Honig und sein immenses Potenzial: ein faszinierendes Heilmittel aus der Natur, das süß und wohlschmeckend auf der Zunge zergeht.
Wer sich für die Natur interessiert, besonders für Tiere und Pflanzen, kommt um Bienen eigentlich nicht herum. Denn sie verbinden diese beiden Reiche auf einzigartige Weise, und sie nehmen daher in der Welt der Insekten eine ganz besondere Stellung ein.
Wer für Naturheilkunde aufgeschlossen ist und nicht hundertprozentig vegan lebt, wird irgendwann auf Honig, Propolis und andere Bienenprodukte stoßen, denn sie sind Universalheilmittel.
Erstaunlicherweise aber ist das Wissen um Bienen, Honig und so weiter nicht sehr verbreitet. Viele Menschen wissen nicht einmal, dass Honig unter Hitzeeinwirkung zwar seine Süßkraft behält, nicht aber seine gesundheitlichen Vorzüge. Dass also der berühmte heiße Tee mit Honig lediglich gut schmeckt.
Damit außerdem die enthaltenen zahlreichen „gesunden“ Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Enzyme wirken können, damit er gegen Bakterien, Viren und Pilze aktiv werden kann, sollte man so vorgehen: Die eine Hälfte des Tees heiß und ungesüßt trinken und sich damit innerlich aufwärmen. Die andere Hälfte auf knapp 40 Grad, also lauwarm, abkühlen lassen und erst dann mit Honig verrühren. Auf diese Weise genossen, profitiert der Körper auf der ganzen Linie.
Propolis ist das Kittharz, das die Bienen aus dem Harz von Baumrinden und Knospen herstellen und mit dem sie ihren Stock gegen Zugluft und Krankheitserreger schützen. Die Propolis ist das stärkste natürliche Antibiotikum, und genauso wurde sie schon immer verwendet. Früher versorgte man damit Wunden, sogar im Mund. Bei Zahnoperationen nutzte man zusätzlich die leicht betäubende Wirkung der Substanz. Das funktionierte nicht ganz so schnell, zielgerichtet und durchschlagend wie unsere modernen Betäubungsmittel und Antibiotika, aber immerhin funktionierte es.
Propolis geriet so sehr in Vergessenheit, dass sich heute viele Menschen darunter gar nichts vorstellen können. Der Grund dafür liegt in dem Erfolg moderner Behandlungsmethoden und Medikamente. Außerdem ist Propolis ein Naturprodukt mit stark variierenden Inhaltsstoffen.
Daher kann man sie wissenschaftlich nicht wie gewünscht in den Griff bekommen. Seit einigen Jahren allerdings erfährt Propolis in Fachkreisen wieder intensive Beachtung. Denn mehr und mehr Patienten reagieren negativ auf Antibiotika, oder sie reagieren gar nicht mehr darauf, weil ihr Körper sich daran gewöhnt hat. Bei ihnen wirken Medikamente auf Propolis-Basis häufig ausgesprochen kraftvoll. Beispielsweise verschreibt eine naturheilkundlich orientierte Frauenärztin in München Propolissalbe zur äußeren Behandlung aller möglicher Arten von Verletzungen und Entzündungen, sogar im weiblichen Intimbereich. Für sie stellt diese Salbe ein außerordentlich wirksames Heilmittel dar, das in jedes Medizinschränkchen gehört.
Über Honig gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Neues zu hören und zu lesen, zum Beispiel unter dem Stichwort Medihoney.
Das ist eine gereinigte Mischung aus zwei australischen und neuseeländischen Honigsorten. Medihoney ist einer der ersten medizinisch zugelassenen Honige, die in Europa, den USA und Australien zur äußeren Versorgung von Wunden in Krankenhäusern verwendet werden darf. Schon immer wurde Honig bekanntlich auch auf der Haut angewandt, bei Verbrennungen, Schnittwunden und so weiter.
Die Universitäts-Kinderklinik in Bonn hat in ihrer Krebsstation beste Erfahrungen damit gemacht. Weil das Immunsystem der kleinen Krebspatienten nicht gut funktioniert, heilen Wunden, die beispielsweise durch das Setzen von Kathetern entstehen, nur schlecht. Seit einigen Jahren behandelt man solche und andere Wunden mit Medihoney-Verbänden. In vielen Fällen wirkt dies innerhalb kürzester Zeit, sogar dann, wenn Antibiotika vorher versagt haben.
Das Besondere am Honig ist, dass er Flüssigkeit aus der Umgebung der Wunde herauszieht und Bakterien einfach vertrocknen lässt. Außerdem stimuliert er die körpereigene Abwehr. So genannte Inhibine, die antibiotisch wirken, und andere Stoffe sorgen dafür, dass sich die Wunden quasi von selbst säubern. Sie reduzieren die Zeit der Heilung auf etwa ein Drittel und verhindern eine Narbenbildung.
Die meisten Patienten und ihre Familien akzeptieren die Therapie mit Medihoney gern, wenn auch manche Eltern zunächst skeptisch sind. Honig – das klingt so süß und harmlos! Die Heilerfolge und die anderen Positiva, zum Beispiel, dass das Wechseln der Honigverbände völlig schmerzfrei abläuft, geben der Vorgehensweise aber Recht.
Leider steht Medihoney nur in Krankenhäusern zur Verfügung. Das heißt, er ist nicht in der Apotheke erhältlich. Pflegedienste und Privatpersonen bekommen ihn nicht. Immerhin aber wird vonseiten der mit Medihoney arbeitenden Mediziner Verständnis dafür gezeigt, dass „im Notfall“ und „in Ländern mit extrem begrenzten medizinischen Ressourcen“ ganz normaler Honig von örtlichen Imkern für die Wundversorgung hergenommen wird. Daraus kann selbstverständlich auch eine Privatperson hier bei uns, die nicht an Medihoney herankommt, bestimmte Schlüsse ziehen...
Apitherapie - Bienenprodukte und ihre Inhaltsstoffe
Außer Honig und Propolis laufen noch Pollen, Wachs, Gelée Royale und Bienengift unter dem Begriff Bienenprodukte. Sie besitzen, jedenfalls wenn sie sauber und mit nichts Schädlichem vermischt sind, ganz enorme Wirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Dabei sind sie ohne Nebenwirkungen und deswegen schonender, zum Teil sogar wirksamer als chemische Keulen.
Der Fachbegriff für die Behandlung von Krankheiten mit Bienenprodukten lautet Apitherapie, von apis, dem lateinischen Wort für Biene. Besonders in Osteuropa hat sie eine lange Tradition. Von dort stammt auch eine Anzahl wissenschaftlicher Untersuchungen zu dem Thema, die allerdings, wie aus gut informierten Kreisen verlautet, nicht alle ganz zuverlässig sind.
Die Bienenerzeugnisse besitzen eine variable Vielfalt der unterschiedlichsten natürlichen Inhaltsstoffe und agieren daher auf verschiedenen Ebenen. Es handelt sich um komplexe Substanzgemische. Die Einzelwirkstoffe und deren genaue Effekte sind noch nicht alle vollständig aufgeklärt. Hier liegt einer der wichtigsten Gründe dafür, dass es immer wieder Schwierigkeiten mit der Zulassung als Arzneimittel gibt und dass durchaus nicht alle Ärzte von Bienenprodukten begeistert sind.
Noch aus einem weiteren Grund bestehen Vorbehalte: Bienenprodukte sind für Fälschungen anfällig. Pollen zum Beispiel, die als Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden, haben eine unregelmäßige Konsistenz und Farbe. Daher werden sie manchmal mit etwas „gestreckt“, das vielleicht nicht unbedingt gesundheitsschädlich ist, aber doch wesentlich kostengünstiger als die raren Pollen selbst.
Ob Pollen irgendwo bei uns am Rand einer Autobahn gesammelt wurden oder weit ab in den Pyrenäen – das hat selbstverständlich ebenfalls Auswirkungen auf ihre Qualität und gesundheitlichen Effekte.
Honig, Nahrung der Götter
Was nun enthält Honig? Dieser von den Bienen aufgenommene, verdickte und immer wieder ausgewürgte Nektar/Blütensaft? Beziehungsweise der von ihnen bearbeitete Honigtau, aus dem sie das machen, was wir Waldhonig nennen? Honigtau, das sind zuckerhaltige Ausscheidungen von Insekten, vor allem von Läusen, die auf Baumblättern oder -nadeln sitzen und sich von deren Säften ernähren.
Allgemein ist Honig ein an Zucker reiches Lebensmittel, das keine Vorverdauung im menschlichen Organismus braucht und daher sofort ins Blut übergeht. Weil es sich um ein so genanntes Kombinationspräparat handelt, ist es für Sportler und Menschen in einem Erschöpfungs- oder Ermüdungszustand wesentlich empfehlenswerter als Traubenzucker.
Weil die Menschen in früheren Zeiten die direkte wundersame Kraftzufuhr durch den Verzehr von Honig schätzten, und weil sie den süßen und vollmundigen Geschmack liebten, nannten sie die goldgelbe Substanz „Nahrung der Götter“.
Es gibt eine große Vielfalt von Sorten, bei denen nicht nur die Frage Nektar oder Honigtau eine Rolle spielt, sondern auch die Pflanzen, die von den Bienen besammelt wurden, die Bodenbeschaffenheit, das Wetter, die Aufbewahrung und so weiter. Unterschiedlich ist auch die gesundheitliche Wirkung. Je nach Erntegebiet, Flora, Jahreszeit und Gewinnungsort enthält Honig bis zu 180 natürliche Substanzen. Pflanzliche Wirkstoffe werden durch die Enzyme aus dem Bienenorganismus in ihrer Wirkkraft vervielfacht, das heißt, sie werden enorm aufgewertet.
Der Hauptbestandteil vom Honig ist Zucker, und zwar Fruchtzucker, Traubenzucker, Malzzucker, Rohrzucker und andere Zuckerarten. Weitere wichtige Inhaltsstoffe sind die Proteide, das bedeutet: mit Stickstoff verbundene Substanzen. Dazu gehören die Aminosäuren, die ernährungsphysiologisch eine große Bedeutung besitzen. Die wirksamsten sind Arginin, Glutaminsäure, Histidin, Lysin und Zystein.
Wer darauf achtet, ob Lebensmittel sauer oder basisch reagieren, sollte wissen: Alle Honige reagieren sauer, dabei stabilisieren sie aber den Säurehaushalt im Körper. Unter anderem enthalten sie Ameisensäure, Buttersäure, Essigsäure und Milchsäure.
Von den Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen gehören zu den wichtigsten: Chlor, Eisen, Kalium, Kalzium, Kupfer, Magnesium, Silizium, Vitamin B1, Vitamin B2, Folsäure und Vitamin C.
Schließlich befinden sich in Honig Spuren von Pollen, außerdem antibiotisch wirkende Stoffe und unterschiedliche Aromen, die für den Geschmack verantwortlich sind.
Viele Inhaltsstoffe reagieren sensibel auf Licht und Wärme. Daher soll man Honiggläser immer dicht verschließen und dunkel aufbewahren. In den Pharaonengräbern fand man auf diese Art verschlossene Töpfe mit Honig. Er war noch immer genießbar. Das hat doch in der Tat etwas Göttliches!
Wegen des hohen Zuckergehalts müssen sich Diabetiker bei Honig vorsehen, ebenso müssen Allergiker testen oder testen lassen, wie sie klar kommen. Menschen, die keinen Fruchtzucker vertragen, müssen leider ganz verzichten. Ebenso Babys bis zu einem Jahr, weil sie Honig noch nicht verdauen können. Äußerlich angewandt vertragen ihn aber sogar schon Frühgeborene. Medihoney wird bei ihnen gern verwendet.
Menschen, die auf ihr Gewicht achten, sollten nicht zu sehr zuschlagen. Schon Hildegard von Bingen riet Menschen mit Gewichtsproblemen von übermäßigem Honiggenuss ab. Sonst aber gibt es keine Beschränkungen.
Damit man sich beim Einkauf auf der sicheren Seite befindet, sollte man auf das bekannte grün-goldene Etikett mit der Aufschrift „Gewähr für Echtheit – Echter Deutscher Honig“ und dem Stempel vom Deutschen Imkerbund achten. Solcher Honig zeichnet sich durch die garantierte Einhaltung strenger Vorschriften aus.
Von Naturheilkundlern wird Honig gegen koronare Durchblutungsstörungen, Entzündungen des Herzmuskels, Bluthochdruck und Schädigungen des Herzens nach einem Infarkt oder einer Infektionskrankheit empfohlen. Auch auf die Leber wirkt sich der regelmäßige Verzehr von Honig positiv aus. Sie ist ja das größte Entgiftungsorgan. Honig unterstützt ihre Funktion besonders nach Narkosen, Antibiotikabehandlungen, Amalgamentfernungen, Pilzvergiftungen und anderen Belastungen. Und er hilft bei der Heilung von Entzündungen der Leber, der Nieren, der Blase und der Bauchspeicheldrüse.
Honig zu lutschen lindert Halsschmerzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten Ärzte mangels anderer Medikamente Honig zum Bepinseln der Nasen- und Rachenschleimhaut und heilten damit sogar Diphteriepatienten.
Ergebnisse einer Honigstudie
Dass Honig „gesund“ ist, belegen mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Studien. Eine davon wurde im Jahr 2006/2007 veröffentlicht, sie heißt „Wie wirkt Honig auf das Immunsystem und die Gesundheit?“ Gefördert wurde das Forschungsprojekt unter anderem von der Europäischen Union und vom Österreichischen Imkerbund. Den Abschlussbericht verfasste Dr. Johann Puttinger, Arzt für Allgemeinmedizin in Uttendorf, Österreich. Die wesentliche Aussage der Studie fasst er so zusammen: Es „... wurde der wissenschaftliche Beweis erbracht, dass Bienenhonig aufgrund seiner wertvollen Inhaltsstoffe zu einer positiven Beeinflussung der Darmflora und des Abwehrsystems im Körper führt und damit der Erhaltung der Gesundheit (im ganzheitlichen Begriff als körperliches und psychisches Wohlbefinden) dient.“ Verkürzt formuliert sind dies die Ergebnisse:
Wenn täglich mindestens 50 Gramm echter, naturbelassener Honig eingenommen wird, zeigt sich:
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Eine deutliche positive Wirkung auf verschiedene Befindlichkeiten wie körperliche Belastbarkeit, Schlafqualität, seelisches Wohlbefinden.
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Eine regulative Wirkung auf Verdauungsstörungen wie chronische Verstopfung.
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Eine Kräftigung des Immunstatus und dadurch eine verminderte Infektanfälligkeit.
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Eine deutliche Absenkung der Belastung mit freien Radikalen.
Es gab keinen negativen Einfluss auf Harnsäure-, Cholesterin- und Triglyceridspiegel. Übergewichtige Probanden akzeptierten Honig als Ersatz für kalorienhaltige Süßigkeiten, was sich positiv auf ihr Gewicht auswirkte. Als besonders wirksam und wertvoll erwies sich Blütenhonig. Eigentlich sollten die Ergebnisse dieser Studie eine Sensationsmeldung in allen Medien hergeben!
Bienen in Gefahr
In den vergangenen Sommern, besonders im Sommer 2008, wurde bekannt, dass aus verschiedenen Gründen zahlreiche Bienenvölker zugrunde gegangen sind.
Tatsächlich ist das Überleben dieser faszinierenden Insekten ernsthaft bedroht, was eine Bedrohung für die gesamte Natur darstellt. Denn durch ihre Funktion als Bestäuberinnen sind die Bienen die wichtigsten Helferinnen zur Aufrechterhaltung der Blütenpflanzen. Auch wir Menschen sind betroffen, denn abgesehen von Honig, Propolis und so weiter: Die Bienen bestäuben und befruchten eine große Anzahl der Pflanzen, die wir für unsere Ernährung und für unser Überleben brauchen.
Es muss auf höchster Ebene eine Menge geschehen, zum Beispiel müssen bestimmte Schädlingsvernichtungsmittel, welche die Bienen nicht vertragen, verboten werden. Aber es ist auch möglich, im kleinen und persönlichen Rahmen etwas zum Schutz der Bienen zu tun. Zum Beispiel kann man im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon kleine „Bienenweiden“ einrichten. Das heißt, man kann darauf achten, dass irgendwo ein Gefäß mit Wasser steht, wo sich die Bienen gern niederlassen. Und man kann Blumen anpflanzen, deren Nektar sie besonders lieben: Rosen, Stockmalven, Lavendel, Melisse...
Eine besonders gute Idee ist auch, beim Imker in der Nachbarschaft oder in der Region einzukaufen und auf diese Weise seine Arbeit zu unterstützen.
So ernst und besorgniserregend die Situation ist, ein Gutes hat sie. Das Interesse an den fleißigen kleinen Nektarsammlerinnen und Bestäuberinnen hat enorm zugenommen. Viele Menschen haben den Wunsch und Vorsatz, sich dafür einzusetzen, dass sie wieder bessere Lebensbedingungen erhalten. Die Chancen, dass das gelingt, stehen nicht schlecht.