Hindernisse auf dem Yogaweg
Von Anna Trökes
Die Hindernisse auf dem Yogaweg … und ihre Überwindung –
Teil 3: vom Umgang mit den Samskaras und Kleshas sowie deren Auswirkungen – praktische Maßnahmen
Teil 3: vom Umgang mit den Samskaras und Kleshas sowie deren Auswirkungen – praktische Maßnahmen
Wenn wir uns auf den Yogaweg begeben, dann ändert sich unsere Wahrnehmung von dem, was uns im Leben begegnet, und auch davon, wie wir unser Leben führen. Auch wenn wir uns nur mit Asanas und ganz normalen Atemübungen (also nicht den feinsinnigen Pranayamas) beschäftigen, wird unser Körper nach einiger Zeit des Übens empfindsamer werden. Damit wir genau üben können, lehrt man uns, kleine Abweichungen im Alignment wahrzunehmen und aufmerksam zu beobachten, wie sich unser Tun energetisch in unserem Körper, unserem Geist und unserem Gemüt widerspiegelt. Dadurch schulen wir uns kontinuierlich in der Wahrnehmung, was für uns selbst und unsere Umgebung stimmig ist. Und wir bekommen durch die zunehmende Sensibilisierung auf allen Ebenen – und für alle Sinne – immer schneller mit, wann sich Hindernisse aufbauen. Dass etwas in unserem Inneren uns blockiert oder behindert, spüren wir oft einfach als etwas Unstimmiges, Unklares. Bei näherer Nachforschung finden wir dann als Ursache die Ausrichtung unserer Gedanken und Gefühle sowie vor allem immer wieder unsere aus dem Unbewussten heraus wirkenden Muster, die Samskaras (Prägungen) und Kleshas (die tief sitzenden störenden Neigungen). Patanjali beschreibt eine Reihe von Symptomen, an denen wir erkennen können, dass sich unser Geist in Probleme verwickelt hat, die es wieder zu lösen gilt, damit wir erneut ruhig und friedvoll werden und unsere Energie wieder fließen kann. Da ist das Gefühl von Druck oder Enge, das sich in verschiedenen Bereichen unseres Körpers manifestieren kann. Da ist Anspannung oder Niedergeschlagenheit, die sich in unseren Muskeln und/oder Organen erspüren lässt. Da ist das Gefühl von Nervosität, Gereiztheit, Ungeduld oder Besorgnis. Da ist der unruhige Schlaf oder vielleicht sogar Schlaflosigkeit. Was auch immer die Symptome sein mögen, unser Atem wird fein und genau auf jede dieser Stimmungen reagieren, und er wird flacher, stockender oder einfach unregelmäßiger sein.
Was aber können wir denn nun tun, wenn wir merken, dass „etwas nicht mit uns stimmt“? Was schlägt uns der Yoga vor, um mit diesen inneren Hindernissen umzugehen?
Umdenken!
Die erste Strategie, die er uns vorschlägt, ist rein auf der geistigen Ebene angesiedelt. Sie besteht darin, dass wir uns eine ganz besondere Sichtweise zu eigen machen, und zwar:
Es gibt keine Probleme – außer in uns selbst! Wir sind es, die sich selbst diese Probleme bereiten. Deshalb können sie auch nur in uns selbst gelöst werden!
Ein erster Schritt besteht also darin, dass wir uns darüber bewusst werden, auf der Grundlage welches unserer inneren Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster wir uns das Problem erschaffen haben. Dabei hilft uns die Sprache weiter, mit Formulierungen wie: „Damit habe ich ein Problem!“, „Das macht mir Probleme!“ usw. Diese Formulierungen zeigen uns, dass es etwas in uns ist, das einen Sachverhalt als problematisch einordnet. Aus der Sichtweise des Yoga werden wir auf diese Weise in die Lage versetzt, uns mit diesem Sachverhalt – zum Beispiel dem Verhalten eines anderen Menschen – bewusst auseinanderzusetzen. Unsere Lebenserfahrung zeigt uns, dass wir einen anderen Menschen und sein Verhalten nicht ändern können. Das Einzige, worauf wir Einfluss haben, ist die Art und Weise, wie wir dieses Verhalten bewerten und für uns einordnen. Wenn wir also merken, dass sich die oben beschriebenen Symptome zu zeigen beginnen oder dass sie uns sogar anfangen zu bedrängen, dann können wir ausprobieren, mit welchen Gedanken oder mit welchen inneren Einstellungen wir uns selbst Erleichterung verschaffen können. Nehmen wir einmal an, wir meinen, jemand sei schroff und unfreundlich zu uns, und wir fühlen uns dadurch verletzt. Das Gefühl des Verletztseins erschafft das Problem. Wir wissen, dass Fragen, Argumentieren oder schroffes Verhalten unsererseits nichts bringt, denn das haben wir schon tausendmal erfahren. Es kann sich aber für uns einiges ändern, wenn wir uns fragen, warum der andere wohl so handelt. Vielleicht geht es ihm ja nicht gut? Vielleicht ist er angespannt und wird gerade von seinen eigenen Problemen bedrängt und wirkt deswegen nach außen schroff und unfreundlich! Wenn wir so denken, hören wir sofort auf, das Verhalten dieses anderen Menschen auf uns selbst zu beziehen. Wir schauen auf ihn, spüren zu ihm hin und versuchen, uns in ihn einzufühlen. Bereits das hilft, heißt es bei Patanjali. Das Einfühlen, das Mitfühlen, das Verstehen-Wollen – im Yoga Maitri und Karuna genannt – lösen Probleme auf bzw. zeigen uns, dass es eigentlich gar keine Probleme waren, sondern nur Unklarheiten und Reaktionen unseres eigenen Geistes. Ein Verhalten, das von Maitri (Güte), Karuna (Mitgefühl) und Upeksha (Geduld) getragen ist, öffnet, verbindet und lässt die Energie fließen. Es verhilft uns wieder zu einem guten Gefühl. Dadurch kann sich unser Geist beruhigen, und es kann wieder Frieden in uns einkehren.
Auf die Matte!
Das zweite Mittel, das der Yoga uns zur Verfügung stellt, ist ganz schlicht und einfach, uns auf die Matte zu begeben! Es gibt unzählige Asanas, die unsere Aufmerksamkeit dermaßen in Beschlag nehmen, dass wir übend unsere Sorgen, Nöte und mentalen Blockierungen ganz einfach vergessen. Diese Erfahrung machen alle unter uns, die regelmäßig üben, und sicher ist das auch ein Grund, der uns immer wieder motiviert, unsere Yogamatte aufzusuchen. Um unseren Geist zu beruhigen, gibt es günstigere und weniger günstigere Übungsformen.
Besonders geeignet zur Beruhigung des Geistes sind Kundalini-Yoga, alle Yoga-Flows wie z.B. TriYoga-Flow nach Kali Ray, Ashtanga-Yoga (nach Pattabhi Jois) oder Iyengar-Yoga. Die Gehirnforschung hat gezeigt, dass alle über einen längeren Zeitraum – das heißt 15 Minuten und mehr – rhythmisch ausgeführten Bewegungen unser Gehirn einladen, mit diesem Rhythmus zu schwingen. Dadurch werden die Beunruhigungen, die sich in einer Art elektrischem Durcheinander von Hirnströmen (arrousel) repräsentieren, wieder in eine harmonische Bewegung zurückgeführt. Sobald sich unsere Aktionspotenziale im Gehirn wieder „sortiert“ haben, können wir wieder klar denken und Lösungen finden für alles das, was uns beunruhigt hat. Wenn wir uns im Kundalini-Yoga zur Musik über viele Minuten hinweg rhythmisch bewegen, dann können wir diese Verwandlung am eigenen Leibe immer wieder erfahren. Wir können ganz konkret spüren, wie störende, beunruhigende Gefühle wie z.B. Ärger abnehmen und angenehme Gefühle wie innerer Frieden zunehmen. Wenn wir mit den Mitteln des TriYoga oder Ashtanga eintauchen in einen Flow, in dem Rhythmus und Ordnung herrschen, dann wird unser Geist sich dieser Ordnung anpassen. Die Schwingung von Rhythmus und Ordnung legt sich über all die Unruhe, so dass wir nach einer Weile die beunruhigenden Gedanken einfach nicht mehr denken können. Im Iyengar-Yoga üben wir zwar statisch, aber unsere Aufmerksamkeit wird ununterbrochen mit endlosen Details beschäftigt. Es bleibt für unseren Geist schlichtweg kein Platz mehr, seinen Sorgen und Gedankengängen zu folgen, sonst „verliert“ er die Verbindung zur Übungspraxis.
Ähnlich wie wir unseren Depressionen davonlaufen können, können wir uns im Vinyasa von all den vielen Beunruhigungen fortbewegen – und wieder zu Ruhe und Klarheit zurückfinden. Wenn wir dieses Prinzip erst einmal verstanden haben, wird es uns in vielen Lebenssituationen nützen. Und es wird sich immer wieder bewähren. Ganz einfach, weil es der Funktionsweise unseres Gehirns perfekt entspricht!
Atmen!
Das dritte Mittel, um unseren inneren Blockierungen und Behinderungen zu begegnen, ist die bewusste Atmung. In fast allen Quellentexten des Yoga finden wir Hinweise darauf, dass eine ruhige Atemführung unseren Geist in die Ruhe zurückführen wird. Bei Patanjali steht eine solche Atemanleitung direkt bei den Strategien, die er nennt, um mit den mentalen Hindernissen umzugehen, die unserem Geist die Ruhe rauben. Er empfiehlt Atemübungen, die eine Verlängerung und Vertiefung der Ausatmung favorisieren – also eine Art „Luft ablassen“. Die Hatha-Texte dagegen empfehlen zumeist Atempausen – also eher: „Nun halt doch mal die Luft an!“ Der Volksmund vieler Sprachen empfiehlt uns ganz einfach „erst mal tief durchzuatmen“, wenn der Atem stockt oder flach und rau wird. Am besten probiert jeder für sich aus, welche Atemform am günstigen ist, um den Geist wieder in einen klaren, stabilen und handlungsfähigen Zustand zurückzuführen.
Meditieren!
Das vierte Mittel, um unseren Geist innerlich zu entspannen und zu wandeln, ist die Meditation. Sie ist in allen östlichen Kulturen das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, unseren Geist zu klären, denn sie hilft uns, innerlich Abstand zu unseren Problemen zu gewinnen und sie aus einem übergeordneten und gewissermaßen unpersönlichen Sichtwinkel heraus zu betrachten. Wie bei der Asana-Praxis braucht es Einübung, bis unser Geist versteht, was wir von ihm wollen, und er in der Lage ist, sich auf den äußerlich reizarmen Zustand der Meditation einzulassen und sich dafür der inneren Zerstreutheit und Gedankenflut zu stellen.
Deshalb braucht es einige Zeit des beharrlichen und entspannten Übens (abhyasa-vairagya) und vor allem Geduld, bevor die Meditation unseren Geist wirklich zu verändern beginnt. Das ist genau der Grund, warum viele Menschen diese Versuche, in ihrem Inneren für Klarheit und Ruhe zu sorgen, nicht durchstehen. Wenn Sie sich jedoch nicht entmutigen lassen, dann wird gerade die Meditation am sichersten und nachhaltigsten wirken. Denn im Gegensatz zu Asana-Praxis und Atemübungen wird sie nach und nach einige neuronale Netzwerke in unserem Gehirn günstig verändern und auf die Produktion bestimmter stressreduzierender Botenstoffe im Hirn- und Körperstoffwechsel Einfluss nehmen. Dass diese Wirkungen die Früchte einer längeren regelmäßigen Meditationspraxis sind, ist inzwischen vielfach wissenschaftlich erwiesen.
Damit schließt sich der Kreis, denn die Meditation ist damit auch wesentlich geeignet, die ganz zu Beginn erläuterten Wandlungsprozesse in unseren inneren Einstellungen und Haltungen zu unterstützen. Meditation führt uns in innere Zustände, die begünstigen, dass wir über die engen Grenzen unseres Egos hinauswachsen können und uns für neues Denken und neues Verhalten zu öffnen vermögen. Und unter neuen inneren Einstellungen und Haltungen hat sich schon so manches Hindernis irgendwann „in Wohlgefallen aufgelöst“!
Was aber können wir denn nun tun, wenn wir merken, dass „etwas nicht mit uns stimmt“? Was schlägt uns der Yoga vor, um mit diesen inneren Hindernissen umzugehen?
Umdenken!
Die erste Strategie, die er uns vorschlägt, ist rein auf der geistigen Ebene angesiedelt. Sie besteht darin, dass wir uns eine ganz besondere Sichtweise zu eigen machen, und zwar:
Es gibt keine Probleme – außer in uns selbst! Wir sind es, die sich selbst diese Probleme bereiten. Deshalb können sie auch nur in uns selbst gelöst werden!
Ein erster Schritt besteht also darin, dass wir uns darüber bewusst werden, auf der Grundlage welches unserer inneren Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster wir uns das Problem erschaffen haben. Dabei hilft uns die Sprache weiter, mit Formulierungen wie: „Damit habe ich ein Problem!“, „Das macht mir Probleme!“ usw. Diese Formulierungen zeigen uns, dass es etwas in uns ist, das einen Sachverhalt als problematisch einordnet. Aus der Sichtweise des Yoga werden wir auf diese Weise in die Lage versetzt, uns mit diesem Sachverhalt – zum Beispiel dem Verhalten eines anderen Menschen – bewusst auseinanderzusetzen. Unsere Lebenserfahrung zeigt uns, dass wir einen anderen Menschen und sein Verhalten nicht ändern können. Das Einzige, worauf wir Einfluss haben, ist die Art und Weise, wie wir dieses Verhalten bewerten und für uns einordnen. Wenn wir also merken, dass sich die oben beschriebenen Symptome zu zeigen beginnen oder dass sie uns sogar anfangen zu bedrängen, dann können wir ausprobieren, mit welchen Gedanken oder mit welchen inneren Einstellungen wir uns selbst Erleichterung verschaffen können. Nehmen wir einmal an, wir meinen, jemand sei schroff und unfreundlich zu uns, und wir fühlen uns dadurch verletzt. Das Gefühl des Verletztseins erschafft das Problem. Wir wissen, dass Fragen, Argumentieren oder schroffes Verhalten unsererseits nichts bringt, denn das haben wir schon tausendmal erfahren. Es kann sich aber für uns einiges ändern, wenn wir uns fragen, warum der andere wohl so handelt. Vielleicht geht es ihm ja nicht gut? Vielleicht ist er angespannt und wird gerade von seinen eigenen Problemen bedrängt und wirkt deswegen nach außen schroff und unfreundlich! Wenn wir so denken, hören wir sofort auf, das Verhalten dieses anderen Menschen auf uns selbst zu beziehen. Wir schauen auf ihn, spüren zu ihm hin und versuchen, uns in ihn einzufühlen. Bereits das hilft, heißt es bei Patanjali. Das Einfühlen, das Mitfühlen, das Verstehen-Wollen – im Yoga Maitri und Karuna genannt – lösen Probleme auf bzw. zeigen uns, dass es eigentlich gar keine Probleme waren, sondern nur Unklarheiten und Reaktionen unseres eigenen Geistes. Ein Verhalten, das von Maitri (Güte), Karuna (Mitgefühl) und Upeksha (Geduld) getragen ist, öffnet, verbindet und lässt die Energie fließen. Es verhilft uns wieder zu einem guten Gefühl. Dadurch kann sich unser Geist beruhigen, und es kann wieder Frieden in uns einkehren.
Auf die Matte!
Das zweite Mittel, das der Yoga uns zur Verfügung stellt, ist ganz schlicht und einfach, uns auf die Matte zu begeben! Es gibt unzählige Asanas, die unsere Aufmerksamkeit dermaßen in Beschlag nehmen, dass wir übend unsere Sorgen, Nöte und mentalen Blockierungen ganz einfach vergessen. Diese Erfahrung machen alle unter uns, die regelmäßig üben, und sicher ist das auch ein Grund, der uns immer wieder motiviert, unsere Yogamatte aufzusuchen. Um unseren Geist zu beruhigen, gibt es günstigere und weniger günstigere Übungsformen.
Besonders geeignet zur Beruhigung des Geistes sind Kundalini-Yoga, alle Yoga-Flows wie z.B. TriYoga-Flow nach Kali Ray, Ashtanga-Yoga (nach Pattabhi Jois) oder Iyengar-Yoga. Die Gehirnforschung hat gezeigt, dass alle über einen längeren Zeitraum – das heißt 15 Minuten und mehr – rhythmisch ausgeführten Bewegungen unser Gehirn einladen, mit diesem Rhythmus zu schwingen. Dadurch werden die Beunruhigungen, die sich in einer Art elektrischem Durcheinander von Hirnströmen (arrousel) repräsentieren, wieder in eine harmonische Bewegung zurückgeführt. Sobald sich unsere Aktionspotenziale im Gehirn wieder „sortiert“ haben, können wir wieder klar denken und Lösungen finden für alles das, was uns beunruhigt hat. Wenn wir uns im Kundalini-Yoga zur Musik über viele Minuten hinweg rhythmisch bewegen, dann können wir diese Verwandlung am eigenen Leibe immer wieder erfahren. Wir können ganz konkret spüren, wie störende, beunruhigende Gefühle wie z.B. Ärger abnehmen und angenehme Gefühle wie innerer Frieden zunehmen. Wenn wir mit den Mitteln des TriYoga oder Ashtanga eintauchen in einen Flow, in dem Rhythmus und Ordnung herrschen, dann wird unser Geist sich dieser Ordnung anpassen. Die Schwingung von Rhythmus und Ordnung legt sich über all die Unruhe, so dass wir nach einer Weile die beunruhigenden Gedanken einfach nicht mehr denken können. Im Iyengar-Yoga üben wir zwar statisch, aber unsere Aufmerksamkeit wird ununterbrochen mit endlosen Details beschäftigt. Es bleibt für unseren Geist schlichtweg kein Platz mehr, seinen Sorgen und Gedankengängen zu folgen, sonst „verliert“ er die Verbindung zur Übungspraxis.
Ähnlich wie wir unseren Depressionen davonlaufen können, können wir uns im Vinyasa von all den vielen Beunruhigungen fortbewegen – und wieder zu Ruhe und Klarheit zurückfinden. Wenn wir dieses Prinzip erst einmal verstanden haben, wird es uns in vielen Lebenssituationen nützen. Und es wird sich immer wieder bewähren. Ganz einfach, weil es der Funktionsweise unseres Gehirns perfekt entspricht!
Atmen!
Das dritte Mittel, um unseren inneren Blockierungen und Behinderungen zu begegnen, ist die bewusste Atmung. In fast allen Quellentexten des Yoga finden wir Hinweise darauf, dass eine ruhige Atemführung unseren Geist in die Ruhe zurückführen wird. Bei Patanjali steht eine solche Atemanleitung direkt bei den Strategien, die er nennt, um mit den mentalen Hindernissen umzugehen, die unserem Geist die Ruhe rauben. Er empfiehlt Atemübungen, die eine Verlängerung und Vertiefung der Ausatmung favorisieren – also eine Art „Luft ablassen“. Die Hatha-Texte dagegen empfehlen zumeist Atempausen – also eher: „Nun halt doch mal die Luft an!“ Der Volksmund vieler Sprachen empfiehlt uns ganz einfach „erst mal tief durchzuatmen“, wenn der Atem stockt oder flach und rau wird. Am besten probiert jeder für sich aus, welche Atemform am günstigen ist, um den Geist wieder in einen klaren, stabilen und handlungsfähigen Zustand zurückzuführen.
Meditieren!
Das vierte Mittel, um unseren Geist innerlich zu entspannen und zu wandeln, ist die Meditation. Sie ist in allen östlichen Kulturen das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, unseren Geist zu klären, denn sie hilft uns, innerlich Abstand zu unseren Problemen zu gewinnen und sie aus einem übergeordneten und gewissermaßen unpersönlichen Sichtwinkel heraus zu betrachten. Wie bei der Asana-Praxis braucht es Einübung, bis unser Geist versteht, was wir von ihm wollen, und er in der Lage ist, sich auf den äußerlich reizarmen Zustand der Meditation einzulassen und sich dafür der inneren Zerstreutheit und Gedankenflut zu stellen.
Deshalb braucht es einige Zeit des beharrlichen und entspannten Übens (abhyasa-vairagya) und vor allem Geduld, bevor die Meditation unseren Geist wirklich zu verändern beginnt. Das ist genau der Grund, warum viele Menschen diese Versuche, in ihrem Inneren für Klarheit und Ruhe zu sorgen, nicht durchstehen. Wenn Sie sich jedoch nicht entmutigen lassen, dann wird gerade die Meditation am sichersten und nachhaltigsten wirken. Denn im Gegensatz zu Asana-Praxis und Atemübungen wird sie nach und nach einige neuronale Netzwerke in unserem Gehirn günstig verändern und auf die Produktion bestimmter stressreduzierender Botenstoffe im Hirn- und Körperstoffwechsel Einfluss nehmen. Dass diese Wirkungen die Früchte einer längeren regelmäßigen Meditationspraxis sind, ist inzwischen vielfach wissenschaftlich erwiesen.
Damit schließt sich der Kreis, denn die Meditation ist damit auch wesentlich geeignet, die ganz zu Beginn erläuterten Wandlungsprozesse in unseren inneren Einstellungen und Haltungen zu unterstützen. Meditation führt uns in innere Zustände, die begünstigen, dass wir über die engen Grenzen unseres Egos hinauswachsen können und uns für neues Denken und neues Verhalten zu öffnen vermögen. Und unter neuen inneren Einstellungen und Haltungen hat sich schon so manches Hindernis irgendwann „in Wohlgefallen aufgelöst“!
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Rubrik:
Körper & Geist



