Göttliches Spiel
Von Peraim Kaur KhalsaDer Satz von Yogi Bhajan »Das Leben ist wie ein Kinofilm« und die Vorstellung, mit den Pferden auf der Leinwand zu rennen, brachte mich zum Lachen. Ich stellte mir vor, wie ich Popcorn verstreuend und Soda verspritzend wild im Kino herum galoppierte, während die Zuschauer mich verdutzt und erstaunt beobachteten. Aber es gibt Tage, da fühle ich mich, als würde ich genau das tun.
Als ich das erste Mal das Zitat „das Leben ist wie ein Kinofilm“ hörte, begann ich darüber nachzudenken, dass ich ständig wie unter Zwang dabei war, etwas zu leisten. Es war mir unmöglich, mich einfach zurückzulehnen und die Show anzusehen. Um meinen Wert zu beweisen, stellte ich das eine oder andere her, das andere Leute bewundern und mir dafür auf die Schulter klopfen konnten. Dann konnte ich meinen Wert fühlen. Ich konnte mich erfüllt fühlen. Inzwischen habe ich gelernt, dass es nicht auf diese Weise funktioniert.
Wir lernen in einem frühen Alter, dass wir nicht für das geliebt werden, was wir sind, sondern für das, was wir tun. Also lernen wir uns darzustellen, um Liebe und Anerkennung zu erlangen. Haben dein Vater oder deine Mutter dich in deiner Kindheit oder Jugend je gefragt: „Nach allem, was ich für dich getan habe, verhältst du dich jetzt so?“
Vielleicht hast du das sogar zu jemand anderem gesagt. Wir werden darin unterrichtet unsere Leistungen nach einem äußeren Maßstab zu vergleichen und auch unseren Erfolg danach einzuschätzen. Wie sollen wir da ohne Verlangen sein? Wir alle haben gesehen, dass Menschen, die sich derartig auf ihre Leistungen stützen, sich auf sich selbst beschränken und unsicher werden, wenn sie die Talente und Fähigkeiten anderer Menschen wahrnehmen. Sie brauchen fortwährend Bestätigung und Anerkennung von außen. Sind wir einmal in dieser Tretmühle gefangen, ist es sehr schwer sich daraus zu befreien.
Als ich mich selbst beobachtete und erforschte, meine Arbeit verrichtete und meinen yogischen Lebensstil lebte, erwachte in mir das Verständnis, dass ich nach zwei voneinander getrennten Mustern lebte. Wenn ich in einem Zustand der Ruhe war, war ich mehr im Augenblick präsent. Folglich reagierte ich auf das, was in diesem Augenblick wichtig war und erledigte es.
Dies stand im direktem Widerspruch zu jenen Momenten, in denen ich mit vergangenen Ereignissen beschäftigt war, verzweifelt versuchte, eingebildete Gefahren, die vor mir lagen, zu vermeiden und mich abstrampelte um sie zu umgehen. War ich dagegen in einem Zustand der Ruhe, schien meine Gegenwart für mich zu arbeiten. Reagierte ich auf Druck aus Vergangenheit oder Zukunft, fühlte ich mich, als müsste ich Eindruck auf meine Umgebung machen. Ich musste etwas tun.
Was ist der Unterschied zwischen einen Eindruck hinterlassen und einen Einfluss ausüben? Haben Sie jemals jemanden in einen Raum kommen sehen, der sofort anfing, damit zu prahlen was er alles kann oder schon gemacht hat, und wie er versucht andere Leute zu beeindrucken? Menschen, die sich gewohnheitsmäßig so verhalten, suchen nach der Bestätigung, dass sie in Ordnung sind und etwas gut machen; sie wünschen sich unsere Anerkennung.
Dann gibt es noch Leute, die kein Bedürfnis haben, anderen irgendetwas zu sagen. Sie sind nicht blind für die möglichen Reaktionen anderer, aber auch nicht beeinflussbar von ihnen. Sie nehmen einfach die Wirklichkeit der Situation aus ihrem neutralen Blickwinkel wahr, und das verursacht einen Einfluss. Eine solche Person besitzt einen inneren Wert, der nicht aus dem Vergleichen oder Konkurrieren mit anderen erwächst, sondern aus dem Akzeptieren und Respektieren der eigenen Person.
Der Versuch, einen Eindruck zu hinterlassen, entsteht aus einer Unsicherheit, einem Gefühl, dass du vielleicht nicht echt bist und dass du von außen Anerkennung brauchst, um zu beweisen, dass du doch echt bist. Einen Einfluss zu erzeugen, weil unsere Gegenwart für uns arbeitet, hat mit seelischer Stärke zu tun und mit innerem Vertrauen auf unsere einzigartige und perfekte Identität, die unabhängig ist von den Maßstäben der äußeren Welt.
Es gibt manche Menschen, die allein durch ihre Anwesenheit einen Einfluss ausüben. Ich kenne jemanden mit solch einer kraftvollen Ausstrahlung. Er braucht nur einen Raum zu betreten und die Luft scheint sich aufzuladen. Jeder im Raum verlagert sein Verhalten auf eine aufmerksamere und bewusstere Ebene. Es gibt auch jene seltenen Seelen, in deren Gegenwart die Zeit still zu stehen scheint und die Leute eine unerklärliche Zufriedenheit verspüren.
Die Seele ist sehr kraftvoll. Ich erinnere mich an eine gute Freundin, die mir eine Geschichte aus einem Jahr ihres Lebens erzählte, in dem sie besonders stark beschäftigt war. Sie war täglich bei Yogi Bhajan, und er ließ sie jeden Tag ihm gegenüber im Wohnzimmer auf dem Sofa sitzen und dort den gesamten Nachmittag verbringen. Weil sie da nun nicht mehr planen und die Leitung übernehmen konnte, sorgte sie sich um all die Dinge, die nicht erledigt wurden. Nach einer Weile fand sie heraus, dass sie die Kraft ihrer Seele benutzen konnte um Dinge in Gang zu bringen.
Irgendwie taten die Leute genau das, was nötig war. Irgendwie wurde alles erledigt. Es dauerte eine Weile, aber es war eine sehr wichtige Sache, die sie dabei lernte, nämlich dass man durch andächtige Konzentration, Angelegenheiten so beeinflussen kann, dass sie sich von alleine regeln. Ich schlage nicht vor, sich immer auf das Sofa zu setzen, wenn Sachen erledigt werden müssen, aber ich glaube, dass es uns hilft, uns daran zu erinnern, dass das Leben eigenen Gesetzen folgt und dass die Erde sich schon eine ganze Weile ohne meine Hilfe um ihre Achse dreht.
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