Das Leben versüßen - Honig, Sirup & Co
Von Doris IdingAhornsirup
Der Ahornsirup wurde vor Jahrhunderten von den Ureinwohnern Nordamerikas entdeckt. Sie bezeichneten ihn als „Sinzibuckwud“, „dem Holz entlockt“. Sie gaben ihr Wissen über das Anzapfen der Bäume und das Einkochen des Saftes bereitwillig an die Weißen weiter. Heute ist ein Zuckerahornblatt nicht nur das Staatssymbol Kanadas, sondern auch das bekannteste, beliebteste und kostbarste alternative Süßmittel.
Botanisches: Die Heimat des Ahornbaums reicht von der Provinz Quebec in Kanada über die US-Bundesstaaten Maine und Vermont bis in den Süden nach New York. Sie werden bis zu 40 Meter hoch und faszinieren die Menschen besonders im Herbst, wenn die dichten Wälder strahlend wie ein Flammenmeer gegen den blauen Himmel streben. Ein Ahornbaum muss fast 80 Jahre alt sein, um angezapft werden zu können. Das Sonnenlicht des Sommers führt zur Zuckerbildung im Ahornsaft. Dieser Zucker lagert sich im Baum ab. Im Frühjahr löst sich dann der Saft und bei günstiger Witterung rinnt er aus dem Stamm. Wenn auf eine frostige Nacht ein warmer Tag folgt, wird besonders viel Ahornsaft geerntet.
Der Erntezeitpunkt, Witterung, Beschaffenheit und Klima nehmen Einfluss auf den Geschmack von Ahorn-Sirup. Eine der Regionen mit dem vorteilhaftesten Klima zur Gewinnung des Sirups ist in der Provinz Quebec. Zu Beginn der Ernte ist der Anteil der organischen Säuren im Ahornsaft gering und man vermutet, dass daher der Ahorn-Sirup hell bleibt. Zu Ende einer Ernte bilden sich mehr organische Säuren und der Ahorn-Sirup wird dunkler und aromatischer. Kurz vor der Knospung muss die Ernte beendet sein, da der Ahornsaft danach ungenießbar ist. Aus diesem Ernteprozess ergeben sich die unterschiedlichen Graduierungen: von AA mit einer Lichtdurchlässigkeit von etwa 75 % über A, B, C, bis hin zu D mit einer Lichtdurchlässigkeit von circa 27 Prozent. In Bioläden findet man meist die Sorten A und C.
Ahornsirup des Grades A wird in der frühen Ernteperiode gewonnen, Grad C zum Ende der Ernte. Sirup des Grades A ist teuer, da er aufgrund seiner hellen Farbe und seines milden Geschmacks bessere Qualitätsmerkmale aufweist. Grad C kostet etwas weniger, schmeckt würzig-kräftig und sieht dunkler aus. Für alle gilt: auf den richtigen Zeitpunkt der Ernte kommt es an. Zum Ausklang des kanadischen Winters beginnt die Ernte mit dem Anbohren der Ahornbäume und dem sofortigen Einkochen des Saftes. Für die Erzeugung von einem Liter Sirup werden 40 Liter Ahornsaft benötigt.
Anwendungen: Heller Sirup eignet sich für alle kalten und warmen Gerichte, dunkler Sirup mit kräftigem Karamelaroma am besten zum Kochen und Backen. Auf frisch gebackenen, heißen Pfannekuchen oder Waffeln ist der Sirup eine Delikatesse. Außerdem schmeckt er zu herzhaften Salaten, Kartoffelpuffern und zur Abrundung in Suppen und Saucen. Beim Backen eignet er sich genau wie Agavendicksaft für alle Teige, die reichlich Feuchtigkeit brauchen.
Tipps: Ein Löffel Sirup in Joghurt, Kefir oder Quark liefert rasch Energie, wenn Sie sich müde fühlen. Zucker setzt Serotonin im Gehirn frei, was die Entspannung fördert. Ein Glas heiße Milch oder Kräutertee mit Ahornsirup hilft beim Einschlafen.
Heilwirkung: Ahornsirup enthält mehr Kalzium als andere Süßmittel.
Dattelsirup
Herkunft: Mit Zuckerrohr, Bananen und Mangos gehören die Datteln zu den ältesten Kulturpflanzen, die den Menschen Süßes liefern. Vermutlich stammen Datteln aus dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, wurden dort vor bereits 5000 Jahren kultiviert und haben sich von da aus verbreitet.
Botanisches: Zum Wachstum brauchen Dattelpalmen reichlich Nässe von unten, aber auch starke Sonne und trockene Luft. Ihre Wurzeln reichen bis zu sechs Meter in die Tiefe und holen die Feuchtigkeit aus dem Grundwasser oder aus künstlichen Bewässerungen. Regen aber stört die Befruchtung und lässt reifende Früchte aufplatzen. Die Bäume können bis zu 30 Meter hoch werden, wobei die Baumkronen zahlreiche gefiederte Blätter bilden, die bis zu sieben Meter lang werden können.
Eine Dattelpalme liefert pro Jahr 80 bis 100 Kilogramm Datteln und das etwa 70 Jahre lang. Die Dattelpalmen wachsen sehr langsam und die ersten Früchte bringen sie frühestens nach etwa zehn Jahren. Sie erreichen ihr Optimum im 30. Lebensjahr und lassen erst im 100. Jahr nach. Ihr Lebensalter kann ein paar Hundert Jahre betragen.
Anwendung: Dattelsirup eignet sich besonders zum Backen, für Desserts, heiße und kalte Getränke. Sie können herzhafte Salate, Suppen, Saucen und Marinaden für Asiengerichte damit würzen. Beim Kochen verlieren sie ihr Aroma nicht, sondern schmecken noch süßer.
Tipp: Dattelsirup haben die alten Ägypter als Abführmittel verwendet. Moderne Naturheilkundler empfehlen zweimal pro Tag sechs Früchte. Ein Glas warmes Wasser danach soll die Wirkung steigern.
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