Relax - im Urlaub richtig entspannen
Von Nina HaiskenDer Countdown läuft – wochenlang haben Sie darauf hin gearbeitet und sich auf diesen Moment gefreut: die Uhren stehen auf Feierabend und zwar nicht nur für heute, sondern gleich für die nächsten zwei oder drei Wochen, denn die schönste Zeit des Jahres, Ihr Urlaub, bricht nun an. Mit einem lauten „Juchhuu!“ verlassen Sie das Büro, in dem Sie mal wieder bis zur letzten Sekunde alles gegeben haben.
Ein letzter Blick auf die etwas bedrohliche Anhäufung von Aktenordnern, die Sie hier gleich am Morgen Ihrer Rückkehr wieder erwarten wird, doch dann geht es endlich hinaus in die lang ersehnte Freiheit. Mal allen Verpflichtungen den Rücken kehren, sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und nur das tun, was Ihnen Spaß macht. Relaxen auf der ganzen Linie… nichts leichter als das? Nichts lieber als das, sicherlich. Doch so einfach wie man meinen sollte, ist das Entspannen und Genießen gar nicht. Wie kann das sein?
Verlernt man vor lauter Arbeit etwa die eigentlich simpelsten und angenehmsten Dinge der Welt? Der Fall liegt so: Solange man in die alltäglichen Pflichten eingespannt ist und permanent gefordert wird, läuft der gesamte Mechanismus auf Hochtouren. Adrenalinspiegel, Blutdruck, Zuckerspiegel, alles wird durch den Stress auf hohes Niveau geschraubt. Auch das Immunsystem wird angekurbelt.
Zudem diktiert man dem Körper unbewusst, dass er nun auf keinen Fall schlapp machen darf, einen Durchhänger kann man sich eben einfach nicht leisten. Meldet der Organismus Probleme, muss er zurückstecken und diese unterdrücken, damit sie sich bloß nicht auf die Leistungsfähigkeit auswirken. Irgendwann aber ist die Stunde der Wahrheit gekommen, wenn sich die im Verborgenen schwelenden gesundheitlichen Defizite nicht länger beiseite drücken lassen, sondern hervor kommen und auskuriert werden müssen.
Und wann ist es soweit – der Spruch von der Ironie des Schicksals lässt grüßen? Natürlich just dann, wenn Sie mit Ihren Lieben in den Urlaub durchstarten wollen und die wohlverdiente Auszeit genießen möchten. Pünktlich dann nämlich fährt das Immunsystem herunter. Dadurch haben z.B. auch die sogenannten Prostaglandine leichtes Spiel, Sekrete, die während der lang-en Stressphase durch die starke Belastung vermehrt produziert und angesammelt wurden und Auslöser für schmerzhafte Entzündungen, Schwellungen und Migräne sein können. Sie können nun das Immunsystem, das als einziger Teil von Ihnen tatsächlich auf Urlaub umgestellt hat, noch weiter schwächen.
Aber auch, wenn Sie nicht gleich von einer fiesen Erkältung oder anderen körperlichen Beschwerden erwischt werden, haben Sie vielleicht Probleme mit dem Entspannen. Manch einer ist mit dem Kopf noch immer im Büro, auch wenn er ein paar tausend Kilometer entfernt an einem traumhaften Sandstrand sitzt. Das Loslassen fällt schwer. „Habe ich meiner Urlaubsvertretung alles so hinterlassen, dass sie sich zurechtfindet? Wie viele neue Akten werden mich in trauter Union mit den alten begrüßen, wenn ich demnächst an meinen Schreibtisch zurückkehre?“ - solche Gedanken trüben schnell den vollmundigen Geschmack des guten Rotweins und den Blick auf den wunderbaren Sonnenuntergang, die man gerade eigentlich in vollen Zügen auskosten wollte. Wie schade aber ist es, sich diese raren Momente, von denen man vorher so lange geträumt hatte, durch Verhaftung in derlei Gedanken verderben zu lassen!
Das sollten Sie also auf keinen Fall zulassen. Ihr Pflichtbewusstsein in Ehren, aber: Schalten Sie ab. „Und wie soll ich das anstellen?“ werden Sie nun berechtigterweise fragen. Machen Sie sich klar, dass es im Büro auch mal ohne Sie geht. Und dass niemand etwas davon hat, wenn Sie nach dem Urlaub völlig unerholt an Ihren Arbeitsplatz zurückkommen. Wenn Sie im Urlaub wirklich relaxen und neue Kraftreserven auftanken, wird sich dies hinterher auch im Job positiv auswirken, denn so können Sie mit frischem Elan gestärkt wieder loslegen.
Haben Sie sich hingegen den Urlaub verhagelt, indem Ihre Gedanken ständig um die beruflichen Pflichten kreisten, stauen Sie höchstens unbewusst wenig hilfreiche Aggressionen gegen diese auf. Also ist es durchaus im Sinne des Pflichtgefühls, wenn Sie den Urlaub auch tatsächlich Urlaub sein lassen und ihn als solchen genießen. Gehen Sie vor dem Urlaub noch mal in sich und werden Sie sich gewahr, was Sie in den vergangenen Wochen und Monaten alles geleistet haben. Es war doch eine ganze Menge! Seien Sie also zufrieden mit sich. Und nun gönnen Sie sich körperliche sowie auch mentale Erholung, denn die braucht auf die Dauer jeder Mensch, um Energie zu haben und gesund zu bleiben.
Um das erwähnte von-Null-auf-Hundert-Phänomen zu vermeiden und somit einem gesundheitlichen Durchhänger zum Urlaubsstart vorzubeugen, sollten Sie Ihre Aktivitäten nicht von heute auf morgen komplett fallen lassen, sondern sie zunächst langsam und schrittweise reduzieren.
Nutzen Sie die noch so gewohnte Umtriebigkeit in den ersten freien Tagen für sportliche Betätigung, viel Bewegung in der Natur, Yoga-Übungen und für Dinge, die Sie schon längst einmal erledigen wollten. Auch was die geistige Aktivität betrifft, sollten Sie nicht einfach Knall auf Fall abschalten. Nähren Sie Ihren Geist stattdessen mit spiritueller Lektüre, die Ihrer Seele Nahrung gibt, für die Sie aber sonst nie Zeit und Ruhe finden. Legen Sie über den Tag verteilt immer wieder kleinere Meditationspausen ein, indem Sie sich bequem aufrecht hinsetzen und für ein paar Minuten einfach nur das Fließen Ihres Atems beobachten. Wenn Gedanken und Gefühle auftauchen, schauen Sie sich diese freundlich an und kehren Sie wieder zum Atembetrachten zurück.
Um für einen entspannten Übergang in den Urlaub zu sorgen empfiehlt es sich bei einer Reise auch, diese möglichst nicht gleich am aller ersten freien Tag anzutreten. Legen Sie die Reise wenn es geht so, dass Sie nicht überstürzt aufbrechen müssen, sondern vorher genügend Zeit haben, alles in Ruhe und Achtsamkeit vorzubereiten. Kofferpacken im Eiltempo ist nicht nur ein wenig relaxter Start in den Urlaub, sondern bringt gleichzeitig das Risiko mit sich, dass Sie irgendetwas vergessen und dadurch später vor Ort einen weiteren Stimmungsdämpfer erhalten.
Machen Sie aus dem Kofferpacken eine Achtsamkeitsübung und verstauen Sie alle Gegenstände mit Bedacht und Liebe. Einmal am Urlaubsort angekommen, strahlt Ihnen dann nicht nur die Sonne entgegen, sondern auch Ruhe und Ordnung aus Ihrem Koffer.
Savasana ist die Entspannungsübung schlechthin. Die Wirkung ist tief und langanhaltend. Für Savasana nehmen Sie die Rückenlage ein. Schließen Sie die Augen und legen Sie die Arme ungefähr im Dreißig-Grad-Winkel neben dem Körper auf. Die Handflächen sind nach oben gerichtet, die Beine fallen locker aus den Hüften.
Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit nun nacheinander auf jeden einzelnen Teil Ihres Körpers, von den Füßen bis hin zu den Haarwurzeln. Lassen Sie dabei sämtliche Spannungen los – Glied für Glied und Muskel für Muskel. Vertrauen Sie sich ganz und gar der Schwerkraft und dem Boden an. Spüren und genießen Sie, wie sich ein wohliges Gefühl in Ihnen ausbreitet. Richten Sie dann Ihre Wahrnehmung ganz allmählich wieder nach außen und öffnen Sie behutsam die Augen.
Gehen Sie zum Schluss dazu über, sich zu strecken und zu räkeln, bewegen Sie Zehen und Füße und kommen Sie schließlich durch Schaukeln mit rundem Rücken oder über die Seite wieder in eine aufrechte Position zurück. Entspannung pur!
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