Yoga verändert den Blick auf die Welt. Nicht nur, weil wir im Kopfstand plötzlich alles andersrum sehen. Wenn wir verstehen, was wirklich wichtig ist, wer wir sind und dass wir mit allem verbunden sind, dann entsteht häufig der Impuls, auch positiv auf das, was uns umgibt einzuwirken. Etwas weiterzugeben von der Kraft, Klarheit und Liebe, die wir im Yoga kultivieren. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Gemeinschaft, die uns umgibt. Gemeinsam mit anderen sind wir viel stärker und können wir mehr bewirken als alleine. Gegenseitig können wir uns unterstützen, wertvolle Impulse geben und Ermutigung schenken.

Eine Frau, die seit vielen Jahren unermüdlich Menschen miteinander verbindet ist Yasmine Orth. Sie hat bereits 2004 eine Community für Frauen gegründet: den Goerlzclub. Seit 2012 veranstaltet sie regelmässig die Urban Libertines Salons – „creative and holistic journeys“, bei denen Yoga und Meditation eine wichtige Rolle spielen. Nun hat Yasmine ihrem Netzwerk einen neuen Namen gegeben: Aus dem „Goerlzclub“ wurde „The Lovers“. Warum diese Veränderung notwendig war und was Besucher beim Urban Libertines Conscious Living Yoga Retreat erwartet, hat sie uns im Interview verraten.

 

Das Interview

Yoga Aktuell: Yasmine, nun gibt es das erste Urban Libertines Retreat. Was unterscheidet dieses Retreat von anderen Yoga-Retreats? Was erwartet die Besucher?
Yasmine Orth: Unser Retreat feiert erstmal den Sommer. Für Beginner bieten wir einen fundierten Einstieg ins Yoga. Wir haben es so konzipiert, dass es einfach integrierbar ist in unseren Alltag. Ein Wochenende, in der Nähe Berlins. Auf einem 100 Jahre alten Hof mitten im Grünen. Wir fangen mit der Erdung nach einer stressigen Woche an und gehen mit Feuer zurück in die neue Woche. Wir haben ein professionelles Team an Lehrern, Coaches und sogar eine Ärztin dabei. Sie alle führen uns durch ein vielseitiges Programm das von einer Grundenergetisierung und Stressprävention über eine Zellkur durch INJU – Lebensenergie zum Trinken, Yoga mit Live-Musik, einer Einführung in die Yogaphilosophie bis hin zu einem einem Feuerritual reicht, bei dem wir alles Alte verbrennen. Wir praktizieren Pranayama, eine Kundalini-Meditation und eine Chakren-Reinigung. Am Sonntag gibt es ein Coaching, das vermitteln soll, wie wir alle neuen Visionen und Wünsche besser in den Alltag integrieren können. Und, um die neuen Intentionen zu manifestieren, gibt es zum Abschluss einen Kurs für intuitives Bogenschiessen. Ein Rundum-Programm.

Dieses Retreat ist eigentlich schon längst überfällig. Die Urban Libertines Salons gibt es ja bereits seit 2012 und haben mit über 600 Teilnehmern und insgesamt über 50 Yoga- und Meditations-Lehrern schon 12 Mal stattgefunden. Wir feiern immer an ganz besonderen Orten die jeweilig kommende Jahreszeit, um zu verstehen, was gerade mit der Natur im Außen und somit auch mit uns im Innern geschieht. Es ist immer ein besonderes Yogahappening, eine gemeinsame Reise, auf der wir die verschiedenen Facetten und Stile des Yoga kennenlernen und uns auch mit den komplexen Herausforderungen unserer Zeit beschäftigen und durch den Yoga lernen können, praxisnahe Tools an die Hand zu bekommen. Es ist immer anders, wie ein offenes Labor, wo niemand weiß was hinterher rauskommt, und danach ist man immer berührt, gewachsen, verändert.

„The Lovers“ – warum dieser Name und was ist das Ziel dieser Gemeinschaft?
The Lovers, 2015 gegründet, ist die Dachmarke und unsere „aktive Community für bewusstes Leben“. Sie baut auf 12 Jahren „Goerlzclub“ auf, einer Community für moderne Frauen, die ich 2004 in Zeiten vor Facebook gegründet habe. Nun möchte ich auch die Männer mehr integrieren. Es ist ein vielseitiges und ganzheitlich agierendes Netzwerk und beschäftigt sich im Wesentlichen mit den Themen Frauen-, Familien- und Gesundheitsförderung.

The Lovers steht für die Liebenden auf allen Ebenen. Der Name steht für die Liebe zum Leben und zu den Menschen. Es geht um persönliche Transformation und Potentialentfaltung und darum Verbindungen zu schaffen in schnelllebigen Zeiten und erhöhter Großstadtisolation. 
Dabei gibt es zwei Bereiche: The Lovers Agency für Markenberatung, Formate und Konzeption, so auch z.B. Seminare für Female Empowerment & Leadership, und die Förderinitiative The Lovers e.V., die unser Think Tank und ein Netzwerk für ganzheitliche Unterstützung von Frauen, Männern und Familien ist. Hier initiieren und fördern wir soziale Projekte. Wir haben einen eigenen Space und machen dort Workshops zu „Familienkompetenz“ und „Bewusstem Aktivismus“, bei denen Achtsamkeit, Ressourcenmanagement, Coaching und Yoga eine elementare Rolle spielen – um Integration voran zu treiben und die Gesellschaft zu transformieren. Außerdem planen wir mit unseren Ehrenamtlichen Yoga, Therapien u.a. für sich in Krisen befindende Personen, z.B. Kinder und Geflüchtete, anzubieten; und diejenigen Zusammenzubringen und zu stärken, die dies bereits tun. Auch ein Mentorennetzwerk, Patenschaften für alleinerziehende Frauen, Meditation in Schulen oder alternative Kinderbetreuung durch den Dialog der Generationen sind langfristig geplant.

(c) Anne Smith, Elena Lustig
(c) Anne Smith, Elena Lustig

Warum ist es dir so ein großes Herzensanliegen, Menschen zu verbinden, Netzwerke zu bilden, Plattformen zu schaffen?
Das entspricht meiner Seele. Schon immer. Sehr früh, sehr intuitiv. Heute bewusst und immer noch intuitiv. Ich hab schon früh gemerkt, wie besonders Begegnungen sein können und, dass wir dadurch einen Spiegel für unsere eigene Kraft finden und wachsen.
 Ich erfreue mich daran, wenn Menschen sich finden und daraus Neues entstehen kann. Und, wenn wir noch mehr aus dem ICH ins WIR kommen und nachhaltige Brücken und Beziehungen entstehen, beruflich wie privat. Verbindung ist Frieden.
Ich befinde mich immer zwischen diesem Balanceakt von Alleinsein und Gemeinsam. Und es ist für mich auch oft eine Herausforderung Verbindung zu spüren. Verbindung zu mir selbst, zu etwas Höherem und zu Anderen. Ich denke, ich kreiere es oft aus einem eigenen Bedürfnis heraus, noch mehr mein Herz zu öffnen, noch mehr ins Vertrauen zu kommen. Und das ist in Gemeinschaft mit anderen oft intensiver möglich. Aber auch ohne das regelmäßige Alleinsein ginge es nicht.

Es gibt immer noch das Klischee, dass Frauen stutenbissig sind und dass der Konkurrenzdruck unter Yogis und Yogalehrern wächst. Wie ist dein Eindruck diesbezüglich?
Ich habe mich vor Jahren intensiv damit auseinander gesetzt, und diese Form von Einzelkämpfertum unter Frauen war 2004 mein Gründungsgedanke vom Goerlzclub. Miteinander statt nebeneinander ist das Credo, bis heute.
Konkurrenz ist bei Männern und bei Frauen vorhanden und liegt sicher auch in der Natur der Sache manchmal. Es kann ja auch anspornen, die eigene Qualität zu optimieren. Ich habe dazu schon immer gesagt, ich empfinde eher Bewunderung für Frauen und, wenn ich gewisse Züge von Neid oder Missgunst empfinde, ist es ein Spiegel für meinen eigenen Mangel in diesem Moment.

Nur weil jemand Yogi oder Yogalehrer ist, ist die Person immer noch nicht vollkommen. Manche stehen ja auch erst am Anfang ihrer Reise oder ihres Prozesses. Ständig und immer wieder. Und am Ende ist es mit dem Yogabusiness wie in jedem Bereich. Das hinderliche Ego zu überwinden ist ein ständiger Prozess und bedarf viel Achtsamkeit. Ich kann mich auch oft nicht davon freimachen. Aber ich kann mir selbst vergeben und auch den Anderen, bei denen das so ist und habe wieder dazugelernt.

Du bist so voller Ideen und bestimmt gibt es noch andere spannende Projekte, an denen du arbeitest. Was steht denn als nächstes an?
Es ist mir ein Anliegen alle meine Projekte unter „The Lovers“ auf einen Kurs zu bringen und ein gutes Fundament zu bauen mit verschiedenen Partnerschaften. Mittlerweile kann man die Themen ja gut unter ein Dach bringen: Frauen-, Familien- und Gesundheitsförderung.
 Es soll ein gut funktionierendes Social Business sein zwischen Verein und Agentur. Ein Teil der Gewinne fließt in den Verein. 
Unsere Agentur konzipiert Formate wie Seminare und Retreats und berät Marken ganzheitlich.

Salon Mondaine
Salon Mondaine (Foto: Lina Grün)

Ein zweites Event-Format ist der „Salon Mondaine“ (for Female Empowerment & Leadership). Der nächste ist am 12.07. zum Thema „Voice of Change“. Das ist immer ein Talk für bis zu 150 Frauen im Berliner Soho House. Diesmal sind u.a. die Mitgründerin von der großartigen Spendenplattform betterplace.org und Jeanette Gusko, Head of Communication der Petitionsplattform change.org, sowie eine Sängerin und Stimmtrainerin dabei. Aus diesem Format heraus erarbeite ich gerade mit zwei Partnerinnen Seminarformate für Unternehmen und Freelancer. 
Und dann kommen natürlich weitere Retreats und Salons im Herbst und bei uns im The Lovers Space finden ständig Workshops und Events statt.
Und worauf ich mich sehr freue: Wir planen eine Ausstellung von einem The Lovers-Fotokunstprojekt zum Thema „Verbindungen“ zu Ende des Jahres und sind dabei aktuell auf der Suche nach Partnern.

Welche Rolle spielt Yoga in deinem täglichen Leben?
Ich bin zur Hälfte Inderin. Ohne es zu wissen und durch meinen Vater damit aufgewachsen zu sein, weil er selbst in Kenia geboren und Moslem ist, habe ich von klein an immer Yoga-„Verrenkungen“ gemacht. So richtig den Weg dazu habe ich aber erst vor zehn Jahren gefunden. Yoga ist eine Einstellung und in vielen meiner Handlungen verankert. Ich habe mich schon in meiner Jugend dem Buddhismus und Hinduismus nahe gefühlt und wusste nie warum eigentlich.
 Ich meditiere täglich und sei es fünf Minuten, um Verbindung zu schaffen. Yoga hilft mir sehr meine Woche zu gestalten und ist wie ein Seismograph für meine Balance und Kraft. Wenn ich nicht regelmäßig praktiziere, fällt mein Energieniveau schlagartig ab und ich bin mehr gestresst. Aber genauso wichtig sind regelmäßige Ausflüge in meinem Garten. Dort in der Sonne zu meditieren ist das Highlight meiner Woche. Und natürlich meine wundervolle Tochter, die mit ihren fünf Jahren schon seit zwei Jahren in der Kita Yoga macht.

 

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Yasmine Orth ist Gründerin des Berliner Netzwerks THE LOVERS. Seit 15 Jahren baut sie Netzwerke und Plattformen auf, hat viele Events konzipiert und veranstaltet. Als Beraterin, Creative Director & Connector folgt sie immer ihrer Intuition und hat eine Spürnase für kommende gesellschaftliche Bewegungen und versucht mit ihrer Arbeit dafür Lösungen zu finden. Sie ist Mutter einer Tochter und hat eine Heilausbildung bei Mari Nil gemacht.

Mehr über The Lovers: http://the-lovers.net/
Dort findest du auch alle Infos zum  Urban Libertines Conscious Living Yoga Retreat – für den es noch einige wenige freie Plätze gibt!
Foto: Claudia Casagrande

 

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