So einmalig wie unser Fingerabdruck, so einmalig ist der spirituelle Weg, den wir beschreiten. Darum kann eine Meditationspraxis, die sich für den einen stimmig anfühlt, für einen anderen Menschen nicht dienlich sein. Still sitzen fällt dir besonders schwer? Dann probier eine der folgenden meditativen Übungen aus!

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Du bist einzigartig! Genau wie jeder andere der über 7 Milliarden Menschen, die sich heute diese Erde teilen. Wir alle haben verschiedene Vorlieben und Abneigungen, sind geprägt durch individuelle Erfahrungen, bewegen uns in diversen Kulturkreisen – und sind zudem eine unvergleichliche Manifestation aus kosmischer Energie, den drei Koshas und Gunas, unserem Karma und unseren Samskaras. Doch im Herzen aller individuellen Meisterwerke, auch in deinem Herzen und in meinem, ist der gleiche, tiefe Wunsch verwurzelt: zu erfahren, wer wir wirklich sind – jenseits der sich wandelnden äußeren Gegebenheiten, mit denen wir uns oftmals identifizieren.

Eine hingebungsvolle Meditationspraxis gilt in vielen philosophischen Schriften als bedeutendes Werkzeug zur Selbsterkenntnis. Durch sie können wir die Erfahrung puren Seins erleben, wenn wir das Gedankenkarussell im Kopf für eine Weile zum Stillstand bringen. Wie wir zu diesem natürlichen Zustand (zurück)finden, ist allerdings von Mensch zu Mensch verschieden, eben weil wir uns mit ganz anderen Voraussetzungen in dieser Welt bewegen.

Mach dir deine Individualität zu Nutze

Vielen Menschen fällt es schwer, gerade zu Beginn, still zu sitzen und nach innen zu lauschen, sei es nun für 10, 30 oder 60 Minuten. Doch es gibt glücklicherweise eine ganze Vielzahl an meditativen Methoden und Praktiken, die uns dazu verhelfen, bewusster zu werden, ins Hier und Jetzt zu kommen, Gedankenmuster zu durchbrechen, die Identifikation mit dem Ego aufzulösen und zur spirituellen Reife zu gelangen. Das ist ein Aspekt, den ich am Yoga so sehr liebe: Wir lernen, unsere Individualität zu schätzen, anstatt sie zu verurteilen. Wir können mit den uns gegebenen Voraussetzungen arbeiten! Manche Menschen sind beispielsweise eher körperorientiert, andere sind intellektueller.

In deiner Meditationspraxis gilt es, eine Vorgehensweise zu erkunden, die sich für dich persönlich stimmig anfühlt. Hast du diese schon für dich gefunden? Wunderbar, dann erkunde mit ihr die Tiefen deines Seins. Fühlst du dich aber während deiner derzeitigen Meditationspraxis ständig unbehaglich oder sogar gestresst, musst dich immer wieder aufs Neue motivieren oder regelrecht zwingen, zu praktizieren, dann ist es für dich vielleicht an der Zeit, einen anderen Ansatz auszuprobieren. Dann sind die folgenden Übungen eine Einladung für dich, das vielfältige Reich der meditativen Selbsterforschung zu erkunden… mit Neugier, Offenheit und Freude.

Lachmeditation

So oft im Alltag nehmen wir uns selbst zu ernst und verlieren uns in unseren Sorgen und Ängsten. Eine einfache Lachmeditation kann dich blitzschnell wieder ins Hier und Jetzt bringen und deine Stimmung erhellen.

  • Komm in einen aufrechten Stand oder setz dich bequem auf einen Stuhl.
  • Schließ die Augen oder öffne sie, je nachdem, was sich für dich stimmiger anfühlt.
  • Räkele und streck dich für einige Momente, um in deinem Körper anzukommen.
  • Nun fang an zu lachen! Zuerst wirst du das Lachen vielleicht erzwingen müssen und wirst dir sogar etwas albern vorkommen. Doch nach einer kleinen Weile wird dich eine innere Freude überkommen. Das Lachen passiert dann von alleine und erfüllt deinen ganzen Körper. Gib dich diesem Ausdruck der Freude drei Minuten lang hin.

Ähnlich, wie das Lachen eines anderen Menschen anstreckend wirkt, kannst du dich selbst mit deinem Lachen anstecken.

Osho-Kundalini-Meditation

Einer der einflussreichsten spirituellen Lehrer, der die östlichen Lehren für die Menschen des Westens zugänglich und anwendbar machen wollte, war Osho. Seine Kundalini-Meditation ist eine dynamische Übung in vier Phasen, die Bewegung als Mittel zur Einstimmung und Öffnung verwendet.

  • Erste Phase (15 Minuten): Komm in den Stand. Deine Augen können offen oder geschlossen sein. Sei locker und lass deinen ganzen Körper sich schütteln. Spüre, wie die Energie von deinen Füßen nach oben steigt. Lass alles los und werde zum Schütteln!
  • Zweite Phase (15 Minuten): Tanze, so wie du dich gerade fühlst. Lass sich den ganzen Körper so bewegen, wie er es gerade will.
  • Dritte Phase (15 Minuten): Bleib stehen oder setz dich hin. Schließ die Augen und sei ganz still. Beobachte, was innen und außen geschieht.
  • Vierte Phase (15 Minuten): Lass die Augen geschlossen und leg dich flach auf den Boden. Sei ganz still und bleibe präsent.

Eine Tasse Tee trinken

Alle Handlungen werden zu Yoga, wenn wir sie mit voller Aufmerksamkeit und mit Liebe tun. Sobald wir all unseren Fokus auf einen bestimmten Punkt richten, kommen wir voll in den Moment. Gönn dir am Morgen oder in einer hektischen Situation eine Tasse Tee. Lass sie zu einem Ritual werden, bei dem du alle Erfahrungen mit deinen Sinnen absorbierst.

  • Such dir einen ruhigen Platz und setz dich gemütlich hin. Nimm drei tiefe Atemzüge in den unteren Bauchraum.
  • Nimm deine Tasse Tee in beide Hände und spür zunächst die Wärme an deinen Händen.
  • Nimm nun den Geruch des Tees wahr. Riecht der Tee lieblich, herb oder vielleicht fruchtig? Dann nimm den ersten Schluck. Lass ihn in deinem Mund hin und her wandern. Welchen Geschmack hat der Tee? Welche Temperatur? Welche Konsistenz? Spür die Wärme in deinem Rachen, wenn du den Tee herunterschluckst.
  • Nimm dir für deine Tasse Tee viel Zeit. Lass dich nicht aus der Ruhe bringen. Wenn Gedanken auftauchen, dann lass sie einfach ziehen, wie Wolken am Himmel.
  • Ist die Tasse leer, bist du vollkommen im Jetzt angekommen.

Gedanken aufschreiben

Die Fähigkeit, die eigenen Gedanken ohne Wertung zu beobachten, ist die wichtigste Voraussetzung dafür, sich in einem nächsten Schritt von ihnen distanzieren zu können. Tausende von Gedanken schießen uns täglich durch den Kopf – und lösen sich wieder auf. Um dir dieses mentalen Dauerfeuers bewusst zu werden, hilft es, wenn du deine Gedanken einmal genau dokumentierst.

  • Setz dich an einem ruhigen Ort mit einem Stift und einem Blatt Papier bequem hin.
  • Beobachte nun zehn Minuten lang deine Gedanken und schreibe sie alle nieder. Auch wenn du denkst „Was denke ich gerade?“, ist das ein Gedanke, den du niederschreiben magst.
  • Sei dabei vollkommen ehrlich zu dir selbst. Du bist die einzige Person, die diesen Zettel lesen wird. Schreib alles auf, was dir in den Sinn kommt.

Nach Ablauf der zehn Minuten schau dir die niedergeschriebenen Gedanken auf dem Papier an. Wenn du die Produkte deines Geistes liest, wirst du feststellen, wie verworren und oftmals unzusammenhängend sie an die Oberfläche treten. Dies wird dir helfen, dich von ihnen distanzieren zu können.

Als Inspiration für diesen Beitrag diente das Buch „Das Orangene Buch: Die Osho Meditationen für das 21. Jahrhundert“ von Osho.Anzeige