Es gibt besondere Menschen, die, unabhängig ihrer kleinen Macken und Eigenheiten, einen Ehrenplatz in unseren Herzen einnehmen. Wir fühlen uns tief mit ihnen verbunden – denn sie helfen uns, die Verbundenheit aller Dinge zu erfahren.

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Manche Freundschaften festigen sich über Jahrzehnte, andere entstehen ganz plötzlich und schon beim ersten Augen-Blick. Ganz gleich, wie lange du deinen Seelenfreund schon kennst, weißt du genau: euch schweißt ein besonderes Band zusammen. Dein Seelenfreund versteht dich, inspiriert, motiviert und ja, irritiert dich. Er ist dein Spiegel, in dem du dich selbst erkennen kannst; und du bist seiner. Das alles macht ihn zu einem kostbaren Verbündeten auf deinem spirituellen Weg!

Gemeinsam Neues lernen

Yogastunden besuchen, ayurvedische Rezepte nachkochen, spannende Dokus schauen, Vorträge anhören: gemeinsam Neues zu lernen und sich darüber auszutauschen ist unglaublich bereichernd. Wir alle haben darüber hinaus verschiedene Interessen und Vorlieben, und oftmals bringt dich dein Seelenfreund an Orte und in Kontakt mit Ideen oder Menschen, die dir eine neue Sicht auf die Dinge eröffnen. Den eigenen Wissensfundus und Erfahrungsschatz zu teilen bereichert außerdem nicht nur dein Gegenüber, sondern beflügelt auch deine eigenen Reife, denn durch den Austausch kann Wissen tiefer sinken.

Zusammen Krisenzeiten durchstehen

Das Leben kann ab und an schon ganz schön verwirrend sein. Manchmal weiß man einfach nicht mehr, wo eigentlich oben und unten ist. Dein Seelenfreund gibt dir in solch schwierigen Zeiten Halt und Zuversicht, und du tust das Gleiche für ihn.

Krisen gehören zum spirituellen Wachstum untrennbar dazu, sie sind tatsächlich ein Zeichen des Fortschritts, der Entwicklung. Manchmal braucht es nicht einmal Ratschläge zur Lösung eines Problems, sondern einfach nur eine Person, die zuhört und Verständnis zeigt. Auch dafür, Probleme wieder in den größeren Kontext einzuordnen, wenn man sich gerade in sein persönliches Drama verstrickt hat und nicht mehr klar sehen kann, sind Seelenfreude prädestiniert.

In den Spiegel schauen

Gerade in Beziehungen lernen wir unwahrscheinlich viel über uns selbst. Wenn wir uns zuhause verschanzen und uns den Menschen um uns herum verschließen, leben wir im Grunde in einer kleinen, behüteten Blase. Erst in Kontakt mit den Menschen, die auf der kosmischen Bildfläche unseres Lebens erscheinen – alle aus einem bestimmten Grund, wohlgemerkt –, zeigt sich die bunte Palette unserer Persönlichkeitsmerkmale.

Dein Seelenfreund ist für dich ein Spiegel, in dem du dich selbst erkennen kannst. Hier wirst du nicht nur Schönes sehen, sondern manchmal auch ziemlich Erschreckendes. Denn vor deinem wahren Seelenfreund kannst, und willst, du keine Maske tragen. Er weiß, und hilft dir zu akzeptieren, dass Licht und Schatten sich bedingen, und dass wir alle Schwächen haben, an denen wir arbeiten dürfen. Auch dein strahlendes Licht wird sich in diesem Spiegel reflektieren, und hinausstrahlen in die Welt.

Konflikte austragen

Zeigen sich Seelenfreunde verwundbar und präsentieren sich offen mit all ihren Ecken und Kanten, kommt es zwischen ihnen ganz natürlich ab und an auch mal zu Konflikten. Eine Seelenfreundschaft misst sich nicht daran, dass möglichst wenig Reibung entsteht, sondern daran, wie mit dieser Energie gehandhabt wird. Mit Achtsamkeit, Liebe, Respekt, Demut und dem Willen, sich in die Lage des anderen zu versetzen, können Meinungsverschiedenheiten fruchtbarer Boden für Transformation und Wachstum sein. Dazu gehört auch, dem Gegenüber eine andere Meinung zuzugestehen.
Gerade in Phasen, in denen einer der beiden Vertrauten tiefe Täler durchwandert, zeigt sich der Wert eines echten Seelenfreundes, wenn er sich selbst auch mal zurücknehmen und sein eigenes Ego hinten anstellen kann.

Verbindungen lösen

Auf deinem spirituellen Weg wirst du dich wahrscheinlich im Laufe der Zeit von Menschen lösen wollen oder müssen, die einmal fester Teil deines Lebens waren; oder sie werden sich von dir distanzieren. Wenn das Bewusstsein reift, wandeln sich oft auch Prioritäten und Ziele im Leben. Manchmal wird hierdurch bestehenden Freundschaften die Grundlage genommen, es gibt keine gemeinsame Basis mehr. Das ist okay! Gerade, wenn du erst am Beginn deiner spirituellen Reise bist, fühlst du dich vielleicht manchmal einsam und glaubst, kein Mensch versteht dich. Aber sei dir gewiss, dass dein Herz, je offener du es legst und der Welt preisgibst, wie ein Magnet die Menschen in dein Leben ziehen wird, die sich ebenfalls nicht verschlossen haben.

Einen Seelenfreund findest du, wenn du dich selbst nicht versteckst – lass Verbindungen zu. Die Wahrscheinlichkeit, solche Herzensmenschen in dein Leben zu ziehen, steigt, wenn du durch deine Yogapraxis den Staub von deiner Seele kehrst und deine Schutzschilder abnimmst.

Verbinden sich zwei Menschen, lösen sie sich ein Stück weit von der Illusion der Dualität. Und genau darum fühlen sich diese Verbindungen so erfüllend und lebendig an: weil wir durch sie unserer wahren Natur wieder etwas näher gekommen sind.Anzeige

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Janine Schneider
Janine Schneider ist seit Herbst 2016 Redaktionsmitglied von YOGA AKTUELL. Sie hat Literatur sowie Online-Journalismus in Berlin und Köln studiert und im Medien- und Kommunikationsbereich verschiedener Organisationen gearbeitet. Janine unterrichtet Hatha-Yoga mit Fokus auf Achtsamkeit und Atem.