Home Dossier Finanzkrise & Angst Krisensicheres Bewusstsein

Krisensicheres Bewusstsein

Von Thomas Hübl
In guten wie in schlechten Zeiten: Über eine nachhaltige spirituelle Praxis als Grundlage einer kollektiven Evolution, die aus der weltweiten Krise herausführen kann
Wir bewegen uns in Zeiten großer Umbrüche. Das Massenbewusstsein des Planeten wird geschüttelt und auf die Probe gestellt. In Zeiten einer Finanzkrise, einer globalen Erwärmung, einer starken Umweltbelastung sieht sich das Bewusstsein einer großen Herausforderung gegenüber. Krisen können bekanntlich große Chancen zu einer nachhaltigen Veränderung sein, aber auch Auslöser einer Regression im Bewusstseinsschwerpunkt eines Kollektivs. Beide Möglichkeiten stehen uns offen. Eine nachhaltige spirituelle Praxis verhilft uns sowohl in den sonnigen wie auch den stürmischen Zeiten zu einer stabilen Präsenz in unserem Erleben. Eine Praxis, die uns durch die angenehmen wie auch die unangenehmen Erfahrungen begleitet und eine tiefere Anbindung schafft, aus der eine stabile, wache Kultur entsteht.

In Zeiten von Krisen tendieren wir dazu, uns auf vorangegangene Bewusstseinsebenen zurückzuziehen: wir regredieren. Von einer freien Marktwirtschaft kehren wir zurück zu einer Ebene, auf der wir mehr Regeln, Gesetze und Regulierungen brauchen, da wir es offensichtlich in der Freiheit nicht geschafft haben, die Gier nach mehr, vor allem mehr Geld, bewusst zu transzendieren. Somit wird die Krise im besten Fall mehr Regulierung bringen. Wenn wir jedoch weiter in die Regression verfallen, kann es womöglich zu Revolten, Auseinandersetzungen, stark auf Überleben ausgerichtetem Verhalten mit Gewalttaten kommen.

Unsere Verantwortung als erwachende Spezies jedoch ist es, selbst während einer Krise im Außen ein Leben zu führen, das diese Regression durch Wachheit, Präsenz und Mitgefühl, sprich durch eine starke spirituelle Praxis, verhindert. Dies kann über den Niedergang oder das Bestehen einer Zivilisation bestimmen. Denn nimmt die äußere Krise zu, wird häufig die existenzielle Bedrohung so groß, dass wir beginnen, aus der Angst heraus zu handeln, zu reagieren. Dies wird sich in unserem Zusammenleben auswirken. Somit nehmen wir die Krise nicht mehr als Herausforderung des Lebens nach einer kreativen Veränderung, sondern gehen in eine destruktive Form des Miteinanders.

Auf jeder Stufe der Entwicklung sehen wir die Welt durch die Werte und Interpretationen dieser Stufe. Wir können sagen, wir leben in einer Welt, die durch unsere Evolutionsstufe geprägt ist. In Zeiten, in denen die Existenz gesichert ist, können wir uns leichter der Philosophie und der spirituellen Entfaltung hingeben. Sind wir jedoch von unserem Überleben getrieben, wird dafür nicht so viel Raum und Zeit sein. Sinken viele Menschen in reaktive Verhaltensmuster, dann schaffen wir damit auch eine Kultur, die dies widerspiegelt. Die Schattenanteile unseres Selbst werden verstärkt auf der Lebensbühne erscheinen und es kann sogar passieren, dass Menschen, wie dies z.B. im Dritten Reich der Fall war, diese unbewussten, kollektiven Strömungen dazu benutzen, große Gruppen von Menschen über Angst und Sorge zu synchronisieren und somit eine Basis für ungesunde Massenbewegungen schaffen. Menschen in Angst sind immer leichter zu manipulieren.

Gerade in Zeiten der Krise brauchen wir eine spirituelle Praxis, die uns hilft, diese Regression im Bewusstsein abzufedern und eine präsente Lebensweise sowie eine Transzendenz des Überlebenstriebs zu fördern. Unsere dadurch verstärkte innere Anbindung und Intuition werden uns durch Krisenzeiten führen und uns erlauben, Entscheidungen nicht aus Angst, sondern aus der Integrität unseres Selbst heraus zu treffen. Gott wird nicht vergessen, wenn der Lärm der Welt lauter wird. Wir bleiben immer noch verbunden, treffen immer noch Entscheidungen aus unserem Kern heraus.

Ich will eine spirituelle Praxis beleuchten, die diese integrierte Form von Wachheit und Präsenz in uns stärkt und uns zu Kraftzentren im Netz des Lebens werden lässt. Denn in Krisenzeiten brauchen wir Menschen, die nicht in die Identifikation ihres Egos fallen, sondern auch bei Stress wach und im Kontakt bleiben. Befinden sich genügend Menschen in einem derartigen Bewusstseinszustand, können sie eine enorme Stabilisierung in dem kollektiven Feld darstellen. Dies führt dazu, dass wachere Entscheidungen getroffen werden, dass wir einen mitfühlenden Respekt für unsere Mitmenschen aufrechterhalten können, dass wir immer noch - über unseren eigenen Lebensradius hinaus - das Ganze im Blick haben. Regression hat immer mit einer Verengung des bewussten Lebensradius zu tun. Wie reagieren Tiere, wenn sie existenziell bedroht werden? Mit Flucht, Angriff oder Erstarrung. Diese Reaktionen geschehen primär auch in uns Menschen. Leben wir in Wachheit und Präsenz, können wir diese Reaktionsweisen transzendieren und von einer übergeordneten Ebene aus handeln. Wir stabilisieren damit den kollektiven Schwerpunkt des Bewusstseins. Dies ist essenziell notwendig, wenn wir mit der Wirtschaftskrise kreativ umgehen wollen.

Wie sieht eine derartige Praxis aus, die uns auf dem „Marktplatz des Lebens" mit den Wogen mitgehen, die Dynamik des Gesamten erfassen lässt und eine Ausdehnung unseres authentischen Potenzials erlaubt? Die Grundvorrausetzung dafür ist, unser Leben zu einer spirituellen Praxis zu machen. Wenn wir eine Spiritualität leben wollen, die nicht mehr darauf ausgerichtet ist, ein angenehmes Leben zu führen, sondern die Herausforderung eines wachen Lebens annimmt, werden wir uns auch in unangenehmen Lebenssituationen immer noch präsent im Augenblick erleben und gleichzeitig eine Handlungsfreiheit haben, die nicht aus unserem konditionierten Verstand heraus entsteht. Gerade in Krisenmomenten ist die Gefahr groß, dass wir in alte Verhaltensmuster zurückfallen, da der entstehende Stress uns wieder reagieren lässt.

Dies führt z.B. dazu, dass wir in existenzieller Not Dinge tun, die nicht aus unserer Intuition heraus kommen, sondern aus der Tatsache, dass die Vergangenheit gerade unseren Augenblick einfärbt und uns nicht erlaubt, diesen Moment so zu sehen wie er ist. Diese Verzerrung lässt uns vielleicht Entscheidungen treffen, die unserem Potenzial nicht entsprechen. Wir handeln nicht mehr aus der Weisheit in uns, aus der Gottesanbindung, aus dem überbewussten Impuls, sondern so, wie es uns Jahrtausende von Menschheitsgeschichte in die Wiege gelegt haben. Diese kosmische Gewohnheit zu transzendieren verlangt ein hohes Maß an Ausrichtung. Erst wenn wir Gott - das Eine, die Essenz, das Tao, die Leere - zu unserer Priorität machen, werden wir durch die Sucht dieser langen Linie von Evolution hindurchblicken und neue Möglichkeiten erkennen können.

Eine authentische Antwort auf das Leben entsteht, wenn genug Raum und Wachheit in der Situation vorhanden ist, wenn wir unsere konditionierten Muster zwar sehen, jedoch nicht aus ihnen heraus handeln. Wir erleben damit eine Klärung unserer Wirklichkeit und das Gefühl, immer mehr in unserer wahren Essenz anzukommen. Wir richten uns am Schöpferischen Impuls des Lebens aus. Ich würde sagen, der Wille des Großen Ganzen wird immer mehr zu unserem Willen. Wir übernehmen ganz die Verantwortung für alle Regungen, die in uns stattfinden, und gleichzeitig handeln wir aus der inneren Inspiration heraus. Diese ist immer ein Ausdruck des Ganzen und trägt somit zum Erwachen bei.



Diesen Artikel:


Bitte einloggen oder registrieren, um über diesen Artikel zu diskutieren

        

    | 
Banner
Login
Finde uns auf Facebook
Tipp: Chakra Workout Poster
Werbung
Empfohlene Links:
BIO-Lebensmittel im Internet bestellen
ALL-BIO – der frische Bioversand aus dem Allgäu. Schon ab 39,- EUR versandkostenfrei liefern lassen.
YOGISTAR: Der Spezialist für moderne Yoga-Tools
YOGISTAR ist der Hersteller für bewährte rutschfeste Yogamatten und weitere Hilfsmittel in einer riesigen Auswahl an Modellen und Designs.
Umfragen
Rituale in der Yogastunde (Mantrachanten, Gongschlagen etc.) – was halten Sie davon?
 

Autoren Info

Thomas Hübl ist ein spiritueller Lehrer der heutigen Zeit, der mit kompromissloser Klarheit das erleuchtete Potenzial einer neuen „Wir“- Kultur aufdeckt. Seine internationalen Workshops, Trainings und Veranstaltungen führen Menschen in eine tiefere Ebene von Selbsterkenntnis und persönlicher Verantwortung.

Mit seinem Programm „Sharing the Presence“ und der 2008 gegründeten Academy of Inner Science begleitet er Hunderte von Menschen bei der Entwicklung ihres transpersonalen Potenzials. Die Akademie sieht sich als Stätte zur Erforschung einer zeitgemäßen Mystik. Die Ausbildung richtet sich sowohl auf die Selbsttranszendenz als auch auf das aktive Engagement bezüglich der Herausforderungen, denen die Menschheit in unserer heutigen post-modernen Gesellschaft entgegensieht.