Letzte Woche ging einer meiner Achtsamkeitskurse zu Ende. Es war mir eine große Freude, wieder einmal Menschen begleiten zu dürfen und mit ihnen die wertvolle Erfahrung zu machen, wie sich unser Leben zum Positiven verändert, wenn wir achtsamer im Umgang mit uns selbst und mit anderen sind.

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Die Teilnehmer des Kurses hatten – wie ich selbst und auch die Teilnehmer aus anderen Kursen – aber immer wieder mit kleinen Stolpersteinen zu kämpfen, u.a. mit Trägheit, Langeweile und Konzentrationsschwierigkeiten.

Das alles ist GANZ NORMAL! Wichtig ist nur, dies zu bemerken und mit der Praxis fortzufahren. Hierzu möchte ich dir 3 wertvolle Tipps geben, die dir dabei helfen können.

1. Mach einfach weiter

Das Phänomen des „Schleifenlassens“ der eigenen Praxis kennen wir alle. Selbst dann, wenn die Übungen noch so leicht sind und wenn wir ganz deutlich erfahren, dass die Praxis uns guttut, fällt es uns oft besonders schwer, regelmäßig zu üben. Auch dann, wenn wir die allerbesten Absichten haben, so werden die meisten von uns früher oder später, mal kürzer oder mal länger, wieder vom Weg abkommen oder pausieren. Das Pausieren ist in meinen Augen aber nicht das eigentliche Problem. Denn manchmal stehen schwierige Lebensumstände oder übervolle Terminkalender einfach im Vordergrund und machen es uns nicht möglich, uns Zeit für unsere persönlichen Belange zu nehmen. Schwierig wird es nur dann, wenn wir uns dafür verurteilen, klein machen und aufgeben.

In meinen Augen ist alleine schon die Absicht, immer und immer wieder anzufangen, eine wichtige Übung. Beginne also wieder und wieder! Ganz unabhängig davon, wann du das letzte Mal auf dem Meditationskissen gesessen hast.

Die Wissenschaft hat übrigens herausgefunden, dass alleine unsere Haltung – Wohlwollen und Entschlossenheit – schon einen positiven Effekt auf unser ganzes Sein ausübt. Wenn wir die Absicht haben, wieder und wieder anzufangen und es dann auch früher oder später tun, profitieren wir davon.

Hierbei fällt mir oft die Frage eine, die die Sufi-Lehrerin Annette Kaiser mir einmal gestellt hat: „Doris, kennst du den Unterschied zwischen einem Menschen und einem Meister?“ „Nein“, antwortete ich neugierig. „Der Meister steht immer wieder auf. Auch dann, wenn er bereits 1000 Mal gefallen ist.“

2. Bewahre den Blick des Anfängers

Der japanische Zen-Meister Suzuki Shunryū hat den Ausspruch „zen mind is beginner’s mind“ geprägt. Der Geist eines Anfängers ist die beste Voraussetzung für unsere persönliche Praxis. Ob wir also gerade erst anfangen, vom Weg abgekommen sind und wieder anfangen oder aber gar nicht erst abgekommen sind und bereits seit Monaten praktizieren: den Geist eines Anfängers zu bewahren macht es möglich, die konditionierten Vorurteile, die beim Üben selbst zwangsläufig auftauchen, beiseite zu legen. Diese stören uns nämlich dabei, den Geist wirklich zur Ruhe kommen zu lassen, weil sie dafür Rechnung tragen, dass wir permanent darüber urteilen, was gut und was schlecht ist, was richtig und was falsch ist, was gerecht und was ungerecht ist. Lassen wir uns hingegen mit einem wertfreien, offenen Blick auf die Übungen ein, dann eröffnen sich uns unendlich viele Sichtweisen.

Der Anfängergeist bietet dir die Möglichkeit, dich aus dem Modus des Autopiloten herauszuholen. Nur dann, wenn du aus ihm erwachst, kannst du die Wunder, die deine Yoga-, Meditations- oder Achtsamkeitspraxis für dich bereithalten, auch erkennen.

3. Akzeptiere deine eigene Unvollkommenheit

Wir alle möchten unsere Trägheit überwinden und der perfekte Yogi oder die perfekte Yogini sein. Aber wir sind und bleiben in gewisser Weise unvollkommen – innerlich und natürlich auch äußerlich; auch dann, wenn wir uns noch so sehr wünschen, dass wir durch unsere persönliche Praxis ein Stück vollkommener werden. Wir sind vielleicht kahl, haben Übergewicht, eine Warze, ein Muttermal, Falten, glatte Haar statt Locken, einen zu kleinen Busen, O-Beine oder nur ein Ohr. Vielleicht fühlen wir uns unzulänglich, weil wir mit Ängsten, Depressionen, Zwängen und Suchtverhalten zu kämpfen haben.

Wenn du jedoch anerkennst, dass du in deiner Unvollkommenheit vollkommen bist, dann wird das Leben leichter. Wie wäre es, wenn du deiner Unvollkommenheit in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten mehr Freundlichkeit entgegenbringst und mehr Selbstmitgefühl für dich hast?

Diese 3 Tipps können dir zu mehr Gelassenheit verhelfen und dich dabei unterstützen, die Freude, die deiner täglichen Yoga-, Meditations- oder Achtsamkeitspraxis zugrunde liegen sollte, aufrecht zu erhalten. Wenn wir uns also alle ein bisschen weniger Druck machen, dann wird nicht nur unsere spirituelle Praxis, sondern das ganze Leben ein bisschen leichter.Anzeige

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Doris Iding
Doris Iding ist Ethnologin, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitslehrerin sowie Autorin mit Schwerpunkt Integration östlicher Heilverfahren in den Westen und bewusstseinsverändernde Techniken. Ihr besonderes Interesse liegt in der Vermittlung eines neuen Bewusstseins, bei dem der Mensch nicht mehr dogmatisch an alten Traditionen und Lehren festhält, sondern sich dafür öffnet, dass alles miteinander verbunden ist. In ihren Artikeln und Seminaren vermittelt sie auf leichte und spielerische Weise, wie wir entspannt, achtsam und wohlwollend zu uns selbst finden können. Vierzehn ihrer Bücher wurden in andere Sprachen übersetzt.