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Anusara Yoga

Von: Sarah Müggenburg

Rubrik: Yoga allgemein • 29149 Ansichten • Keine Kommentare zu Anusara Yoga

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Der aus den USA stammende Anusara-Yoga begeistert auch hierzulande immer mehr Menschen. Anusara-Yoga möchte den Übenden mit einer einfachen wie auch einleuchtenden Technik zu seiner idealen Körperhaltung führen – dem »Optimal Blueprint«. Hier erfahren Sie zusammengefasst einige Basics darüber

Selbst morgens um 06:30 Uhr sind die Klassen bis zum Rand der Kapazität gefüllt, wenn in Los Angeles oder New York Anusara Yoga unterrichtet wird. Die aus Amerika stammende Yogarichtung zieht auch hierzulande viele Anhänger an. Menschen, die nie zuvor einen Fuß in ein Yogastudio gesetzt haben, treibt es dabei ebenso auf die Matten, wie eingesessene Yogis aus anderen Systemen.

Anusara ist ein integrales System, in dem Asanas (Yoga- Stellungen und Übungen), Pranayama (Atemübungen) und Meditation gelehrt werden. Es ist für den Körper eines Menschen im 21. Jahrhundert konzipiert: Durch das viele Sitzen und mangelnde oder einseitige Bewegung bringt der Körper andere Voraussetzungen mit sich, als zu der Zeit, in der der klassische Hatha Yoga entstanden ist. Daher verbindet Anusara Yoga die klassischen Hatha Yoga-Stellungen mit Prinzipien der modernen Bio-mechanik. Die ursprüngliche spirituelle Zielsetzung des Hatha Yoga wird beibehalten.

Der Begriff Anusara kommt aus dem Sanskrit und wird ins Englische mit „flowing with grace“ und “following your heart” übersetzt. Im Deutschen bedeutet dies sinngemäß: sich mit der göttlichen oder universellen Kraft, dem Fluss des Lebens, zu bewegen und dem Herzen folgen.

Was ist der Unterschied zu anderen Yogasystemen? Beim Anusara Yoga werden in jeder Asana biomechanische Ausrichtungsprinzipien angewandt. Die so genannten „Universal Principles of Alignment“ wirken zusammen wie ein Bausteinprinzip. Damit wird der Übende nach und nach zurück zu seiner idealen Körperhaltung („optimal blueprint“) geführt und der Energiefluss im Körper deutlich verbessert. Das Ergebnis sind ein gesteigertes, allgemeines Wohlbefinden und mehr Lebenskraft, körperlich sowie geistig. Zudem verhindert die genaue Ausrichtung Verletzungen, hilft Haltungsschäden zu heilen und schafft die Basis für eine stetige und sichere Weiterentwicklung in den Asanas.

Ein weiteres wichtiges Element des Anusara Unterrichts ist die Sprache und das Öffnen des Herzens. So wird jede Stunde zu einem einzigartigen Erlebnis für die individuelle Entwicklung. Der Schüler wird nicht belehrt, sondern in seiner Einzigartigkeit unterstützt und gefördert. Erfolg im Anusara wird nicht daran gemessen, wie ‚gut‘ der Student in der Lage ist eine bestimmte Stellung auszuführen. Es geht vielmehr darum, Freude an der Ausführung und am eigenen Wachstum zu haben.

Entwickelt wurde Anusara Yoga von dem Amerikaner John Friend. Seine entscheidenden Einflüsse waren eine langjährige Tätigkeit als Iyengar Yoga Lehrer und sein intensives Studium der tantrischen  Philosophie, die dem Anusara Yoga zugrunde liegt. Diese geht davon aus, dass das ‚Göttliche‘ in uns allen präsent ist und es im Yoga darum geht, diese Präsenz zu erkennen und zu erwecken, anstatt sie außerhalb von uns zu suchen. Friend verbindet die physische Dimension der Ausrichtungsprinzipien mit einer undogmatischen, praktischen Spiritualität, die es jedem Studenten ermöglicht sich auf seine Weise mit dem Yoga zu verbinden. Anusara Yoga ist positiv, optimistisch und kultiviert eine respektvolle Haltung sich selbst und anderen gegenüber.

John Friend unterrichtet Anusara Yoga Workshops in ganz Amerika und bildet selbst Lehrer aus. In den USA gibt es bislang über 200.000 Schüler.

Die generellen Ausrichtungsprinzipien des Anusara Yoga
In den beiden illustrierten Stellungen auf der nächsten Seite werden einige der Ausrichtungsprinzipien hervorgehoben. Grundsätzlich werden alle Prinzipien in jeder Stellung angewandt. Die Prinzipien bauen in dieser Reihenfolge aufeinander auf:

1. Opening to Grace
Fundament schaffen, weich werden, Bereitschaft entwickeln sich zu öffnen, und Körper, Geist und Seele in Einklang mit etwas Übergeordnetem, Größeren zu bringen.

2. Muskuläre Energie
Energie von der Peripherie des Körpers nach innen, zum Fokuspunkt ziehen. Diese Aktivität steigert Stabilität, Kraft und physische Integration der Stellung.

3. Innere Spirale
Eine sich nach oben ausweitende Energiespirale, die sich von der Innenseite der Füße, den Beinen entlang, durch das Becken zur Gürtellinie bewegt. Die innere Spirale dreht die Beine nach innen, bewegt die Oberschenkel nach hinten und weitet das Becken.

4. Äußere Spirale
Eine sich verengende Energiespirale, die von der hinteren Gürtellinie, durch das Steißbein, die Beine hinunter, zur Außenkante des Fußes geht. Die äußere Spirale dreht die Beine nach außen, bewegt das Steißbein nach unten und vorne, und zieht das Becken und die Oberschenkel näher zusammen.

5. Organische Energie
Eine nach außen gerichtete Energie, die sich vom Fokuspunkt zur Peripherie des Körpers ausdehnt. Diese Aktivität erhöht die Ausdehnung und Flexibilität. Die Stellung wird dadurch leicht und ausdrucksvoll.

Ergänzende Ausrichtungsprinzipien

1. Fokuspunkte
Die drei möglichen Energiezentren:
a) Zentrum des Beckens
b) hinter dem Brustbein auf der Höhe des Herzens
c) der Gaumen

2. Die Seiten des Oberkörpers lang machen

3. Die sieben ‚Loops‘

Die ‚Loops‘ sind sekundäre muskuläre und organische Energieströme, die die Ausrichtung der Stellung verfeinern. Besonders wichtig ist der ‚Shoulder Loop‘, der im Gaumen anfängt und dem Oberkörper die Grundausrichtung ermöglicht.

4. Inner body bright
Eine gefühlvolle Ausdehnung von innen nach außen, voller Lebensenergie und Freude.

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