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Integrative Medizin & Yoga

Von Mathias Tietke
Integrative Medizin & Yoga © Bild:thinkstock/iStockphoto
„Es sollte selbstverständlich sein, dass ein Arzt seinen Patienten Yoga empfiehlt“, findet Prof. Dr. med. Gustav Dobos, Leiter der Abteilung „Naturheilkunde und Integrative Medizin“ an den Kliniken Essen-Mitte, Inhaber des europaweit einzigen Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin und erfolgreicher Buchautor
Dass Yoga sich auch als Therapie eignet und gerade im Bereich chronischer Krankheiten erfolgreich angewendet wird, ist seit langem bekannt. Yoga als systematische Behandlungsmethode in einer deutschen Klinik ist dagegen relativ neu. Die von Prof. Dr. med. Dobos geleitete Abteilung „Naturheilkunde und Integrative Medizin“ an den Kliniken Essen-Mitte ist auch in diesem Punkt Vorreiterin einer sinnvollen Entwicklung. YOGA AKTUELL sprach mit dem Klinikleiter, der an der Universität Duisburg-Essen den europaweit einzigen Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin innehat und selbst regelmäßig Yoga praktiziert.

YOGA AKTUELL: Im Yoga gibt es zwei Ansätze: Der eine wird als Weg der Katze bezeichnet, das ist ein Weg, der von Passivität und Hingabe an eine Autorität geprägt ist. Der andere ist der Weg des Affen, der von Aktivität geprägt ist. Mein Eindruck ist, dass sich die Integrative Medizin als Weg beschreiben lässt, bei dem das Tun des Patienten erwartet wird. Wie würden Sie das Verhältnis von Schul- und Komplementärmedizin beschreiben und wie den Wert des eigenen aktiven Handelns?

Prof. Dr. med. Gustav Dobos: Eines unserer Hauptziele ist es, die Patienten in die Aktivität zu bringen. Eine Patientin hat ihre Ausgangs-Situation so beschrieben: „Ich fühle mich wie jemand, der aufs Meer hinaus getrieben wird und vergessen hat, dass man eigentlich zurückschwimmen kann.“ Wir wollen den Patienten, die häufig verzweifelt und chronisch krank sind, das Bewusstsein vermitteln, dass sie selbst sehr viel tun können. Zum Beispiel mit Yoga, einem wichtigen Weg für die Patienten. In unserer Klinik haben wir drei Yogalehrer, die aktiv mit Patienten arbeiten. Und wir integrieren auch sehr häufig Yogaelemente in die Therapien. Dies geschieht indikationsspezifisch.
 
Wir haben verschiedene Yogastudien durchgeführt, hauptsächlich bei Frauen. Ursprünglich hatten wir vor, Studien mit Frauen und Männern durchzuführen. Dafür haben wir per Zeitungsannonce gestresste junge Frauen und Männer gesucht. Es meldeten sich 100 Interessenten: 99 Frauen und ein Mann. Also haben wir die Studie ausschließlich mit Frauen machen müssen. Bei Männern versuche ich immer, für Yoga zu werben, und erzähle stets, dass Yoga in Indien auch ein Pfad der Entspannung für Krieger und Soldaten war und dass Yoga nachweislich eine angstlösende, antidepressive Wirkung hat und stark macht. Bei uns hat es sich bei Männern noch nicht so durchgesetzt.

Dabei richten sich Asanas wie der Held oder die Kriegerhaltung gerade an das Männliche nach dem traditionellen Rollenverständnis und es geht in solchen Haltungen explizit um Standhaftigkeit, Entschlossenheit und einen starken Willen. Zu welchen Erkenntnissen sind Sie durch die Studien gelangt?
 
Die Studie, die wir durchgeführt haben mit Frauen, hat nach drei Monaten Yoga gezeigt, dass zwei Mal anderthalb Stunden pro Woche Yogaübungen dazu führen, dass die Frauen deutlich weniger ängstlich sind, und zwar hoch signifikant. Dann haben wir nochmals eine Anzeige in der Zeitung geschaltet, dass wir junge gestresste Frauen suchen. Da haben sich 400 Frauen in drei Tagen gemeldet und so haben wir eine zweite Studie gemacht. Interessanterweise zeigte sich, dass es schon ausreicht, einmal pro Woche für anderthalb Stunden Yoga zu machen, damit sich tatsächlich etwas tut. Es gab eine andere umfangreiche Studie mit Rückenschmerzpatienten, da haben die Teilnehmer einen Tag in der Woche in der Gruppe Yoga praktiziert und sonst allein jeden Tag eine halbe Stunde. In dieser Studie war Yoga die wirksamste Therapie bei chronischen Rückenschmerzen.


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