Home Spirituelles Leben Om Shanti in Vrindavan

Om Shanti in Vrindavan

Von Edith Bierbaumer
Einmonatige Yogalehrerausbildung in Indien: eine frisch gebackene Absolventin über ihre Zeit im Ashram
Was bewegt eine Sportwissenschaftlerin dazu, freiwillig einen Monat mit 20 anderen Personen unter bescheidensten Verhältnissen in einem Schlafsaal in Indien zu leben? Yoga natürlich! Als begeisterte Yoga-Ausübende kommt bald der Wunsch, seine Begeisterung an andere weiterzugeben. Eine Yogalehrerausbildung kann man nahezu auf der ganzen Welt abschließen – natürlich auch in Indien, dem Ursprungsland von Yoga. Bei meiner Internet-Recherche bin ich sofort auf das Angebot der Sivananda Academy gestoßen. Das Programm klingt gut durchdacht, bietet ein umfangreiches Kulturprogramm (Tänze, Zeremonien, Gastreferenten, …) und verfügt bereits über eine 40-jährige Erfolgsgeschichte. Und gleich vorweg: Alles, was versprochen wurde, ist auch bis aufs kleinste Detail eingehalten worden.

Vor der Abreise studiert man gewissenhaft alle Unterlagen. Hier ein kleiner Auszug aus dem Kursprogramm: „Kein Fisch, kein Fleisch, kein Alkohol, kein Kaffee und keine Eier. Verlassen des Ashrams zwischen 18 Uhr abends und 8 Uhr morgens nur in Absprache mit dem Ausbildungsleiter möglich. Tagesbeginn: 5.30 Uhr, Ausbildungsende: 22.00 Uhr. Mitzubringen: Yogamatte, Sitzkissen, Taschenlampe, Wäscheleine, Handwaschmittel, Moskito-Spray, etc.“ Nun ja, ein Wellnessurlaub in einem 4-Sterne-Hotel hört sich definitiv anders an …

Lernen mit  Menschen aus allen Natio­nen und einem netten Ausbildungsteam
135 Personen aus der ganzen Welt sind der Einladung zum TTC (Teachers Training Course) nach Vrindavan gefolgt. In meinem Schlafsaal tummeln sich Mädels aus der Karibik, Mexiko, Südafrika, Indonesien und vielen weiteren interessanten Ländern der Welt – ein internationales Erlebnis der Sonderklasse! Das Ausbildungsteam ist kompetent, äußerst sympathisch und präsentiert den umfangreichen und teilweise nicht einfachen Stoff in einer sehr erfrischenden Art. Straffer Zeitplan und frühes Aufstehen heißen nicht, dass während der Einheiten nicht gelacht werden darf! Ich bin sofort begeistert von der Unterrichtsart unserer Swamis, und sie leisten einen wesentlichen Beitrag, dass wir uns rasch wohlfühlen in unserer neuen Umgebung – auch wenn dies am Anfang mit hartem Bett, bescheidenem Badezimmer und ungewohntem Essrhythmus nicht so leichtfällt. Es findet kein Kopfstandwettbewerb statt, um die Gruppe in die „Yogaprofis“ und den Rest zu unterteilen, und von vorneherein wird betont, dass die Swamis unsere Begleiter sind, die uns auf unserem Weg zum guten Yogalehrer unterstützen. In der Gruppe wird jeder mit seinem Können so akzeptiert, wie es gerade ist – auch, wenn Yoga nicht in einem der Sivananda-Zentren gelernt wurde. Sehr sympathisch!

Während des Aufenthaltes muss ich oftmals mit Schmunzeln an das telefonische Aufnahmegespräch denken. Hier wurde ganz streng darauf hingewiesen, dass es einiges an körperlicher und geistiger Disziplin erfordert, diese vier Wochen durchzuhalten, um die Ausbildung auch tatsächlich abzuschließen. Desweiteren sollte man sehr offen sein für eine andere Kultur. „Alles kein Problem!“, denkt man sich zuhause – schließlich schätzt man sich selbst als belastbar und offen ein. Nun, vor Ort weiß man, dass die Hinweise alle mehr als berechtigt waren! Vier Wochen um 5.30 Uhr aufstehen, sich bei vielen Moskitos und Fliegen noch auf die Meditation konzentrieren, tagtäglich das gleiche spannende Essenstrio, bestehend aus Reis, Linsensuppe und Gemüse, ertragen, und auch um 21.30 Uhr interessiert dem letzten Vortragenden zuhören ist wirklich nicht einfach! Dafür hat man auch die einzigartige Gelegenheit, sich jeden Tag um nichts anderes zu kümmern als um Yoga und die Ausbildung. Keine Gedanken an Termine, Bekleidung, Make-up, Frisur, Handy und Internet – dies ist wirklich befreiend.


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