihrer nächsten Ausatmung einen großen Schritt mit Ihrem linken Fuß zurück. Bringen Sie Ihre Schultern über das Handgelenken und kommen Sie über die Brett-Position in Chaturanga- Dandasana. Mit der nächsten Einatmung öffnen Sie den Herzraum in Urdhvamukha-Shvanasana (nach oben schauender Hund) und stoßen sich dann kraftvoll mit der Ausatmung zurück in Adhomukha-Shvanasana. Wiederholen Sie die gleiche Abfolge mit dem linken Bein (von Beginn Hauptteil bis einschließlich Vinyasa von Bild 13 zu Bild 14).

14. Vasishthasana-Variation 2 (Bild 14)

14. Vasishthasana-Variation 2 (Bild 14)

Mit Ihrer nächsten Einatmung verlagern Sie Ihr Gewicht auf die rechte Hand sowie die Außenkante von Ihrem rechten Fuß, beugen Sie Ihr linkes Bein, so dass das Knie vertikal nach oben zum Himmel strahlt, und halten Sie das Knie mit Ihrer linken Hand (Bild 14). Die Schulterblätter schmelzen in den Körper in Richtung Brustkorb, um mehr Stabilität zu kreieren. Verwurzeln Sie die rechte Hand und die Außenkante des rechten Fußes fest in der Erde, um mehr Kraft (ha-Energie) in Ihrer rechten Seite und gleichzeitig Öffnung und Rezeptivität (tha-Energie) in Ihrer linken Seite wahrzunehmen. Sie können in dieser Variation fünf Atemzüge bleiben oder nur ein bis zwei Atemzüge bleiben oder gleich zu Bild 15, also zum vollständigen Vasishthasana, übergehen.

15. Vollständiges Vasishthasana (Bild 15)

15. Vollständiges Vasishthasana (Bild 15)

Von Variation 2 (Bild 14) ausgehend, formen Sie mit den ersten drei Fingern der linken Hand eine Mudra, greifen den großen linken Zeh und strecken langsam das linke Bein senkrecht zum Himmel. Spüren Sie fokussiertes Bewusstsein, so dass die Form zu ihrer vollen Blüte erstrahlt. Nach fünf Atemzügen lösen Sie den Fuß und bringen mit der nächsten Ausatmung die linke Hand und Ihren linken Fuß zurück zur Erde und schieben sich kraftvoll zurück in Adhomukha-Shvanasana. (Wiederholen Sie die Sequenz von Beginn Hauptteil bis einschließlich Bild 15 mit dem anderen Bein.)

Vinyasa von Bild 15 zu Bild 16

Mit Ihrer nächsten Einatmung heben Sie Ihr rechtes Bein in Ekapada-Adhomukha-Shvanasana. Mit der nächsten Ausatmung bringen Sie den rechten Fuß nach vorne zwischen die Hände und Ihr linkes Knie zur Erde, so dass sich Ihr Becken genau über dem Knie befindet, strecken das rechte Bein in Ardha Hanumanasana (modifizierte Hanuman-Haltung) (kein Bild) und bringen Ihre Hände mit verlängerter Wirbelsäule direkt unter Ihre Schultern. Die rechte Ferse zieht energetisch zum Körper, um den linken Oberschenkelknochen im Hüftgelenk zu verankern. Dies bringt Stabilität und Zentrierung in Ihr Becken. Sie können in dieser Variante 5 bis 10 Atemzüge bleiben oder weitergehen zu Hanumanasana.

16. Hanumanasana (Bild 16)

16. Hanumanasana (Bild 16)

Nehmen Sie gerne zwei Blöcke griffbereit, um die Hände für Hanumanasana abzustützen. Schieben Sie die rechte Ferse nach vorne, bis Sie eine angenehme Dehnung in der Rückseite des linken Beines oder der linken Leiste spüren. Ziehen Sie die Schienbeine wieder energetisch zueinander, um Kraft in die Körpermitte und Zentrierung einzuladen. Aus dieser Stabilität heraus gehen Sie Schritt für Schritt ein wenig tiefer, bis Sie an einer gesunden Grenze angekommen sind. Für mehr Stabilität ziehen Sie das vordere und das hintere Schienbein energetisch zueinander. Behalten Sie diese Zentrierung auch, während Sie tiefer in die Haltung gehen. Wenn Sie im vollständigen Hanumanasana (Bild 16) angekommen sind, verlängern Sie die Arme bis durch die Fingerspitzen nach oben, spüren Leichtigkeit im Beckenbereich und Weite im Herzraum.

Vinyasa nach Bild 16

Ziehen Sie die Beine wieder kraftvoll zueinander, stellen Ihren linken (hinteren) Fuß auf und bringen den rechten Fuß dazu in die Brett-Haltung. Mit der nächsten Ausatmung senken Sie sich langsam über Chaturanga- Dandasana ganz zur Erde, genießen noch einmal 5 Atemzüge in Sahaja Bhujangasana (Bild 11 und 12) und ziehen Sie sich dann langsam zurück zu Balasana (Kind-Position). Schaukeln Sie das Becken weich von Seite zu Seite und entspannen Sie sich. Kommen Sie nun zurück zu Adhomukha-Shvanasana und wiederholen Sie diesen vollständigen Zyklus ab Vinyasa von Bild 15 zu Bild 16 bis zum Vinyasa nach Bild 16 auf der zweiten Seite.

Ausklang

Laufen Sie bei Vollendung des zweiten Zyklus nach Ihrer letzten Ausatmung langsam aus Adhomukha-Shvanasana nach vorne zwischen die Hände, atmen Sie ein, machen Sie sich lang in Ardha Uttanasana und atmen hier aus. Die Füße sind mindestens hüftbreit voneinander entfernt, während Sie mit Ihrer nächsten Einatmung das Becken zu Malasana (niedrige Hockstellung) sinken lassen. Verweilen Sie einige Atemzüge hier und kommen Sie dann langsam in die einfache Sitzhaltung Sukhasana oder in eine andere bequeme Sitzposition. Bringen Sie die Hände zurück zu Yoni-Mudra, schließen Sie die Augen und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Dahara-Akasha (die Höhle im Herzen), wo sich das Feuer Ihres Herzens befindet. Bleiben Sie hier für einige Minuten oder einige Atemzüge, um die verschiedenen Aspekte der Praxis wirken zu lassen und mit Ihrem Herzfeuer zu verbinden.

Im Anschluss können Sie Ihre Praxis im Sitzen oder im Liegen ausklingen lassen. Beenden Sie mit einer kleinen Schulterstandsequenz oder bringen Sie in Rückenlage die Knie zum Körper für Apanasana. Spüren Sie einen Moment der Hingabe und Dankbarkeit und finden Sie dann Ihren Weg zu Shavasana.

Nach acht bis zehn Minuten räkeln und strecken Sie sich, rollen sich seitlich in die Embryo-Positon und kommen ganz langsam zurück zum Sitzen. Finden Sie Yoni-Mudra, danken Sie Ihren Lehrern und Ihrem inneren Lehrer und schließen Sie Ihre Praxis mit drei AUMs oder Ihrem persönlichen Mantra ab.

Infos

Christine May ist eine der führenden Prana-Flow-Lehrerinnen in Europa und langjährige Senior-Assistentin der weltweit bekannten Yogameisterin Shiva Rea. Sie ist Head Teacher bei AIRYOGA in München und leitet seit 2007 die 200-Stunden-Yoga-Alliance-Teacher-Trainings bei AIRYOGA in Zürich und München, und auf Korfu seit 2010. Ebenso unterrichtet sie Module der 300-Stunden-Yoga-Alliance-Ausbildung. Christine unterrichtet seit mehr als zehn Jahren in Kalifornien, Asien und Europa in renommierten Yogastudios. Sie ist die einzige Yogalehrerin in Deutschland mit der Berechtigung von Shiva Rea, die Module der Prana-Flow-Yoga-Ausbildung zu unterrichten, die für die 200-, 300- und 500-Stunden- Yoga-Alliance-Lehrerausbildung im Prana-Flow-Yoga angerechnet werden. Ihr Unterricht ist geprägt durch ihre aufmerksame, liebevolle Hingabe zu ihren Schülern und dem Yoga. Internet: www.christinemay.de

Text und Model: Christine May
Fotos: Christian KrinningerAnzeige