Aus der Praxis: Yoga mit Gästen
Von Doris Iding
Claudia Müller-Ostenried leitet Yoga-Retreats im Hotel Kranzbach in Oberbayern. YOGA AKTUELL sprach mit ihr über die Besonderheiten der Yogalehrer-Tätigkeit in einem Hotel
Viele Wellness-Hotels bieten inzwischen Yoga an. Ob als regelmäßiges Programm im Fitness-Bereich oder im Rahmen von Yogawochen und ReÂtreats – Yoga hat in der Hotel-Branche seinen festen Platz gefunden. Auch manch ein Yogalehrer wünscht sich, seinen Platz in einem schönen Resort zu finden und dieses neue Betätigungsfeld für sich zu erschließen.
Claudia Müller-Ostenried ist ausgebildete Anusara-Inspiredâ„¢-Yogalehrerin und kombiniert die traditionellen Techniken des Hatha-Yoga mit den modernen Erkenntnissen der Biomechanik und BioÂenergetik. Sie unterrichtet regelmäßig Workshops im Resort „Das Kranzbach“ in der Nähe von Garmisch-Patenkirchen. YOGA AKTUELL wollte genauer von ihr wissen, wie sich der Unterricht in einem Hotel von dem im Studio unterscheidet und welche Tipps sie anderen Yogalehrern geben kann, die an einem Engagement in diesem Bereich Interesse haben.
YOGA AKTUELL: Was hat Sie dazu bewegt, Yoga im Hotel Kranzbach anzubieten?
Claudia Müller-Ostenried: Ein Freund und mein Mann hatten das Hotel Kranzbach während einer Motorradtour entdeckt und mir davon erzählt. Kurze Zeit später unternahm ich dann einen Ausflug zum Hotel Kranzbach, um es mir selbst anzusehen. Vom ersten Moment an war ich fasziniert von der Lage und dem außergewöhnlichen Stil des Hotels. Yoga in den Bergen inmitten der Natur in einem wunderschönen, außergewöhnlichen Hotel ... So entstand spontan die Idee, dort Yoga zu unterrichten!
Yoga in Hotels wird nachgesagt, dass der Unterricht qualitativ nicht sonderlich gut ist. Ist dieser Vorwurf Ihrer Meinung nach gerechtfertigt?
Das kommt darauf an, wie sehr sich das Hotel bzw. die Hotelleitung mit dem Thema Yoga auseinandersetzt, sich damit identifiziert und das Thema Yoga im Dialog zum Gast hin lebt und umsetzt. Ein wichtiger Punkt hier ist natürlich eine fundierte Ausbildung und eine entsprechende, mehrjährige hauptberufliche Unterrichtserfahrung, sprich keine anderen beruflichen Tätigkeiten nebenher bei den im Hotel eingesetzten Yogalehrern. Eine ernst zu nehmende Yogalehrerausbildung dauert mehrere Jahre und unterscheidet sich sehr von den mittlerweile ebenfalls existierenden Wochenend-Fitness-Yogalehrerausbildungen.
Was können und sollten Besucher von einem Yogalehrer in einem Hotel erwarten?
Neben einer fundierten Ausbildung sollte der Yogalehrer eine hohe Verantwortung gegenüber den Teilnehmern/Gästen übernehmen, und ein fundierter Yogaunterricht unterscheidet sich sehr vom gängigen Fitnessangebot und den dortigen Ausbildungsstandards.
Ist es für Sie als Yogalehrerin nicht manchmal frustrierend, wenn die Teilnehmer nur ein- bis zweimal während eines Urlaubs in Ihren Unterricht kommen?
Dies ist bei mir nicht der Fall, da die Teilnehmer mehrtägige Workshops (zwei, drei oder fünf Tage) belegen und ich mehrmals täglich mit ihnen arbeite. Außerdem setzen viele den Unterricht bei mir nach ihrem Aufenthalt fort und arbeiten dann einzeln oder in kleinen Gruppen im Raum München mit mir weiter.
Was ist die besondere Herausforderung an Ihrer Arbeit im Hotel Kranzbach, in dem Sie ja mit sehr vielen Yogawochenenden vertreten sind?
Faszinierend und gleichzeitig herausfordernd ist es, dass ich bei jedem neuen Workshop auch mit vielen neuen Teilnehmern zu tun habe. Natürlich nehmen auch immer wieder und immer mehr (lacht) Teilnehmer zum wiederholten Male teil. Herauszufinden, was das für Menschen sind, welche Bedürfnisse sie haben und wie ich sie durch Yoga erreichen kann, das ist Freude und Faszination pur. Viele Teilnehmer kommen beim ersten Mal zu mir in einen Workshop, um Zugang zum Yoga zu bekommen, da sie schon viel Gutes über Yoga gehört haben und neugierig sind. Dann gibt es Teilnehmer, die früher schon Yoga gemacht haben und wieder damit beginnen möchten. Zudem sind Teilnehmer dabei, die schwerwiegende gesundheitliche Probleme haben (Stress, Burnout, Schlafprobleme, Nackenverspannungen, Rückenprobleme) und diese mit Yoga beseitigen wollen. Das Hauptziel meiner Arbeit in den Workshops ist, Menschen für Yoga zu begeistern, es zu schaffen, dass der Funke während des Workshops auf sie überspringt. Die größte Freude für mich ist es, zu sehen, wie doch in wenigen Tagen ein hohes Maß an Entspannung und Gelassenheit bei den Teilnehmern erreicht werden kann, und wenn ich dann nach einiger Zeit Feedback bekomme, dass Yoga fester Bestandteil ihres Alltags geworden ist.
Wo hat ein Yogalehrer Ihrer Meinung nach manchmal zu hohe Erwartungen an die Teilnehmer in einem Wellnesshotel?
Ich kann nicht für andere Yogalehrer sprechen, nur für mich selbst. Ich habe keinerlei Erwartungen an meine
Teilnehmer. Die Tatsache, dass sie sich für einen Workshop anmelden, zeigt doch, dass ein starkes Interesse an Yoga vorhanden ist. Meine Aufgabe ist es, den Teilnehmer dort abzuholen, wo er gerade steht, und ihm den passenden Yoga individuell für ihn zu vermitteln.
Können Sie anderen Yogalehrern, die in Hotels arbeiten oder dort arbeiten möchten, einen Tipp hinsichtlich der Gestaltung des Unterrichts geben?
Es ist wichtig, die Bedürfnisse der Teilnehmer zu erfragen und dann im Unterricht darauf so weit wie möglich einzugehen. Des weiteren ist es sehr wichtig, als Yogalehrer authentisch zu sein und zu bleiben, d.h. nur das zu unterrichten, was auch selbst praktiziert und gelebt wird.
Wie sollte der ideale Aufbau einer YogaÂstunde in einem Hotel sein, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ja immer wieder neue Teilnehmer dabei sind?
Das kommt ganz auf die individuelle Situation, die Bedürfnisse und Erwartungen der Teilnehmer an den Workshop an. Diese werden in einer Vorstellungsrunde am Beginn des Workshops abgefragt. Natürlich bleibt bei mir der Grundaufbau einer klassischen Anusara-Hatha-Yogastunde mit den Hauptschwerpunkten erhalten, wird jedoch dann an die aktuellen Teilnehmer angepasst, wobei Leistungslevel, Charaktere der Teilnehmer, aktuelle Stimmung und Energie im Raum berücksichtigt werden sollten.
Ist das nicht ein Widerspruch – Yoga und ein Hotel? Ein Fünf-Gänge-Essen am Abend und Yoga am nächsten Morgen? Wie kann man den Spagat gut überbrücken?
Yoga muss keine asketische Kasteiung sein. Die Bedürfnisse der Menschen in der westlichen Welt werden in meinem Unterrichtsangebot entsprechend berücksichtigt. Yoga und das Leben genießen (z.B. in Form eines 5-Gänge-Menüs) muss kein Widerspruch sein. Das Essensangebot im Hotel Kranzbach ist leicht und bekömmlich und nicht belastend. Am darauf folgenden Morgen wird Yoga nüchtern praktiziert, und jeder kann sich danach mit einem ausgiebigen, vollwertigen und gesunden Frühstück belohnen.
Vielen Dank für das Interview!
Claudia Müller-Ostenried ist ausgebildete Anusara-Inspiredâ„¢-Yogalehrerin und kombiniert die traditionellen Techniken des Hatha-Yoga mit den modernen Erkenntnissen der Biomechanik und BioÂenergetik. Sie unterrichtet regelmäßig Workshops im Resort „Das Kranzbach“ in der Nähe von Garmisch-Patenkirchen. YOGA AKTUELL wollte genauer von ihr wissen, wie sich der Unterricht in einem Hotel von dem im Studio unterscheidet und welche Tipps sie anderen Yogalehrern geben kann, die an einem Engagement in diesem Bereich Interesse haben.
YOGA AKTUELL: Was hat Sie dazu bewegt, Yoga im Hotel Kranzbach anzubieten?
Claudia Müller-Ostenried: Ein Freund und mein Mann hatten das Hotel Kranzbach während einer Motorradtour entdeckt und mir davon erzählt. Kurze Zeit später unternahm ich dann einen Ausflug zum Hotel Kranzbach, um es mir selbst anzusehen. Vom ersten Moment an war ich fasziniert von der Lage und dem außergewöhnlichen Stil des Hotels. Yoga in den Bergen inmitten der Natur in einem wunderschönen, außergewöhnlichen Hotel ... So entstand spontan die Idee, dort Yoga zu unterrichten!
Yoga in Hotels wird nachgesagt, dass der Unterricht qualitativ nicht sonderlich gut ist. Ist dieser Vorwurf Ihrer Meinung nach gerechtfertigt?
Das kommt darauf an, wie sehr sich das Hotel bzw. die Hotelleitung mit dem Thema Yoga auseinandersetzt, sich damit identifiziert und das Thema Yoga im Dialog zum Gast hin lebt und umsetzt. Ein wichtiger Punkt hier ist natürlich eine fundierte Ausbildung und eine entsprechende, mehrjährige hauptberufliche Unterrichtserfahrung, sprich keine anderen beruflichen Tätigkeiten nebenher bei den im Hotel eingesetzten Yogalehrern. Eine ernst zu nehmende Yogalehrerausbildung dauert mehrere Jahre und unterscheidet sich sehr von den mittlerweile ebenfalls existierenden Wochenend-Fitness-Yogalehrerausbildungen.
Was können und sollten Besucher von einem Yogalehrer in einem Hotel erwarten?
Neben einer fundierten Ausbildung sollte der Yogalehrer eine hohe Verantwortung gegenüber den Teilnehmern/Gästen übernehmen, und ein fundierter Yogaunterricht unterscheidet sich sehr vom gängigen Fitnessangebot und den dortigen Ausbildungsstandards.
Ist es für Sie als Yogalehrerin nicht manchmal frustrierend, wenn die Teilnehmer nur ein- bis zweimal während eines Urlaubs in Ihren Unterricht kommen?
Dies ist bei mir nicht der Fall, da die Teilnehmer mehrtägige Workshops (zwei, drei oder fünf Tage) belegen und ich mehrmals täglich mit ihnen arbeite. Außerdem setzen viele den Unterricht bei mir nach ihrem Aufenthalt fort und arbeiten dann einzeln oder in kleinen Gruppen im Raum München mit mir weiter.
Was ist die besondere Herausforderung an Ihrer Arbeit im Hotel Kranzbach, in dem Sie ja mit sehr vielen Yogawochenenden vertreten sind?
Faszinierend und gleichzeitig herausfordernd ist es, dass ich bei jedem neuen Workshop auch mit vielen neuen Teilnehmern zu tun habe. Natürlich nehmen auch immer wieder und immer mehr (lacht) Teilnehmer zum wiederholten Male teil. Herauszufinden, was das für Menschen sind, welche Bedürfnisse sie haben und wie ich sie durch Yoga erreichen kann, das ist Freude und Faszination pur. Viele Teilnehmer kommen beim ersten Mal zu mir in einen Workshop, um Zugang zum Yoga zu bekommen, da sie schon viel Gutes über Yoga gehört haben und neugierig sind. Dann gibt es Teilnehmer, die früher schon Yoga gemacht haben und wieder damit beginnen möchten. Zudem sind Teilnehmer dabei, die schwerwiegende gesundheitliche Probleme haben (Stress, Burnout, Schlafprobleme, Nackenverspannungen, Rückenprobleme) und diese mit Yoga beseitigen wollen. Das Hauptziel meiner Arbeit in den Workshops ist, Menschen für Yoga zu begeistern, es zu schaffen, dass der Funke während des Workshops auf sie überspringt. Die größte Freude für mich ist es, zu sehen, wie doch in wenigen Tagen ein hohes Maß an Entspannung und Gelassenheit bei den Teilnehmern erreicht werden kann, und wenn ich dann nach einiger Zeit Feedback bekomme, dass Yoga fester Bestandteil ihres Alltags geworden ist.
Wo hat ein Yogalehrer Ihrer Meinung nach manchmal zu hohe Erwartungen an die Teilnehmer in einem Wellnesshotel?
Ich kann nicht für andere Yogalehrer sprechen, nur für mich selbst. Ich habe keinerlei Erwartungen an meine
Teilnehmer. Die Tatsache, dass sie sich für einen Workshop anmelden, zeigt doch, dass ein starkes Interesse an Yoga vorhanden ist. Meine Aufgabe ist es, den Teilnehmer dort abzuholen, wo er gerade steht, und ihm den passenden Yoga individuell für ihn zu vermitteln.
Können Sie anderen Yogalehrern, die in Hotels arbeiten oder dort arbeiten möchten, einen Tipp hinsichtlich der Gestaltung des Unterrichts geben?
Es ist wichtig, die Bedürfnisse der Teilnehmer zu erfragen und dann im Unterricht darauf so weit wie möglich einzugehen. Des weiteren ist es sehr wichtig, als Yogalehrer authentisch zu sein und zu bleiben, d.h. nur das zu unterrichten, was auch selbst praktiziert und gelebt wird.
Wie sollte der ideale Aufbau einer YogaÂstunde in einem Hotel sein, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ja immer wieder neue Teilnehmer dabei sind?
Das kommt ganz auf die individuelle Situation, die Bedürfnisse und Erwartungen der Teilnehmer an den Workshop an. Diese werden in einer Vorstellungsrunde am Beginn des Workshops abgefragt. Natürlich bleibt bei mir der Grundaufbau einer klassischen Anusara-Hatha-Yogastunde mit den Hauptschwerpunkten erhalten, wird jedoch dann an die aktuellen Teilnehmer angepasst, wobei Leistungslevel, Charaktere der Teilnehmer, aktuelle Stimmung und Energie im Raum berücksichtigt werden sollten.
Ist das nicht ein Widerspruch – Yoga und ein Hotel? Ein Fünf-Gänge-Essen am Abend und Yoga am nächsten Morgen? Wie kann man den Spagat gut überbrücken?
Yoga muss keine asketische Kasteiung sein. Die Bedürfnisse der Menschen in der westlichen Welt werden in meinem Unterrichtsangebot entsprechend berücksichtigt. Yoga und das Leben genießen (z.B. in Form eines 5-Gänge-Menüs) muss kein Widerspruch sein. Das Essensangebot im Hotel Kranzbach ist leicht und bekömmlich und nicht belastend. Am darauf folgenden Morgen wird Yoga nüchtern praktiziert, und jeder kann sich danach mit einem ausgiebigen, vollwertigen und gesunden Frühstück belohnen.
Vielen Dank für das Interview!
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