| TAPAH – SVADHYAYA – ISVARAPRANIDHANANI KRIYA-YOGAH. (II, 1) Tapas - Buße und Askese - reinigt und stärkt unseren Körper. Aber Tapas kann auch ein großes Ego schaffen. Leider glauben die Menschen, sie würden durch großes Tapas sehr großartig werden. Tapas unverhältnismäßig zu verherrlichen, führt nur zum Ego: „Ich habe so viel gebetet und so viel meditiert.“ Diese Art von Selbstverständnis bringt Ego. Darum nennt Patanjali im selben Sutra, gleich nach Tapas: Svadhyaya – Studium des Selbst. Tapas ohne Selbsterkenntnis führt zum Ego. Betrachte deshalb die Motive hinter deinen Handlungen. Oft strebst du gar nicht nach den Dingen, die du wirklich willst. Du gehst danach, was andere sagen, meinen oder tun. Oft bist du dir selbst nicht darüber klar, was du willst, weil du nie in dich hinein gesehen hast. Du wirst von flüchtigen Gedanken, Gefühlen und Wünschen hin- und hergerissen. Dein Wunsch ist nicht einmal dein Wunsch. Darum bist du oft gar nicht glücklich, wenn deine Wünsche erfüllt sind, oder die Erfüllung deiner Wünsche verliert bald ihren Reiz. Deshalb frage dich: „Wer bin ich? Ich habe meinen Körper gereinigt, aber bin ich der Körper? Ich habe meinen Geist leicht gemacht, aber bin ich mein Geist? Bin ich meine Gedanken und Gefühle? Wer bin ich?“
Dieses Studium des Selbst erhebt dich zum Universum, das uns unbekannt ist. Selbstbetrachtung bringt dich einen Schritt weiter voran und sie beseitigt das Elend und Leiden aus dem Geist. Svadhyaya kann alle geistigen, emotionalen Unreinheiten, Unsicherheiten und Ängste beseitigen. Isvarapranidhanani – Gottesliebe, Hingabe an Gott - wird den Fortschritt vollenden. Ohne Liebe wird die Selbstbetrachtung nur eine weitere, trockene Angelegenheit. Ohne Liebe und Hingabe wird der spirituelle Weg sehr trocken – wie Styropor, wie ein Pudding ohne Zucker, ein Brot ohne Salz.
Wie entwickelt sich die Liebe zu Gott, wie erblüht sie in dir? Der Anfang besteht darin, Gott als...<<< Ende des Auszugs >>> |