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Unterbewusstsein und Intuition

Von Swami Durgananda
Stammen unsere Eingebungen aus einer höheren Quelle oder sind es nur unterbewußte Eindrücke, die unser Leben bestimmen? Wie unterscheidet man wahre Intuition von bloßer Einbildung
Die drei Ebenen des Bewusstseins sind eines der interessantesten Themen, um die Funktionsweise des Geistes zu verstehen. Am besten hat sie der Weise Patanjali in den Aphorismen der Raja-Yoga-Sutras festgehalten. Mein Lehrer Swami Vishnu-devananda war selbst ein großer Raja-Yogi, der über Asanas und Pranayama hinaus eine tiefe Kenntnis der geistigen Techniken des Raja-Yoga hatte. Während der schönen Sommer im Sivananda-Ashram in Kanada studierte er mit uns die Lehren Patanjalis über die verschiedenen Bewusstseinsebenen. Dabei betonte er immer wieder den Unterschied zwischen Unterbewusstsein und Intuition; denn oft wird etwas als Intuition betrachtet, was jedoch nur eine Reflexion des Unterbewusstseins ist.

Die drei Bewusstseinsebenen im Astralkörper

Patanjali erklärt drei verschiedene Ebenen des Geistes: das Unterbewusstsein, das Bewusstsein und das Überbewusstsein (oder Intuition). Über den dreien steht die Erkenntnis des Selbst. Dies ist keine Bewusstseinsebene mehr, sondern die Ebene des so genannten Selbst-Bewusstseins, welches absolutes Bewusstsein der Einheit mit dem Ganzen bedeutet und auch als Samadhi oder Nirvana bezeichnet wird. Da diese Erkenntnis über den Intellekt hinausgeht, kann sie nicht mehr mit Worten erklärt werden.

Viele Zustände, die noch beschrieben und erfasst werden können, sind im Astralkörper, nicht im physischen Körper. Wir nehmen sie mit, wenn wir den Körper verlassen und in andere Ebenen eingehen. Dies entspricht auch der Nahtod-Erfahrung, bei der man zwar noch mit dem Körper verbunden, sich dessen aber nicht mehr bewusst ist. Vielleicht hat man bereits selbst diese Erfahrung gemacht, oder man kennt Menschen, die z. B. erlebt haben, wie sie auf dem Operationstisch unter Narkose oder im Koma die Ärzte sahen oder hörten. Der physische Körper ist in diesem Augenblick sozusagen "geparkt" und nicht mehr Teil des Bewusstseins. Das eigentliche Bewusstsein ist im Astralkörper und funktioniert weiter. Der Astralkörper umgibt und durchdringt die starke physische Hülle, die aus den fünf Elementen besteht.

Dieser feine Lichtkörper überdauert den physischen Körper, und somit geht unsere Existenz auch über den physischen Körper hinaus. Auf dieser Erkenntnis basiert die ganze Yoga-Philosophie. Die Weisen sagen uns: "Mensch, sei weise, lebe nicht in der Maya, in der Illusion, die dir eingibt zu glauben, dass Du der Körper bist".

Unterbewusstsein und vergangene Leben
Das Unterbewusstsein ist Teil des Astralkörpers. Wenn wir uns klarmachen, dass es mehr als ein Leben gibt – laut den Veden sind es Tausende von Leben – und dass die verschiedenen Erfahrungen der einzelnen Leben im Unterbewusstsein gespeichert sind, dann ist diese Bewusstseinsebene leichter zu verstehen. Es heißt, dass man alle Erfahrungen, die man jemals gemacht hat, auch wieder erfahren kann, und dass alle Talente, die man einmal entwickelt hat, im Unterbewusstsein gespeichert sind. Am Beispiel von Mozart sehen wir, dass das, was er spielte und wusste, als tiefe Eindrücke aus dem Unterbewusstsein hervorkam. Die modernen Yogis vergleichen es gern mit der Computertechnologie: Alles ist auf der Festplatte gespeichert, und man kann es auch wieder löschen. Beim Computer passiert dies oft aus Versehen. Im Yoga dagegen macht man dies mit sehr bewussten Techniken. Wenn es dann gelöscht ist, fühlt man sich wie von einer Last befreit.

Samskaras
Wenn man jung ist, ist man noch voll im Geschehen der Welt. Wird man jedoch etwas älter und ruhiger, tauchen Gedanken auf wie beispielsweise: Wieso ist mein Leben so verlaufen? Warum passieren gewisse Dinge immer wieder? Wieso fühle ich mich an manchen Orten wohler? Weshalb zieht es mich zu bestimmten Menschen mehr hin? Wie kommt es, dass ich gewisse Talente habe? Weshalb habe ich überhaupt Lust, gewisse Dinge zu tun und andere zu lassen? Patanjali erklärt dies in den Raja-Yoga-Sutras als tiefe Eindrücke aus vergangenen Leben. Sie werden Samskaras genannt und sind wie Sandbänke im Unterbewusstsein von vergangenen Leben angehäuft. Sind diese Eindrücke noch sehr frisch, leuchten sie stark wie ein Diamant im Dunkeln; und dieses Licht reicht oft in das nächste Leben hinein.

Instinkt und Unterbewusstsein
Wir sind uns dessen aber nicht bewusst und schlafen sozusagen mit offenen Augen. Wir erkennen die Realität des Lebens nicht, weil unsere Sinne uns ständig verschleiern und uns nur das sehen lassen, was wir uns im Moment wünschen. Somit ist das Unterbewusstsein ein starkes Instrument, das uns führt. Wir aber glauben, dass alles aus unserem eigenen Intellekt kommt oder dass wir aus einer großen "Intuition" heraus etwas denken, sprechen oder tun. Wir meinen, etwas ganz Besonderes zu denken; aber es ist eigentlich nur dieser stille Diamant, der im Unterbewusstsein leuchtet und Eindrücke aus vergangenen oder aus dem gegenwärtigen Leben hervorholt.

Der Instinkt führt uns immer wieder zurück zur Erfahrung der Sinne. Und instinktives Verhalten kann man sehr gut in der Tierwelt beobachten. So geben auch die Yogis oft Beispiele von Tieren. Viele Asanas haben Tiernamen; denn wenn man Tiere beobachtet, erkennt man auch einen Teil von sich selbst darin. Auch die moderne Psychologie bezieht sich in ihren Begriffen auf die Tierwelt: Die Angst, der Kampfinstinkt, das Revier-Denken – all das haben die Tiere auch. Wir haben zwar die Intelligenz, die den Tieren fehlt, womit wir zusammen mit dem aufrechten Gang und unseren geschickten Händen viel kaschieren können. Alles wirkt dann sehr elegant, und wir nennen es "gesellschaftliche Formen". Aber in Wirklichkeit haben wir nur unsere Instinkte schön verpackt, ein Schleifchen darum gemacht und immer der Mode angepasst. Swami Vishnu-devananda sagte immer sehr direkt: Der durchschnittliche Mensch ohne Viveka (Unterscheidungskraft) beschäftigt sich lediglich mit Essen, Schlafen, Vermehren und Nest- oder Häuschen-Bauen. Es klingt krass, aber wenn man es genau betrachtet, sieht man, dass all dies nur instinktive Handlungen sind. Wir sehen uns als großartige Menschen, wenn wir ein schönes Haus bauen, unsere Kinder erziehen und alles gut und ordentlich regeln. Aber dennoch sind es Dinge, die vom Instinkt gesteuert sind.

Je mehr wir uns von den Instinkten leiten lassen, desto weniger geraten wir auf die Ebene der Intuition. Denn die Intuition hat nichts mit Instinkten zu tun. Intuition ist ein Wonne-Erlebnis; und Instinkte sind Erlebnisse aus der Tierwelt, die über die Sinne ablaufen. Und damit ist die Sinnenbefriedigung ein instinktives Erlebnis.

Im Yoga ist es wichtig, dies immer wieder zu bedenken. Es ist eine große Falle des Egos, zu glauben, man sei einmalig und unersetzlich. Es ist natürlich auch wichtig, sich als Individuum herauszubilden, um seine Lebensaufgabe zu erfüllen. Mit Hilfe von Yoga wird dies ins rechte Licht gerückt: Man muss sich klar darüber sein, dass man Teil eines Ganzen ist, damit die Verschmelzung des Egos geschehen kann, solange man noch im Körper ist. Und das ist Intuition, die immer mehr die Führung übernimmt, je mehr man sich der Instinkte bewusst wird.



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