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Die Beatles in Indien

Von Nina Haisken
Die Beatles in Indien © Bild:Fotograf: Paul Saltzman; Quelle: Die Beatles in Indien, Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2005
Vom Swinging London nach Rishikesh. Als die Beatles in den Ashram einzogen

Weiß gewandete Menschen mit leuchtenden Blumenketten vor typisch indischer Kulisse, diesem einzigartig dichten Flair aus staubig, exotisch, unerklärlich und wunderschön – ein solches Bild fällt wohl den meisten zum Ashram-Aufenthalt der Beatles in Rishikesh ein. Glückliche Gesichter, eine Optik, die Frieden und Spiritualität ausstrahlt. Doch wie viel steckt dahinter ist die Frage: War es nur Attitüde, die John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr 1968 dazu bewegte, sich in den Ashram von Maharishi Mahesh Yogi zu begeben? Mal kurz auf Stippvisite in den Ashram – ein bisschen spirituell angehauchte Indienromantik als Abenteuer für die Seele und/oder Futter für die Kameras der Presse einfangen? Vom Hippie-Zeitgeist erfasst auf Sinnsuche gehen? Oder war es vielleicht von allem ein bisschen, was die vier jungen Männer aus Liverpool, die als die Beatles in die Geschichte eingingen, damals an diesen Ort führte?

Nichts von alledem trifft zu - so hat man den Eindruck, wenn man den Aussagen von Paul Saltzman folgt, einem mittlerweile renommierten Filmemacher, der hautnah dabei war, als die Berühmtheiten von der Themse in Rishikesh die Transzendentale Meditation erlernten, und eine Vielzahl sehr persönlicher Aufnahmen von ihnen schoss, die er zusammen mit Anekdoten über die damit verbundenen Erlebnisse in einem jetzt neu erschienenen großformatigen Bildband präsentiert. Wenn man den Aufenthalt der vier legendären Musiker unbedingt auf eine Formel bringen will, so greift möglicherweise noch am ehesten das Klischee von den im Grunde bedauernswerten Stars, die obwohl einerseits reich und berühmt auf der anderen Seite innerlich leer und ausgebrannt sind.

Zumindest passt dies zu einem Satz, den George Harrison im Ashram gegenüber Saltzman äußerte und der diesen bis heute beeindruckt: “Wir sind immerhin die Beatles, nicht wahr? Wir haben so viel Geld, wie man es sich nur erträumen kann. Wir sind so berühmt, wie man es sich nur wünschen kann. Aber das ist keine Liebe. Es ist keine Gesundheit. Es ist kein innerer Frieden. Oder?“

Saltzman lernte die Beatles kennen, als er in den Ashram kam, um sein gebrochenes Herz zu heilen: Der damals 24jährige Kanadier – einer inneren Eingebung folgend zur Selbstfindung nach Indien gereist - hatte von zu Hause soeben einen Goodbye-Brief seiner Freundin erhalten und hoffte nun, seinen Liebeskummer durch Meditation besiegen zu können. Von der Anwesenheit der Musikidole, die er bei einem Konzert in Toronto bereits auf der Bühne erlebt hatte, wusste er bei seiner Ankunft nichts. Auch war er, wie er sagt, zunächst nicht begeistert über diese Koinzidenz, denn der Ashram war aufgrund des prominenten Besuchs eigentlich für die Öffentlichkeit geschlossen und so fand Saltzman erst Einlass, nachdem er einige Tage in einem Zelt vor der Anlage gecampt hatte.

Als er nach geduldigem Ausharren im Ashram aufgenommen wurde, machte er recht bald Bekanntschaft mit den vier Beatles, die von Anfang an keinerlei Berührungsunwillen zeigten, sondern schon bei der ersten Begegnung gelöst und entspannt mit ihm scherzten. Saltzman beschreibt sie als (mit Ausnahme vielleicht von Ringo Starr) ernsthaft an Meditation Interessierte, die sich im Umgang mit ihm zudem als bescheiden und warmherzig erwiesen. Das Ashram-Leben der Fab Four wurde durch Meditieren - hierzu wurde schon früh morgens geweckt -, durch den Besuch von Vorträgen des Gurus und das Komponieren und Spielen neuer Songs geprägt.

Oft saßen sie, so Saltzman, stundenlang da und stimmten voller Enthusiasmus immer wieder Songs wie  Ob La Di, Ob La Da an. Auf die transzendentale Meditation waren die Beatles durch Harrisons Ehefrau Patti aufmerksam geworden und hatten im Sommer 1967 einen Vortrag von Maharishi Mahesh Yogi in London besucht. Dieser lud sie anschließend zu einem einwöchigen Retreat in Wales ein. Die Beatles folgten dieser Einladung prompt, brachen die Klausur jedoch nach nur zwei Tagen ab, weil ihr Manager Brian Epstein bei einem Unfall ums Leben kam.

Doch gleich am ersten Tag, den sie mit ihrem neuen Guru verbrachten, hatte dieser mit seinen Lehren schon soviel Eindruck bei ihnen hinterlassen, dass sie kaum 24 Stunden nach ihrer Ankunft in Wales auf einer Pressekonferenz den Drogen abschworen und erklärten, ab sofort über die Rauschmittel hinweg zu sein.

George Harrison hatte sich schon lange vor der Bekanntschaft mit TM sowohl östlicher Musik als auch Spiritualität zugewandt: angetan von indischen Ragas – den Einfluss dieser Inspiration hört man auch bereits in vielen Beatles Songs, die aus der Zeit vor dem Ashrambesuch stammen - hatte er sechs Monate lang Sitar-Unterricht bei Ravi Shankar genommen und sich abgesehen davon mit den Schriften Swami Vivekanandas befasst. Außer ihm war insbesondere Lennon vom Maharishi beeindruckt (laut Saltzman versprach er sich von dem Rishikesh-Aufenthalt nicht weniger, als das große Geheimnis des Lebens zu ergründen) und so verkündeten George Harrison und er bei einem gemeinsamen Fernsehauftritt im Herbst ’67, die Transzendentale Meditation gebe ihnen mehr Energie, und empfahlen diesen Ansatz als Dogmen-freie Methode für jedermann. Im Februar 1968 – in der Zwischenzeit liegt der Flop des Beatles-Fernsehfilm Magical Mystery Tour, der von der Presse völlig verrissen wurde und auch bei den Fans wenig Anklang fand – fanden sich die Beatles schließlich im Ashram des zu ihrem Lehrer erwählten Maharishi Mahesh Yogi ein.

Zeitgleich mit den vier „Jungs“ aus Liverpool weilten weitere Berühmtheiten im Ashram: auch Mia Farrow, der Sänger Donovan und Mike Love von den Beach Boys hielten sich dort auf. Die Celebrities und ihre Begleitungen waren jedoch nicht die einzigen Gäste, die zu der Zeit im Ashram zugegen waren; außer Saltzman befanden sich die 30 Teilnehmer eines Meditationslehrerkurses auf dem Areal.


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Autoren Info

Nina Haisken, geb. 1977, ist seit Ende 2004 Redakteurin bei YOGA AKTUELL. Sie studierte in Münster Kommunikationswissenschaft, Indologie und Soziologie und sammelte u.a. Erfahrungen bei einem Verlag in Delhi. Ihr privates Interesse gilt insbesondere der islamischen Mystik und den Kulturen des nahen Ostens sowie dem FC Schalke 04.