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Meditation und richtiges Handeln

Von Swami Durgananda
Hat die Meditation einen Einfluss auf unser Handeln? Wird man durch regelmäßiges Meditieren zu einem »besseren Menschen«? Viele Menschen stellen sich diese Fragen, bevor sie sich einer regelmäßigen Meditationspraxis unterwerfen. Doch bereits nach wenigen Sitzungen stellen sie selbst fest, wie wichtig dieses Nach-Innen-Lenken für sie wird, wie ruhig sie dem Tag entgegenschauen können und wie sehr sich innere Einstellungen tatsächlich ändern

Wer richtig meditiert, handelt auch richtig. Wer aus dem inneren Meditationsraum heraus Liebe ausstrahlt, handelt richtig, da er nicht mehr dem Hass, der Gier und anderen schlechten Eigenschaften verfällt, die uns ständig umgeben. In der materialistischen Welt will sich jeder bereichern, und daher gibt es viel Gier und Hass. Wer meditiert und sich auf das Eigentliche besinnt, wird bescheiden, liebevoll und frei von Gier. Wer dem Anderen Raum gibt, kann keinen Hass mehr empfinden, weil er an den Anderen denkt. Richtige Handlungen sind somit eine Spiegelung der Meditation. Letztendlich bedeutet Meditation die ausschließliche Besinnung auf Brahman (Gott) und auf Atman (das Höhere Selbst). Doch das sind bereits sehr anspruchsvolle Meditationen. Wir können mit ganz einfachen Dingen beginnen, mit Dingen, die uns Freude machen. Damit können wir uns etwas vom Alltag distanzieren, von unserer gesellschaftlichen Stellung und von anderen Dingen, die uns ständig durch den Sinn gehen.

Geistiger Abstand vom Alltag
So können wir uns zum Beispiel die Erde vorstellen, wie wir sie von den Bildern aus der Raumfahrt kennen. Ihre Farben reflektieren Licht und Dunkelheit und sind voller Leben. Die Wasser bewegen sich und die Kontinente verschieben sich, wir leben auf einer lebendigen Masse. Wir sind Raumfahrer und fahren auf unserem Raumschiff Erde mit Tausenden von Kilometern pro Stunde durch das Weltall. In der Meditation können wir uns vorstellen, wie wir durch die Schwerkraft fest mit den Kontinenten und dem Wasser dieses Planeten verbunden sind. Dadurch erlangt man geistigen Abstand vom Alltag.

Rollenspiel
Denn der Alltag ist es, der uns beschwert und herunterzieht. Wir identifizieren uns mit dem, was wir glauben zu sein. Jeder spielt eine Rolle und jede Rolle ist von Bedeutung. Wir müssen diese Rollen spielen, aber wir sind nicht diese Rollen. Das ist ganz wichtig. Wir sind nicht immer das, was die anderen in uns sehen: Mutter, Vater, Lehrer, Vorgesetzter, Angestellter, Arbeiterin, arbeitslos, reich, arm, männlich, weiblich, Berliner, Deutsche, Franzose, Italienerin, usw. All das sind wir eigentlich nicht.

Die Illusion des Körpers
Wir sind auch nicht unser Körper. In Gedanken können wir einmal den Körper auseinandernehmen. Wir fangen dabei mit der Haut an. Die Haut macht uns schön, und Schönheit ist ganz genau definiert. Die Nase muss einen bestimmten Abstand zum Mund haben, der Mund muss einen bestimmten Abstand zum Kinn haben, die Augen müssen einen bestimmten Abstand zu den Wangen haben. Wenn das alles stimmt, spricht man von einem schönen Gesicht. Aber auch das schönste Gesicht ist nicht mehr schön, wenn die Haut abgezogen wird. Schönheit ist also eine Illusion. Wenn wir alle Muskeln und das Gewebe wegnehmen, dann bleiben nur noch die Knochen, und die sind beileibe nicht schön. Und wenn wir schließlich noch die Knochen wegnehmen, dann ist gar nichts mehr übrig, nur noch etwas Staub. Mittlerweile wissen wir auch, dass wir nicht das Gehirn sind. Aber wer sind wir denn dann? Wir sind anscheinend etwas ganz anderes als das, was die anderen in uns sehen. Im normalen Bewusstseinszustand identifizieren wir uns mit den Dingen, die uns umgeben, und nehmen auch andere Menschen nur als Körper, als Rolle wahr.

Erweiterung des Bewusstseins
Verschiedene Meditationstechniken helfen uns, uns von der Identifizierung mit unseren Rollen zu lösen und unser Bewusstsein zu erweitern. In der Meditation können wir uns zum Beispiel vorstellen, welchen Bezug die Erde zu den anderen Planeten hat. Wir können uns vorstellen, wie wichtig diese Planeten sind; die Sonne zum Beispiel, ohne die wir hier gar nicht leben könnten, oder der Mond, der uns im Gleichgewicht hält. Dann können wir uns bewusst machen, dass es Millionen von Milchstraßen gibt und Millionen solcher Konstellationen, die ebenfalls Leben ermöglichen. Das sprengt und erweitert das Bewusstsein.

Die Spiegelung der eigenen Werte
Musik und Kunst fördert das Nach-Innen-Lenken in der Meditation. Beim Betrachten eines Bildes sieht man oft nicht mehr das Bild selbst, sondern die inneren Werte dieses Bildes als Spiegelung der eigenen Werte im Innern. Deshalb ist es sehr gut, Kunstausstellungen zu besuchen. Auch wer sich ganz der Musik hingeben kann, praktiziert eigentlich Meditation, er verinnerlicht sich. Wie gerne schließt man die Augen, wenn man Musik hört. Nach einiger Zeit hört man nicht mehr mit den Ohren, sondern mit dem Innern, und das können wunderbare Meditationen werden.

In die Stille gehen
Man kann sich auch die Erde als Weltkugel vorstellen – in all ihrer Schönheit, umgeben von der Stille, vom OM, dem Klang des Weltalls. OM besteht jenseits aller Geräusche, die wir auf der Erde von uns geben, jenseits all der Autos, der Flugzeuge usw. Wir machen sehr viel Lärm auf diesem Planeten. Natürlich hören wir das nicht alles, aber unterbewusst nehmen wir es auf, und es hindert uns daran, in die Stille zu gehen. Still werden heißt zunächst, den Körper stillhalten. Man kann sich den Körper, in dem unser Bewusstsein sitzt, auch als ein kleines Haus vorstellen. Dieses Haus hat zwei winzig kleine Fenster, durch die wir hinausschauen; es hat zwei kleine Löcher, mit denen wir hören und ein etwas größeres Loch, durch das wir auftanken – zwei, drei Liter Flüssigkeit am Tag und noch etwas Masse dazu. Dann haben wir andere Öffnungen, durch die wir diese Masse und Flüssigkeit wieder abgeben, und solche, durch die wir uns vermehren. Es gibt also einige Tore in diesem Haus; und die Yogis sagen, wenn man wirklich in die Stille gehen möchte, müssen diese geschlossen werden. Die alten Yogaschriften sagen: Bitte die Tore schließen! Und erst nach der Meditation wieder öffnen.



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