Yoga Aktuell: Herr També, sind Sie glücklich?
Balaji També: Sicherlich, ich bin sehr, sehr glücklich. Der ayurvedische Lebensstil macht jeden glücklich. Ayurveda schafft eine Balance für Körper, Geist und Seele. Und wenn das Leben in Balance ist, kann man sein Glück genießen.
YA: Kann Ayurveda die Menschen glücklich machen?
BT: Ayurveda ist die Wissenschaft und zugleich auch die Kunst des Lebens. Ayurveda wurde durch das Studium von Natur und Mensch im weitesten Sinne entwickelt und schriftlich niedergelegt, daher ist es eine Wissenschaft, die den Menschen glücklich machen möchte. Ayurveda legt seinen Schwerpunkt auf Gesundheit und auf Heilverfahren zur Erhaltung der Gesundheit unter Berücksichtigung von Körper, Geist und Seele. Die ayurvedischen Behandlungsmöglichkeiten machen den Menschen tatsächlich glücklich, denn anstatt einen Teil des Patienten zu behandeln und eine Gegenreaktion in einem anderen Teil zu bewirken, wird hier die ganzheitliche Behandlung einer Krankheit ermöglicht, wobei der Geist fähig wird, das Leben zu genießen, so dass die Seele Frieden und Glück erfahren kann.
YA: Was ist der Unterschied zwischen Yoga und Ayurveda?
BT: Ayurveda, die Wissenschaft vom Leben, hat viele verschiedene Sparten, da sie sich mit Körper, Geist und Seele befasst. So gibt es einen Bereich, der sich mehr mit dem Körper auseinandersetzt und in dem Ratschläge zu gesunder Ernährung, zu Medikamenten, Massagen etc. gegeben werden. Ein anderer Bereich behandelt den psychischen Körper, die Wirkung des Hormonsystems, die verschiedenen Verhaltensweisen und die Einflüsse durch die Arbeit. Der dritte Bereich behandelt die Seele, das Unbekannte sowie menschliche Qualitäten wie Moral, Vertrauen und dergleichen. Wir können sagen, dass Yoga ein weiterer Bereich ist, der hauptsächlich mit dem physischen und psychischen Körper arbeitet, wobei bestimmte Körperhaltungen, Akupressur der Marmas (spezielle Energiepunkte im Körper) und Atemdisziplinen vorgestellt werden. Es gibt auch einen therapeutischen Bereich des Yoga, der Techniken wie Neti und Dhauti beschreibt. Die Philosphie des Yoga basiert dabei auf Ayurveda.
YA: Ist eine klare Unterscheidung überhaupt möglich?
BT: Die Anleitungen, wie man aufstehen sollte, wie man ein Bad nehmen sollte usw. sind ähnlich, doch im Ayurveda sind sie einfacher als im Yoga. Die yogischen Disziplinen sind recht rigoros und strikt. Jedenfalls gibt es einen ziemlich großen Unterschied bei der praktischen Anwendung von Yoga und Ayurveda. Yoga zielt z.B. generell auf eine bestimmte Art von Ernährung, wogegen Ayurveda eine auf die individuelle Konstitution abgestimmte Ernährungsweise empfiehlt. Ayurveda beschreibt auch genau die Heilwirkung der Nahrungsmittel. Yoga steht mehr für Prävention und für die Erhaltung eines Gleichgewichts zwischen Körper, Geist und Seele. Ayurveda bietet zusätzlich Heilverfahren für spezifische Probleme mit Hilfe von Medikamenten und Therapieanwendungen an. Obwohl es also einen Unterschied gibt, ergänzen sich Yoga und Ayurveda, und oft ist für eine vollständige Heilung Hilfe von beiden Disziplinen erforderlich.
YA: Wird Ayurveda die Medizin der Zukunft sein?
BT: Sicherlich, Ayurveda als ein ganzheitliches und natürliches, vollständige Heilung bietendes System, wird die Medizin der Zukunft sein. Generell scheint es so, dass die moderne Medizin Heilung verspricht, dabei aber die Struktur des Körpers ändert, indem sie Gegenreaktionen des Körpers und metabolische Veränderungen bewirkt. Hierdurch entsteht ein Teufelskreis, denn immer mehr Therapieverfahren, immer mehr Medikamente ergeben immer mehr Krankheiten. Die heutige Medizin ändert das ganze Bild vom Körper und vom Leben an sich. Die Lebensdauer mag sich zwar erhöhen, aber die Zeit, die man sinnvoll und zufrieden verbringen kann, nimmt immer mehr ab. Einem Menschen wird vermittelt, dass er frei von Krankheit ist, aber tatsächlich ist er nicht mehr die gleiche Person und auch nicht mehr in der Lage, sich seines Lebens so wie zuvor zu erfreuen. Zum Beispiel wird jemandem, der an Diabetes leidet, das Gefühl gegeben, dass seine Krankheit mit Hilfe von Medikamenten unter Kontrolle ist. Aber tatsächlich muss die Medizindosis erhöht werden und als Folge kommt es zum Verlust der Vitalität, zu neuropathischen Reaktionen usw. so dass von einer normalen Lebensführung keine Rede mehr sein kann.
YA: Wird Ayurveda in der Lage sein die konventionelle Medizin zu ersetzen?
BT: Ayurveda sollte die hauptsächliche Behandlungsmethode sein und konventionelle Medizin sollte nur sparsam und wenn nötig eingesetzt werden. In der konventionellen Medizin wurden hauptsächlich die Bereiche der Notfallmedizin und Chirurgie weiterentwickelt. Diese Bereiche werden auch weiter bestehen, aber ein ayurvedischer Ansatz wird hinzukommen. Es geht nicht darum, die konventionelle Medizin zu ersetzen, sondern sie in das System der ayurvedischen Philosophie mit einzubeziehen.
YA: Worin liegt die größte Schwierigkeit, Ayurveda im Westen zu verbreiten, besonders auch hinsichtlich seiner Authentizität?
BT: Die größte Schwierigkeit ist es, den Menschen die ayurvedische Philosophie verständlich zu machen und auch zu verdeutlichen, dass ayurvedische Medizin mehr ist als die Anwendung von Chemie und Physik. Das Testen von ayurvedischer Medizin sollte mit ayurvedischen Systemen durchgeführt werden und nicht nur mit der konventionellen Analysemethode, bei der es um das Feststellen der chemischen Zusammensetzung geht.
Die fünf Elemente, die spezifischen Qualitäten und Effekte von Substanzen, deren Kultivierungsverfahren, die Wirkung dieser Substanzen auf den Organismus, das konstitutionelle Gleichgewicht usw. werden im Ayurveda wissenschaftlich behandelt. Man muss dieses System erlernen und verstehen und dann bleibt auch dessen Authentizität bestehen.
YA: Ist für Sie Musik ein Teil von Ayurveda?
BT: So wie Yoga in einer ergänzenden Beziehung zu Ayurveda steht, so ist auch Musik ein sehr essentielles ergänzendes System, welches sich hauptsächlich mit dem vorhin beschriebenen dritten Aspekt befasst. Obwohl Ayurveda, Yoga und Musik ganzheitlich zusammen mit Körper, Geist und Seele arbeiten, kann zum besseren Verständnis betont werden, dass Ayurveda mit dem Körper arbeitet, Yoga mit dem Geist und Musik mit der Seele.
YA: Ist es möglich mit Musik und Klang zu heilen?
BT: Sicherlich, aus meiner eigenen Erfahrung und Praxis heraus weiß ich, das es möglich ist, mit Musik und Klang zu heilen. Ein gestresster und verängstigter Geist ist der Grund so vieler Krankheiten. Musik bietet da Entspannung, verhilft zum geistigen Stimmungswechsel und kann dadurch als ein heilendes Medium eingesetzt werden. Die Klangwirkung der menschlichen Stimme, der Effekt der Flöte und des Rhythmus, in einer entsprechenden Melodie kombiniert, ergeben ein perfektes Wissen von Heilung. In komplizierten und schweren Krankheiten ist Musik als ergänzende Behandlungsmethode absolut notwendig.
YA: Vielen Dank für das Gespräch!
Mehr Infos Dr. Tambe kommt jährlich mehrmals zu Konzerten (»Heilende Klänge aus Indien«), Vorträgen und Seminaren nach Deutschland. Santulan Ayurved GmbH, Menzelstr.2, 81679 München, www.santulan.com
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