Das Geheimnis des Feuers
Von Dr. David FrawleyDieses Feuer wurde Agni genannt, was innerer Führer (agra-ni) bedeutet. Agni ist das göttliche Kind, der Same oder Embryo (kumara, putra, sunu, sishu, garbha, napat), das geistige Bewußtsein, das in die Schöpfung eintritt und diese von innen her aufbaut. Agni enthält die Essenz, den Wesensquell und die Matrix dessen, wer wir sind und was wir alles zu werden vermögen. Alle Kräfte der Natur sind Mütter dieses göttlichen Kindes, das von nichts beschränkt oder überwältigt werden kann. Agni ist das Geheimnis unserer Geburt und unseres Todes und die Eingangstüre zum Unendlichen und Ewigen.
Wir wollen einmal die Reise dieser göttlichen Flamme bzw. Agnis kurz betrachten, denn es ist die Reise unserer eigenen Seelen. Natürlich könnte man Bände über den Reiseverlauf schreiben; aber immerhin ist es möglich, in diesem kurzen Artikel zumindest einige von Agnis Lichtstrahlen und Schattenwürfen auf den verschiedenen Ebenen unserer Welt anzusprechen.
Agni, symbolisch das göttliche Kind des Feuers, repräsentiert die Seele auf Erden, die sich durch die Naturwelt hindurch entwickelt. Sie gleicht einer Flamme, die beim Gang durch die Reiche der Natur diese sowohl erschafft wie auch an ihnen teilhat. Das Feuer entwickelt ja deren jeweilige Substanzen und Strukturen und wird zu den sie bewohnenden Wesen oder Lebensformen. Dieses Agni ist jedoch nicht nur Feuer, sondern auch Farbe, Hitze und Licht, zeigt also die äußeren Attribute des Feuers, und ist Leben, Wahrnehmung und Bewußtsein, bekundet also die inneren Lichtaspekte.
Jeder einzelne von uns ist eine Flamme, eine Form von Agni – des Lichts, das Körper, Sinne, Atem, Verstand und Bewußtsein beleuchtet. Wir sind Feuerwesen, nicht einfach nur als Partikeln eines materiellen Feuers, sondern als Manifestationen eines geistigen und universellen Feuers (symbolisiert von Gott Shiva oder Rudra). Alles, was wir sehen, ist eine Form des Feuers, des Lichts, der Farbe, Hitze, Energie oder Bewegung, und geistig gesehen ist es der große Gott Agni. Als Manifestation Agnis sind wir all dieses ebenso.
Woher kommt diese Flamme der Seele? Es ist ein Anteil des solaren Feuers, das in die Erde einfloß. Die Sonne wiederum empfängt ihr Feuer aus dem Licht des Bewußtseins (Chit-tejas) jenseits von Zeit wie Raum und von den Meistern des universellen Lebens und Karmas (den Rishis Brighu und Angirasa).
Die Seele im Mineralreich
In der vedischen Anschauung ist Agni oder Feuer die regierende Gottheit bzw. der Geist der Erde, gerade so, wie Wind oder Vayu die Gottheit der Erdatmosphäre und Sonne oder Surya die Gottheit des Himmels ist. Dies erscheint nicht nur als eine Feststellung der Mystik oder des Yoga, sondern ebenso als eine der Wissenschaft, die einen feurigen inneren Kern des Planeten Erde als gegeben ansieht. Der Kern ist ein Anteil des solaren Feuers, den die Erde bei der Entstehung des Sonnensystems erhielt.
Die erste Ebene der Manifestation durch Agni bzw. durch die individuelle Seele (Jivatman) ist das Mineralreich. Die Wissenschaft belehrt uns darüber, daß jedes Felsgestein auf der Erde direkt oder indirekt aus einem Ursprung hervorging, nämlich aus vulkanischer Tätigkeit bzw. aus dem der Erde innewohnenden Feuer, das zur Oberfläche drängt. Dieses ‚mineralische Feuer‘ wird vom Erdfeuer, dem Feuer im Zentrum des Planeten, erschaffen.
Mineralisches oder vulkanisches Feuer stellt sich in verschiedenen Formen dar. Erstens als solches, das in Vulkanen ausbricht und vulkanisches Lava- oder Felsgestein bildet. Zweitens als jenes, das die großen Gebirge der Erde formt. Dieses gelangt nicht in geschmolzenem Zustand an die Oberfläche, sondern formt unter großem Druck glühendes Felsgestein, wie z. B. Granit, das zum Rückgrat der Kontinente wird.
Das vorherrschende Mineral auf der Erde ist Silizium (Siliziumdioxid in Quarz und Sandstein), das Licht zu reflektieren vermag, was seine Verbindung zu Agni bezeugt. Das Mineralreich manifestiert verschiedene Eigenschaften Agnis, wie Farbe, Hitze und Licht. Sehr erkennbar wird das bei Edelsteinen und bei Edelmetall, speziell bei Gold, der besonderen und reinsten Form von Agni im Mineralreich. Das mineralische Feuer kreiert die unterschiedlichen Kristalle als erste Lebensformen; diese besitzen großes Leitvermögen für kosmische, geistige und physische Heilenergien. Deshalb sind Edelsteine beim vedischen Heilen so wichtig.
Die ersichtlichste äußere mineralische oder geologische Form Agnis zeigt sich in den Gebirgen. Gebirge werden von Agni oder vulkanischer Tätigkeit im Erdinneren aufgebaut und erheben sich wie Flammen gen Himmel. Tatsächlich, so wird gesagt, sind Berge die Wohnstätten der Götter oder der kosmischen Kräfte, die zur Erde herabsteigen und diese durch die Augen des Mineralreichs wahrnehmen können.
Vor allem der Berg repräsentiert die mineralische Manifestation Agnis oder der Seele, und er spiegelt das universelle Bild des kosmischen Berges, die verschiedenen Ebenen der Pyramide des Seins analogisch wider. Es finden sich viele heilige Felsen, heiligen Säulen oder Shiva Lingas gleich, bei denen das göttliche Feuer verehrt werden kann.
Das Erdfeuer steht in Verbindung mit dem Feuer des Wassers, gleichfalls ein Element des Mineralreichs und dessen Evolutionszyklen von Fels und Wasser. Die dritte Form des mineralischen Feuers bekundet sich im ‚ozeanischen Feuer‘, das die Gebirgsketten der Tiefsee erbaut. Das ozeanische Feuer erhitzt und energetisiert das Meeresgewässer; seltsame neue Lebensformen wurden jüngst in der Meerestiefsee entdeckt, Formen, die von seiner Hitze und den durch sie erzeugten schwefelhaltigen Mineralien leben.
Das Wasser auf der Erdoberfläche liefert einen weiteren Anteil solaren Feuers aus dem Sonnenlicht, das auf ihm reflektiert wird. Wasser kann Licht empfangen und dadurch Leben gebären. Das Sonnenfeuer steigt herab und durchdringt das Wasser. Verstärkt wird der Prozeß noch durch die feurigen Energien von Blitzen, über den Regen aufs Erdwasser übertragen. Blitze sind Teil des atmosphärischen Feuers, das selbst mit dem erdhaften bzw. vulkanischen Feuer magnetisch verbunden ist.
Die Atmosphäre ist an der Entfaltung der mineralischen Seele ebenfalls mitbeteiligt. Atmosphärische Kräfte in Form von Wind, Regen und klimatischen Einflüssen zersetzen das Felsgestein und tragen dazu bei, es in – pflanzliches Leben nährenden – Mutterboden zu verwandeln. Der Mutterboden ist das Endprodukt der Evolution der Mineralien und stellt die Bühne für die nachfolgende Evolution der Pflanzen bereit.
Das Mineralreich selbst umfaßt viele Abschnitte und Bezirke, wie vulkanisches, metamorphisches und sedimentäres Gestein, wie Mineralien, Metalle, Fossilierungen, Halbedel- und Edelsteine, wie die kontinentalen Platten und die ozeanischen Böden. Wer tief in die Gestaltungen des Mineralreiches blickt, kann die eigene Seele entdecken und zum göttlichen Feuer, das durch sie wirkt, Kontakt herstellen.
- Vernetzen mit Facebook
- Vernetzen mit Google Buzz
- Vernetzen mit Delicious
- zu Digg hinzufügen
- Vernetzen mit Reddit
- Vernetzen mit StumbleUpon
- Vernetzen mit MySpace
- Vernetzen mit Technorati
- Vernetzen mit studiVZ meinVZ schülerVZ
- Hinzufügen zu Google Bookmarks
- Hinzufügen zu Windows Live
- Hinzufügen zu Yahoo! Bookmarks



