Mysterium Meditation
Zahlreiche erstaunliche Ergebnisse haben sie dazu bereits herausgefunden, doch noch immer bleibt vieles rätselhaft. So stießen manche Forscher auf ein sogenanntes „Meditations-Paradox“: Diverse Meditationstechniken gehen offenbar eher mit einer gesteigerten als mit einer ruhigeren Herzaktivität einher, obwohl angesichts der körperlichen Entspannung das Gegenteil zu erwarten wäre. Zumal sich bei Menschen mit langjähriger Meditationserfahrung ein überdurchschnittlich hoher Melatonin-Spiegel feststellen lässt – sie also mehr „Schlafhormon“ produzieren. Interessant ist auch, dass meditative Zustände mancherlei neurologische Ähnlichkeit zum Hypnose-Zustand aufweisen.
Aber damit nicht genug – nicht nur während der Meditation wird Erstaunliches ausgelöst, sondern über die akute Vertiefung in einen meditativen Zustand vollzieht sich manch höchst Interessantes: Nach längerfristiger, regelmäßiger Praxis stellen sich dauerhafte Veränderungen in der Kognition und im emotionalen Empfinden ein.
Menschen mit reicher Meditationserfahrung berichten sogar, dass sie sowohl in Wach- als auch in Schlafphasen wie von selbst in Transzendenzzustände gleiten. Wie sich Langzeitpraxis niederschlagen kann, wurde recht eindrucksvoll in einer Studie über Zen-Buddhisten belegt, die von sich sagten, während ihrer Meditation das „innere Licht“ zu erleben.
Zunächst fand die Untersuchung Hinweise dafür, dass diese von den Zen-Praktizierenden beschriebene Erfahrung bei den Teilnehmern tatsächlich auftrat: Bei der Messung der Gehirnströme durch ein EEG (Elektroenzephalogramm) konnten bei ihnen während des Meditierens sogenannte „Alpha-Blockaden“ nachgewiesen werden, also emotionale Reizzustände (Im Ruhezustand zeigen sich sogenannte „Alphawellen“. Diese weichen, wenn man mit emotionalen Reizen konfrontiert wird.). Dann schloss sich in der Studie aber noch ein zweiter Schritt an: Während einer Meditationsphase wurden den Untersuchungsteilnehmern ohne ihr Wissen Segnungen erteilt.
Genau zum Zeitpunkt dieser Segnungen zeigten die Gehirnströme abermals die besagte Blockade der Alphawellen, d.h. die Meditierenden durchlebten während der Segnung emotionale Reize. Aus der Tatsache, dass die Teilnehmer die Segnungen so deutlich spürten, obwohl sie überhaupt nichts von ihnen wussten, schlossen die Forscher eine gesteigerte Empfänglichkeit und Bereitschaft, die aus den jahrelangen Meditationsübungen erwachsen war.
Sich in Meditation zu üben ist nicht immer leicht. Manchmal erfordert es schon einiges an Disziplin, den Geist zu konzentrieren, vom Gedankenfluss loszulassen und sich ganz und gar nach innen zu richten. Doch es ist ein lohnendes Unterfangen. So gibt es eine Vielzahl von Studien, die auf die positiven Auswirkungen von Meditationspraxis auf die Psyche berichten, von einer besseren Grundstimmung und gesteigertem Selbstvertrauen, von mehr Zuversicht und Lebensfreude.
Ebenso groß ist der Fundus an Studien, die belegen, dass Meditation bei der Stressbewältigung hilft. Und das alles quasi so ganz beiläufig – als wünschenswerter Nebeneffekt auf dem Weg zum eigentlichen Ziel, der yogischen Verschmelzung mit dem Göttlichen, ob man es nun mit den Worten der Zen-Praktizierenden das „innere Licht“ nennt oder was immer für Namen man ihm geben mag.
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